Aktualisiert 03.11.2009 12:06

UBS-QuartalszahlenIst das Vertrauen weg, wird der Weg steinig

Die UBS steckt im Sumpf von fehlendem Vertrauen und drückenden Altlasten fest. Ihr Weg zurück zu einer strahlenden Marke im Welt-Finanzmarkt ist weit, wie die heute präsentierten Zahlen zeigen. Die Börse reagiert vor allem auf den Vermögensabfluss ungnädig.

von
Lukas Hässig

Selbst die UBS verheimlicht ihre Unzufriedenheit nicht. «Das Ergebnis von Wealth Management & Swiss Bank enttäuschte», schreibt die Grossbank zu den heutigen Quartalszahlen für Juli bis September 2009. In der Paradedisziplin Vermögensverwaltung, auf der sie ihre Zukunft aufbauen will, weist sie weniger Ertrag und mehr Kosten aus. Der Gewinn der Sparte sank um 15 Prozent.

Besonders schmerzhaft ist der anhaltende Vermögensabfluss in der wichtigsten Division der UBS, die sich um die Gelder aller Kunden mit Ausnahme der Amerikaner kümmert. Fast 17 Milliarden Franken wurden abgezogen, davon stammten 4 Milliarden von Schweizern. Im Vorquartal waren diese der UBS treu geblieben.

Eigenkapitalpolster von 15 Prozent

Insgesamt schreibt die Bank fast 600 Millionen Franken Nettoverlust, unter Ausklammerung der Sondereffekte, die es allerdings immer gibt, erzielt sie knapp 1,6 Milliarden Gewinn. Die verwalteten Vermögen stiegen dank günstiger Märkte leicht auf fast 2,3 Billionen.

Mit der Finanzkrise kann die anhaltende Verunsicherung rund um die UBS nichts zu tun haben. Der Untergang einer grossen, vernetzten Bank ist kein Thema mehr. Die UBS hat ihre Risiken weiter reduziert, ihre Bilanzsumme liegt unter 1500 Milliarden, sie hat ein Eigenkapitalpolster von 15 Prozent und erfüllt die Anforderungen der Schweizer Behörden.

Grossbaustelle UBS

Warum die Börse die Bank trotzdem abstraft, liegt an ihrem verlorenen Nimbus. Die UBS hat auch unter der Führung von Oswald Grübel noch nicht bewiesen, dass sie in vernünftiger Zeit in altem Glanz erstrahlen wird.

Sie ist mit ihrer eigenen Restrukturierung beschäftigt, holt neue Chefs, baut Personal ab, verschiebt Abteilungen, zügelt Arbeitsplätze. Eine riesige Baustelle, die sich immer auch um sich selbst kümmern muss, statt ausschliesslich auf Kunden und Märkte.

5000 US-Kunden dem Fiskus ausgeliefert

Die Konkurrenz hat die Bank abgehängt. Die Credit Suisse segelt mit Rückenwind in die Zukunft und wirbt in Interviews und Veranstaltungen für ihre Stärken. Derweil muss die UBS auch in der heutigen Berichterstattung zu Vorsicht mahnen. Sie spricht von Fortschritten auf dem Weg zurück in die schwarzen Zahlen, um gleich einzuschränken, dass diese «abhängig von der Marktentwicklung und anderen Faktoren» seien. Ein selbstbewusster Auftritt klingt anders.

Vor allem die Vergangenheit im Offshore-Geschäft, also die Betreuung der internationalen Kundschaft aus der Schweiz heraus, lastet schwer auf der Bank. Sie hat rund 5000 US-Kunden dem amerikanischen Fiskus ausgeliefert, um den eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Damit hat sie weltweit das Signal ausgestrahlt, dass ihr das eigene Hemd immer näher ist als jenes der Kunden.

Die Hoffnung der UBS ist, dass alle Banken ihr Offshore-Geschäft neu aufgleisen müssen. Die Zeit der Schwarzgeld-Verwaltung ist vorbei, in Zukunft müssen die Vermögensverwalter sicherstellen, dass die Kunden ihre Vermögen korrekt versteuert haben. Die Margen im Geschäft mit weissem Geld sind allerdings tiefer. Auch das macht der UBS das Comeback als mustergültige, disziplinierte und professionell geführte Grossbank schwer.

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