Streit um Plastik-Recycling: Ist das Entsorgen in der Schweiz zu kompliziert?

Aktualisiert

Streit um Plastik-RecyclingIst das Entsorgen in der Schweiz zu kompliziert?

Glas, Pet, Kaffeekapseln, Plastikflaschen – das Entsorgen wird für Konsumenten immer aufwändiger. Politiker wollen das System umkrempeln.

von
asc/daw
1 / 5
In immer mehr Gemeinden in der Schweiz können Plastikabfälle vom Joghurtbecher bis hin zur Shampooflasche gesammelt werden. Eine neue Studie kommt nun aber zum Schluss, dass sich der Aufwand kaum lohnt.

In immer mehr Gemeinden in der Schweiz können Plastikabfälle vom Joghurtbecher bis hin zur Shampooflasche gesammelt werden. Eine neue Studie kommt nun aber zum Schluss, dass sich der Aufwand kaum lohnt.

Keystone/Sigi Tischler
Für Patrik Geisselhardt von Swiss Recycling zeigt die Studie klar: Abfälle sollten wenn immer möglich separat und nicht gemischt gesammelt werden. Deshalb soll ein nationales Sammelsystem aufgebaut werden. Es bestehe jedoch die Gefahr, dass die Konsumenten irgendwann keine Lust mehr hätten, noch mehr zu sortieren.

Für Patrik Geisselhardt von Swiss Recycling zeigt die Studie klar: Abfälle sollten wenn immer möglich separat und nicht gemischt gesammelt werden. Deshalb soll ein nationales Sammelsystem aufgebaut werden. Es bestehe jedoch die Gefahr, dass die Konsumenten irgendwann keine Lust mehr hätten, noch mehr zu sortieren.

Keystone/Peter Schneider
Oliver Ettlin von der Firma Pinkbag nutzt gerade diese mangelnde Motivation. Das Unternehmen bietet ein Recycling-Abo an und nimmt den Kunden gegen eine Gebühr die Mülltrennung ab. Das Angebot werde immer beliebter. Kunden werfen alle Abfälle – vom Glas über Pet bis zu den Batterien – einfach in einen einzigen Sack.

Oliver Ettlin von der Firma Pinkbag nutzt gerade diese mangelnde Motivation. Das Unternehmen bietet ein Recycling-Abo an und nimmt den Kunden gegen eine Gebühr die Mülltrennung ab. Das Angebot werde immer beliebter. Kunden werfen alle Abfälle – vom Glas über Pet bis zu den Batterien – einfach in einen einzigen Sack.

ZvG

Plastik-Recycling liegt im Trend: In immer mehr Gemeinden in der Schweiz können Plastikabfälle vom Joghurtbecher bis hin zur Shampoo-Flasche gesammelt werden. Die Abfälle werden dann teils im Ausland sortiert. Eine neue Studie im Auftrag des Bundes und acht Kantonen kommt nun aber zum Schluss, dass sich der Aufwand kaum lohnt.

Ein grosser Teil des gesammelten Plastiks lande am Schluss doch in der Kehrichtverbrennungsanlage, weil er verschmutzt sei und nicht alles Plastik rezykliert werden könne. Pro Kopf spare man pro Jahr eine Autofahrt von 30 Kilometern ein – bei hohen Kosten.

«Die Leute wollen Plastik trennen»

Für den Dachverband Swiss Recycling zeigt die Studie klar: Abfälle sollten wenn immer möglich separat und nicht gemischt gesammelt werden. In Zukunft will man noch mehr Kunststoffflaschen und allenfalls auch Tetra Paks recyceln, wie dies Aldi bereits tut. Die Verbände planen dazu den Aufbau eines nationalen Sammelsystems für Plastikflaschen.

«Natürlich ist es für den einzelnen Konsumenten umständlicher, wenn Abfälle getrennt gesammelt werden. Dafür gibt es ein besseres Rezyklat, als wenn alles in einen Sack kommt», sagt Patrik Geisselhardt, Geschäftsführer von Swiss Recycling. Um das System möglichst einfach zu halten, gehe der Trend hin zu zentralen Recyclinghöfen, wo alle gesammelten Abfälle auf einmal entsorgt werden könnten.

Laut Geisselhardt ist die Gefahr gross, dass die Konsumenten irgendwann keine Lust mehr haben, noch mehr zu sortieren. Umfragen zeigten aber, dass die Motivation der Leute zur Abfalltrennung nach wie vor gross sei. «Die Leute wollen Plastik trennen.»

«Frust über das System wird noch zunehmen»

Das bezweifelt Oliver Ettlin von der Firma Pinkbag. Sie bietet ein Recycling-Abo an und nimmt den Kunden gegen eine Gebühr die Mülltrennung ab. Diese werfen alle Abfälle – vom Glas über Pet bis zu den Batterien – in einen einzigen Sack.

Laut Ettlin wird das Angebot immer beliebter: «Gerade viele Junge wollen nicht Stunden für Entsorgungsfahrten und mühselige Mülltrennung aufwenden. Es macht keinen Sinn, Glas bei der Stadt, den Plastik aber beim Detailhändler zu entsorgen.» Werde das Recyclingsystem weiter ausgebaut, werde der Frust über das System noch zunehmen: «Die ganze Arbeit bleibt an den Konsumenten hängen.»

«Die Trennung durch den Konsumenten funktioniert sehr gut»

Grünen-Nationalrat Bastien Girod spricht sich zwar dafür aus, dass auch Shampoo-Flaschen oder Tetra Pak konsequent recycelt werden. «Aus ökologischer Sicht macht das Sinn.» Er fordert eine Vereinfachung des Sammelsystems. «Es sollte einen Recycling-Sack geben, den die Müllabfuhr abholt. Die verwertbaren Stoffe kann man heute maschinell sortieren.» Dies lohne sich bei grossen Mengen. «Die Statdt Zürich sollte das in Angriff nehmen.»

Michael Hügi vom Bundesamt für Umwelt betont, dass es keinen Grund gebe, das System umzukrempeln: «Das System ist quasi organisch gewachsen, weshalb für jede Abfallart eine andere Sammelorganisation zuständig ist. Die Trennung durch den Konsumenten funktioniert aber sehr gut.» Die Schweiz habe hohe Rücklaufquoten mit guter Qualität und gehöre international zu den Spitzenreitern.

So gut sammeln Schweizer Müll

• 2015 wurden in der Schweiz 253'665 Tonnen Glasflaschen, 38'660 Tonnen PET und 9590 Tonnen Aludosen recycelt. Das geht aus Zahlen des Bundes hervor. 83 Prozent des in der Schweiz verkauften PET-Flaschen, 91 Prozent der Dosen und 93 Prozent Glasflaschen wurden wiederverwertet.

• Von den jährlich 120 Millionen verkauften Gerätebatterien, wurden 2016 etwa 2800 Tonnen recycelt. Das entspricht einer Sammlungsquote von 68 Prozent, teilt die Batterierecycling-Organisation Inobat mit.

• 152 Kilo Altpapier wurde 2016 pro Person gesammelt. Schweizweit sind das 1,3 Millionen Tonnen Papier. 81 Prozent des jährlich verkauften Papiers wird wieder eingesammelt, wie der Verein Recycling Papier + Karton schreibt.

Deine Meinung