Luigi Bisignani: Ist das Italiens wahrer Herrscher?
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Luigi BisignaniIst das Italiens wahrer Herrscher?

Noch vor wenigen Tagen hatte niemand von Luigi Bisignani gehört. Jetzt steht sein Name auf den Titelblättern der Zeitungen – und ganz Italien merkt, dass dieser Mann die Fäden im Land zieht.

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In Italien zieht ein neuer Skandal um eine mutmassliche Geheimloge weite Kreise. Staatsanwälte in Mailand und Rom ermitteln wegen angeblicher Beziehungen eines inhaftierten Geschäftsmannes zu Politikern und Unternehmern. Der Name des Verhafteten: Luigi Bisignani.

Die «P4» genannte mutmassliche Geheimloge soll bei lukrativen Geschäften und in der hohen Politik kräftig mitgemischt haben. Die Staatsanwälte von Neapel, die mit ihren Ermittlungen die Affäre ins Rollen gebracht haben, legten den Kollegen in Rom die Akten über Bisignani vor, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtet.

Die römischen Staatsanwälte befassten sich zunächst mit angeblich undurchsichtigen Ausschreibungen öffentlicher Arbeiten im Zusammenhang mit der Post, den Staatsbahnen und der Digitalisierung der Büros des Regierungssitzes.

Staatssekretär und Spitzenunternehmer

Bisignani gilt dank seiner exzellenten Beziehungen zu prominenten politischen und wirtschaftlichen Kreisen als Drahtzieher des Skandals. Seine «P4» wird unter anderem verdächtigt, Politiker bei der Vergabe öffentlicher Ausschreibungen und Finanzierungen sowie bei Personalernennungen beeinflusst zu haben.

Die Ermittlungen basieren zum Teil auf abgehörten Telefongesprächen Bisignanis, aus denen seine Kontakte zu hochrangigen Persönlichkeiten hervorgehen, darunter zu Staatssekretär Gianni Letta. In den Sog der Untersuchung sind mehrere Spitzenunternehmer geraten.

Auch Berlusconi ist Mitglied

Die Ermittler vermuten, dass die Geheimloge ein «paralleles Informationssystem» betrieben hat. So habe sie sich beispielsweise Informationen beschafft, die dem Amtsgeheimnis unterliegen. Dank korrupter Polizisten habe sie etwa Akten und Informationen aus laufenden Strafuntersuchungen gegen Politiker und Unternehmer erhalten. Die geheimen Informationen hätten als Instrument der Einflussnahme in Politik, Justiz, Verwaltung und Wirtschaft gedient.

Nach Medienangaben zeige Bisignani volle Kooperationsbereitschaft mit den Staatsanwälten. Er habe als Berater mehrerer Unternehmen geholfen, Beziehungen zu einflussreichen Politikern aufzubauen.

Auch Ministerpräsident Silvio Berlusconi dürfte von diesem Informationsleck profitiert haben – schliesslich ist er Mitglied 1816 der Loge. Seine Beziehung zu Bisignani ist auch gut belegt: Der Unternehmer lud – wie aus den Akten zu entnehmen ist - den Cavaliere zu der Geburtstagsparty seiner Mutter ein.

Licio Gellis P2

Italien wurde bereits in den 80er-Jahren von einem Skandal um eine Geheimloge erschüttert. Damals ging es um die Loge «P2» (Propaganda due) von Licio Gelli.

Ihr war angelastet worden, die Errichtung eines autoritären Regimes in Italien geplant und mit rechtsextremistischen Kreisen in Verbindung gestanden zu haben. 1994 wurden die Mitglieder der verbotenen Loge aber vom Verdacht der Staatsverschwörung freigesprochen.

(kle/sda)

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