Aktualisiert 21.08.2012 16:12

«Sugru»Ist das der Klebstoff der Zukunft?

Sie ist bunt, handlich verpackt und will so unverzichtbar werden wie Post-it: Mit der britischen Klebemasse Sugru lässt sich Kaputtes im Handumdrehen reparieren.

von
Elisabeth Rizzi
Mit Sugru lassen sich selbst kaputte Kabel reparieren.

Mit Sugru lassen sich selbst kaputte Kabel reparieren.

Die kleinen, in silbrige Tütchen verpackten Plättchen sind ein kleines Symbol gegen die Wegwerfgesellschaft: Mit Sugru können selbst Leute mit zwei linken Händen kaputte Gegenstände in Minutenschnelle reparieren.

Sugru ist bunt, fühlt sich an wie Plastilin und ist in der ersten halben Stunde nach dem Öffnen formbar. Mit der Masse lässt sich ebenso das kaputte Scharnier der Kühlschranktür reparieren wie das Loch in der Luftmatratze oder der kaputte Riemen am Flipflop. Und selbstverständlich kann man nicht nur Dinge reparieren, sondern der Kreativität freien Lauf lassen und beispielsweise einen Sguru-Rückenkratzer basteln oder ein Spielzeug für die Katze.

Mindestens drei Jahre haltbar

Einmal in die gewünschte Form gebracht, lässt man den Sugru 24 Stunden trocknen. Dann ist die Masse ausgehärtet und erhält eine silikonartige Konsistenz. Bei der Herstellerfirma FormFormForm heisst es auf Anfrage von 20 Minuten Online, der Härtungsprozess funktioniere von Minus 50 bis Plus 180 Grad Celsius.

Ebenso unkompliziert wie Sugru appliziert wird, lässt sich die Reparaturmasse wieder entfernen. Einmal ausgehärtet, kann sie vom Gegenstand weggeschnitten werden, meist ohne Spuren zu hinterlassen. Und mindestens drei Jahre scheint die Innovation unter mitteleuropäischen Klimabedingungen haltbar sowie UV-resisteent zu sein. Allerdings: Wenn die Masse zu stark überhitzt wird, dann kann Sugru krümelig werden und abfallen – jedoch ohne Gesundheitsgefahr, wie man bei FormFormForm betont.

Marketing per Blogger

Die kleine britische Start-up-Firma will ihre Klebemasse Sugru so bedeutend und unentbehrlich machen wie die gelben Post-it-Zettel. Schon sind das Wirtschaftsmagazin «The Economist» und das «Time» auf die Innovation aufmerksam geworden.

Sugru ist ein Produkt des Social Media. Als die irisch-stämmige Kunststudentin Jane Ni Dhulchaointigh 2003 begann, mit leicht formbarem, haltbarem und attraktiv aussehendem Material zu experimentieren, interessierte sich kein einziger Investor für sie.

Erst 2009 konnte sie das Produkt mit Hilfe eines einzigen privaten Investors auf den Markt bringen. Der Start: Eine Website und ein Versand an ausgewählte Technologie-Blogger. Diese begannen die Website zu verlinken. Und so kam es, dass Jane Ni Dhulchaointigh ihre erste Monatsproduktion von 1000 Packungen Sugru innert sechs Stunden in 21 Länder verkaufte.

Kreationen landen im Internet

Inzwischen ist nicht nur die Facebook-Community auf über 10 000 Fans angewachsen, die regelmässig Bilder und Ideen einsenden – vom Eierhalter bis zum Laserschwert. Ebenso haben sich weitere Investoren ans Projekt gehängt.

Ni Dhulchaointighs Firma beschäftigt heute 22 Angestellte und hat eine Vertretung in den USA eröffnet. Nebst dem Online-Verkauf soll auch der Absatz in Geschäften vorangetrieben werden. Letztere macht inzwischen ein Viertel des Umsatzes aus. Gesamthaft soll der letztjährige Absatz von 700 000 £ (1 Million Franken) heuer mehr als verdoppelt werden.

Sugrus Onlineshop liefert die Klebemasse in verschiedenen Packungsgrössen auch in die Schweiz.

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