Dauerregen im Mai - Ist das der schlimmste Frühling aller Zeiten?
Publiziert

Dauerregen im MaiIst das der schlimmste Frühling aller Zeiten?

Wind, Regen, Schnee – und das im Mai! Wer sich den Wetterbericht anschaut, fragt sich wohl gerade: Ist es wirklich Frühling? Eine Meteorologin erklärt, warum es gerade so viel regnet.

von
Marcel Urech
1 / 15
In den letzten Wochen war es oft nass und kalt.

In den letzten Wochen war es oft nass und kalt.

20min/Matthias Spicher
Blick vom Uetliberg: Der Mai ist in der Schweiz bis auf wenige Ausnahmen deutlich zu kühl.

Blick vom Uetliberg: Der Mai ist in der Schweiz bis auf wenige Ausnahmen deutlich zu kühl.

Google
News-Scouts schickten der Redaktion am 14. Mai Bilder von doppelten Regenbögen. «Und so stand meine Welt für einen Moment still», beschreibt eine Leserin den Augenblick.

News-Scouts schickten der Redaktion am 14. Mai Bilder von doppelten Regenbögen. «Und so stand meine Welt für einen Moment still», beschreibt eine Leserin den Augenblick.

20min/News-Scout

Darum gehts

  • Regen, Regen, Regen – seit Tagen ist es in der Schweiz nass und kalt.

  • Laut Meteonews ist das Wetter im Mai tatsächlich schlechter als normal.

  • Es geht aber noch nässer – ein Rekord ist der verregnete Mai noch lange nicht.

Wer über Auffahrt auf gutes Wetter hoffte, wurde enttäuscht. Statt Sonnenschein und Wärme gab es Dauerregen und Kälte. Doch ist das Wetter wirklich schlechter als normal? Ja, bestätigt Meteonews auf Anfrage der Redaktion. Der Mai sei in der Schweiz bis auf wenige Ausnahmen deutlich zu kühl. Sogar in Finnland gibt es frühsommerliches Wetter, in Helsinki etwa ist es gerade noch über 24 Grad warm gewesen. Auch im Nordwesten Russlands ist es aktuell markant wärmer als zu dieser Jahreszeit üblich.

Warum so viel Regen?

In der Schweiz regnet es gerade viel. Die Regenmenge liege im Norden mit Ausnahme Nordbündens aktuell oft schon bei zwei Drittel der Monatsnorm, regional auch darüber. Auch im Süden gab es von Sonntagabend bis Mittwochmorgen grosse Regenmengen, wobei der Schwerpunkt zwischen dem Simplongebiet und dem westlichen Teil des Tessins lag. Auch die Sonnenscheindauer war in den ersten zwei Maiwochen unterdurchschnittlich.

Mit Ausnahme des letzten Wochenendes machten die milden Luftmassen zuletzt einen weiten Bogen um Mitteleuropa, wie Meteonews mitteilt. Das Wetter in der Schweiz sei tiefdruckbestimmt und entsprechend wechselhaft, da vom Atlantik her immer wieder neue Tiefdruckgebiete hereinströmen. «Der Jetstream, ein Starkwindband in rund zehn Kilometern Höhe, verläuft aktuell ungewöhnlich weit südlich», sagt die Meteorologin Geraldine Zollinger von Meteonews zu 20 Minuten. Er funktioniert quasi als Förderband für die Tiefdrucksysteme, die grössräumig kühle Luft bis in den Mittelmeerraum schaufeln.

«Wetter wie eine Achterbahnfahrt»

Das Temperaturniveau sei in der Schweiz gerade klar unterdurchschnittlich, und das an praktisch allen Messstationen. Zum Teil betrage die Abweichung sogar über drei Grad. «Nach den aktuellen Prognosen sieht es nicht danach aus, dass dieses Defizit im Laufe der zweiten Monatshälfte wieder wettgemacht wird», sagt Zollinger. Der Mai 2021 werde mit grosser Wahrscheinlichkeit der zweite zu kühle Monat in Folge. Das war zuletzt 2018 im Februar und im März der Fall.

Auch im März und im April war es laut Zollinger oft ungewöhnlich kühl. Im März sei das Mittel der Temperaturen zwar normal, aber: «Das Wetter war wie eine Achterbahnfahrt, es gab sehr grosse Schwankungen».

Es geht noch kälter

Daten von Meteoschweiz und Meteonews zeigen allerdings, dass es noch schlimmer geht. Am 15. Mai 1895 war es in St. Gallen null Grad Celsius kalt, am gleichen Tag im Jahr 1885 zeigte das Thermometer in Zürich 1,1 Grad an. In La Chaux-de-Fonds gab es am 15. Mai 1946 1,2 Grad, auf dem Säntis sank die Temperatur am 15. Mai 1902 gar auf -8,7 Grad. Und in Samedan war es 1983 so kalt wie noch nie an einem 15. Mai: -3,1 Grad.

Eine der höchsten je gemessenen Temperaturen in der Schweiz an einem 15. Mai gab es 1945 in Lugano: 23,1 Grad Celsius. Warm war es am Stichtag auch in Zürich (20,1 Grad, 1992), Luzern (20,3 Grad, 1992), St. Gallen (20,3 Grad, 1912), Basel (21 Grad, 1992), Sion (21,3 Grad, 1945) und Chur (21,4 Grad, 1912). Die höchste je gemessene Temperatur an einem 15. Mai auf dem Säntis gab es 1960, als es 7,9 Grad warm war.

Es regnete auch schon deutlich mehr als die letzten Tage. Am 15. Mai 1926 gab es in Lugano etwa 100 mm Niederschlag. Am Säntis waren es 1895 78 mm, in Samedan 1983 63,4 mm und in St. Gallen 1895 41,9 mm. Zum Vergleich: Am 15. Mai 2021 gab es in Lugano 0,3 mm, am Säntis 13,8 mm, in Samedan 0,4 mm und in St. Gallen 12,2 mm Regen.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

833 Kommentare