Erneut Corona-Regeln missachtet – Ist CS-Präsident Horta-Osório noch tragbar?
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Erneut Corona-Regeln missachtetIst CS-Präsident Horta-Osório noch tragbar?

Der CS-Chef sorgt mit Verletzungen der Corona-Regeln bei Freizeit-Trips für Kopfschütteln. Die Bank schweigt. Jetzt fordern Politiker Massnahmen.

von
Fabian Pöschl
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CS-Verwaltungsratspräsident Antonio Horta-Osorio hat Ärger am Hals.

CS-Verwaltungsratspräsident Antonio Horta-Osorio hat Ärger am Hals.

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Für einen Freizeittrip an den Wimbledon-Final soll er die Quarantäne-Regel gebrochen haben.

Für einen Freizeittrip an den Wimbledon-Final soll er die Quarantäne-Regel gebrochen haben.

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Es ist schon der zweite Regelverstoss, erst im November gab er einen ersten Verstoss zu, worauf eine interne Untersuchung den zweiten Fall aufdeckte.

Es ist schon der zweite Regelverstoss, erst im November gab er einen ersten Verstoss zu, worauf eine interne Untersuchung den zweiten Fall aufdeckte.

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Darum gehts

  • CS-Chef António Horta-Osório soll schon zweimal die Quarantäne-Pflicht verletzt haben.

  • Vielen reicht es jetzt mit den Eklats bei der skandalumwitterten Bank.

  • Auf dem Spiel stehen das Vertrauen der Bank und die Autorität ihres Chefs.

Die Credit Suisse (CS) kommt aus den Skandalen nicht heraus. Nach den Milliarden-Eklats mit den Finanzvehikeln Greensill und Archegos versprach der neue Verwaltungsratspräsident António Horta-Osório Besserung.

Doch der neue Chef sorgt mit seinen Eskapaden für noch mehr Unruhe. Aufregung verursachte er, als er sich selbst anzeigte, weil er die Schweizer Quarantänepflicht verletzt hatte. Die Bank leitete eine Untersuchung ein. Dabei fand sie heraus, dass der Portugiese schon im Sommer die Quarantäne bei einem Privat-Trip an den Wimbledon-Final missachtet haben soll, wie «Reuters» unter Berufung auf anonyme Quellen schreibt.

Die Bank will auf Anfrage keinen Kommentar dazu abgeben. Doch für viele reicht es jetzt mit den Eklats. Die Compliance-Expertin und Juristin Monika Roth findet Horta-Osório an der Spitze der Credit Suisse schon seit dem ersten bekannt gewordenen Quarantäneverstoss nicht mehr tragbar, wie sie zu 20 Minuten sagt.

«Dieses Verhalten geht einfach nicht»

«Wir sind im zweiten Jahr der Pandemie, da geht so ein Verhalten des Verwaltungsratspräsidenten einer Bank einfach nicht. Zumal die CS seit Jahren mit Skandalen kämpft», sagt Roth. Von der internen Untersuchung der Bank erwartet sie keine Fortschritte. «Man hat ja schon den ersten Verstoss gegen die Quarantäneregeln einfach so hingenommen», so Roth.

Wirtschaftsrechtsprofessor Peter V. Kunz fordert gegenüber 20 Minuten Massnahmen: «Der Verwaltungsrat sollte Horta-Osório für den erneuten Regelverstoss öffentlich abmahnen.» So etwas gebe es sehr selten und sei ein starkes Zeichen, dass man die Probleme ernst nimmt, so Kunz.

Politiker haben kein Verständnis für die Eskapaden

Auch Mitte-Nationalrat Lorenz Hess findet es «sehr bedenklich», sollten die Vorwürfe zutreffen. «Als Verwaltungsratspräsident ist sein Job das Einhalten von Regeln», sagt Hess zu 20 Minuten. Formell sei es zwar noch kein Grund für einen Rücktritt, aber die Bank «muss sich überlegen, ob sie ihn sich aus Image-Gründen noch leisten kann», sagt Hess.

FDP-Nationalrat Kurt Fluri sieht in dem Verstoss gegen die Quarantäne-Verordnung kein eigentliches Versagen in Bankangelegenheiten, «aber ein Führungsversagen», wie er auf Anfrage sagt. Der Verwaltungsrat müsse sich nun fragen, ob Horta-Osório noch genügend Autorität hat in der Bank.

GLP-Nationalrat Martin Bäumle will den Vorfall nicht dramatisieren, fordert aber Konsequenzen: «Wenn er die Regeln fürs private Vergnügen verletzt, habe ich kein Verständnis. Es ist Sache der Bank, welche Folgen es gibt, aber dieses Verhalten kann sie nicht einfach durchgehen lassen, sonst verspielt sie Vertrauen. Gut wäre ein Verweis», sagt Bäumle zu 20 Minuten.

Der GLP-Politiker fordert aber auch ein Umdenken bei den Quarantäneregeln. Beispielsweise könne man mit täglichen Tests und Maskenpflicht die Quarantäne lockern, damit die Wirtschaft weniger darunter leidet, so Bäumle.

Politik und Wirtschaft fordern nur noch fünf Tage Quarantäne

Der Bund befürchtet durch Omikron einen Infrastruktur-Kollaps. Wie in den USA soll deshalb die Quarantänefrist von zehn auf fünf Tage reduziert werden, finden Wirtschaftsverbände und Politiker und Politikerinnen. Nur noch rund halb so viele Personen wären laut den Berechnungen von Jan-Egbert Sturm von der Taskforce bei einer verkürzten Frist in Quarantäne.

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