Jugendgewalt: «Ist das nun der Dank dafür?»

Aktualisiert

Jugendgewalt«Ist das nun der Dank dafür?»

In seiner Freizeit setzt er sich gegen Jugendgewalt ein, im Ausgang kriegt er auf die Fresse: VideoGang-Präsident Ramon Angst ist in den letzten Wochen gleich zweimal brutal verprügelt worden.

von
Joel Bedetti

Ramon Angst ist frustriert. Der 19-Jährige hat Mühe zu sprechen, sein Kiefer ist gebrochen. Eine Titanplatte befestigt die Fraktur, sie wird erst in einem halben Jahr rausgenommen. «Ich kann es nicht fassen», sagt Ramon Angst. «Wieso passiert das ausgerechnet mir?»

Seit zwei Jahren setzt sich Ramon Angst als Präsident der VideoGang gegen Jugendgewalt ein. Und ist in den letzten drei Monaten gleich zweimal selbst heftigst niedergeschlagen geworden.

Am frühen Freitagmorgen vor Pfingsten wartete Angst mit seinen Kollegen vom FC Wallisellen beim Busbahnhof Winterthur. Sie waren auf dem Weg an ein Fussballturnier in Rimini. «Plötzlich pöbelte ein Jugendlicher, der in einer Gruppe unterwegs war, auf der Strasse vor uns einen anderen jungen Mann an», erzählt er. Eine Schlägerei zeichnete sich ab.

«Gezielt ins Gesicht geschlagen»

Angst und ein Mannschaftskollege liefen auf die Gruppe zu und wollten den Streit schlichten — keine gute Idee. «Der Anführer der Gruppe schlug mir mitten ins Gesicht», sagt Angst. Die Folge: Ein doppelter Kieferbruch. Die Polizei war aber schnell da und führte den Täter ab. Angst musste notfallmässig ins Spital Winterthur, wo er operiert wurde. Erst am Montag konnte er wieder nach Hause gehen.

Vor einigen Wochen stand Ramon Angst schon mal im Kreuzfeuer der Fäuste. Angst ging mit seiner Freundin aus dem Kanzlei-Club in Zürich an die frische Luft, in eine stille Ecke. Sie stritten. «Verbal», beteuert Angst. Aus dem Nichts seien drei Typen aufgetaucht. «Zwei begannen mir gezielt ins Gesicht und auf den Kopf zu schlagen», erzählt Angst.

Er sei zu Boden gegangen, die Fäuste hätten weiterhin auf ihn eingedonnert. Die Freundin habe geschrien, die Schläger seien abgezogen. Als er sich an die Wand lehnte und sich erholen wollte, seien die Schläger noch mal zurückgekehrt. «Sie prügelten weiter auf mich ein», sagt Angst. Dann hätten glücklicherweise die Türsteher des Clubs den Lärm vernommen und seien zu Hilfe geeilt.

Prellungen und Hirnerschütterung

Die Prügelband konnte entkommen. Angst erlitt Blutergüsse, Prellungen, Platzwunden und eine Hirnerschütterung. Vor allem aber beschäftigte ihn der Vorfall psychisch. «Ich sah keinen Grund für diese Tat, ich wusste einfach nicht, wieso die das getan haben.»

«Ist das Zufall oder Schicksal?», fragt sich Ramon Angst dieser Tage immer wieder. «Ich investiere fast meine ganze Freizeit in die VideoGang», sagt der Hochbauzeichner-Lehrling. In ihren Videobeiträgen versuche sie Jugendliche aufzuklären, Vorbilder zu zeigen, gegen Kriminalität und Gewalt anzukämpfen. Angst ist ratlos: «Ist das nun der Dank dafür?». Er werde die Gewalttaten wohl wegstecken. Zurzeit habe er aber gar keine Lust auf Ausgang.

Er sei überhaupt nicht der Typ, der eine Schlägerei provoziere, sagt Ramon Angst, er schlage auch nicht zurück. «Als die Typen vor der Kanzlei damals auf mich einprügelten, liess ich es einfach geschehen und hoffte, dass sie aufhören würden.» Das will er sich jetzt nicht mehr bieten lassen. «Gegen den Typen, der mich am Freitag niedergeschlagen hat, reiche ich morgen Anzeige ein!»

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