07.07.2015 11:23

FinnlandIst das Konzert mies, gibts Geld zurück

Bahnbrechendes Gerichtsurteil: Finnische Musikfans können jetzt ihr Geld zurückverlangen, wenn ein Konzert schlecht war.

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Für einen finnischen Fan war das Konzert von Rock'n'Roll-Legende Chuck Berry in Helsinki vom Oktober 2013 ein riesiges Fiasko. Berry schlich, begleitet von einer lustlosen Band, lethargisch über die Bühne und entschuldigte sich gleich zu Beginn: Er habe ein wenig Husten.

Zu viel für den Fan. Der 87-jährige Berry habe dem Publikum keine gute Show geboten, sagte er — und forderte beim Veranstalter sein Geld zurück. Jetzt, fast zwei Jahre nach dem Event, gab ihm der finnische Konsumentenschutz Recht. Und nicht nur das: Alle Zuschauer bekommen die Hälfte des bezahlten Eintritts zurückerstattet.

Rockmusiker dürfen betrunken sein, Kammermusiker nicht

Der Entscheid des finnischen Konsumentenschutzes ist einmalig — und ausserordentlich. Normalerweise kriegen Konzertbesucher ihr Geld nur zurück, wenn eine Veranstaltung abgesagt wird. Wo aber liegt die Grenze zwischen einem zufriedenstellenden und einem schlechten Konzert? Wann kriegt ein frustrierter Zuschauer den Eintritt zurückerstattet? Mit diesen Fragen befasste sich Pauli Ståhlberg, ein Anwalt, der sich auf Verbraucherrecht spezialisiert hat.

Viele Faktoren spielen eine Rolle, erklärt Ståhlberg dem finnischen Nachrichtenportal Yle. Auf der einen Seite gebe es zum Beispiel Rockmusiker, von denen man wisse, dass sie stets angetrunken die Bühne betreten. Von ihnen könne man nicht erwarten, dass sie nüchtern spielen. Auf der anderen Seite könne man nach dem Auftritt eines betrunkenen Kammermusikers die Rückerstattung des Eintritts sehr wohl einfordern, so der Anwalt.

Die allgemeine Ansicht ist wichtig

Grundsätzlich gehe es also nicht nur um Qualität, sondern auch darum, was das Publikum von einem Musiker erwartet, meint Rechtsexperte Ståhlberg. In den meisten Fällen spielten objektive Standards keine Rolle. Eher müsste man der Frage nachgehen, ob eine Veranstaltung die Erwartungen der Zuschauer trifft oder nicht.

Anders sei das aber bei Musikfestivals: Wenn nur einer der vielen Künstler eine schlechte Show bietet, könne ein Zuschauer nicht erwarten, dass ihm das Geld zurückerstattet werde. Auch hier fielen diverse Faktoren ins Gewicht: War die Hauptband schlecht oder war es lediglich eine Vorgruppe?

Ståhlberg: «Wenn sich ein Kunde über ein Konzert beklagt, wird er natürlich seine subjektive Position vertreten. Das reicht aber nicht für eine Entschädigung. Wirklich entscheidend ist, was die allgemeine Ansicht eines Konzerts ist. Und im Fall von Chuck Berry waren sich alle einig: Das Konzert war misslungen.»

Für welches Konzert würden Sie das Geld zurückverlangen? Geigen Sie den Musikern im Kommentarfeld Ihre Meinung.

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