Nach Colombo zurück: Ist der General ein Kriegsverbrecher?
Aktualisiert

Nach Colombo zurückIst der General ein Kriegsverbrecher?

Sri Lanka hat seinen Vize-Botschafter für die Schweiz, für Deutschland und für den Vatikan, Jaghat Dias, abgezogen. Der Grund: eine Strafanzeige von Menschenrechtlern.

Menschenrechtsorganisationen beschuldigen den ehemaligen General Jaghat Dias schwerer Kriegsverbrechen.

Menschenrechtsorganisationen beschuldigen den ehemaligen General Jaghat Dias schwerer Kriegsverbrechen.

Sri Lanka hat seinen Vize-Botschafter für die Schweiz, Deutschland und den Vatikan zurückgezogen. Dies bestätigten diplomatische Quellen am Dienstag. Menschenrechtsorganisationen beschuldigen den ehemaligen General Jaghat Dias schwerer Kriegsverbrechen.

Tamilische Internetseiten hatten den Rückzug des srilankischen Diplomaten im Verlauf des Monats September angekündigt. Am Dienstag vermeldete das «St. Galler Taglatt» unter Verweis auf diplomatische Kreise, dass sich Dias nicht mehr im Amt befinde.

Verlässliche Quellen bestätigen der Nachrichtenagentur sda, Dias sei nach Colombo zurückgekehrt. Die srilankische Botschaft in Berlin und das Generalkonsulat in Genf wollten sich zunächst nicht zur Affäre äussern.

Strafanzeige bei der Bundesanwaltschaft

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und TRIAL, die Schweizerische Gesellschaft für Völkerstrafrecht, hatten Anfang August bei der Bundesanwaltschaft (BA) Strafanzeige gegen Dias eingereicht.

Dias habe während der Schlussphase des Bürgerkrieges auf Sri Lanka Ende 2008 und Anfang 2009 als Generalmajor die 57. Division der Armee befehligt. Diese war laut den Menschenrechtsorganisationen für die Bombardierung von Zivilisten und Spitälern verantwortlich.

Die Division habe auch humanitäre Helfer und UNO-Mitarbeiter sowie religiöse Stätten beschossen. Laut einem Bericht des Europäischen Zentrums für Verfassungs- und Menschenrechte (ECCHR) in Berlin gibt es zudem Hinweise darauf, dass Dias in die Folterung und Erschiessung von Rebellen nach deren Gefangennahme verwickelt war.

Diplomatischer Druck auf Colombo

Menschenrechtler forderten deshalb, dass die Schweiz den Ex- Generalmajor als «unerwünschte Person» erklärt und damit seine Immunität aufhebt.

Das Aussendepartement EDA hatte zuletzt im August erklärt, es habe in dem Fall Gespräche mit den srilankischen Behörden gegeben, die Angelegenheit habe «grosse Bedeutung». Dias war erst seit dem 28. Januar 2010 in der Schweiz als Diplomat akkreditiert.

Am Sitz der Botschaft in Berlin, die für die Beziehungen zu Deutschland, der Schweiz und dem Vatikan zuständig ist, war er bereits seit September 2009. Dort wurde erwartet, dass Colombo angesichts der Vorwürfe eine Frist bis September abwarten wollte, um Dias im Rahmen einer ordentlichen Ablösung nach zwei Jahren in Deutschland ersetzen zu können. (sda)

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