«Time-Out»: Ist der Hockey-Einzelrichter parteiisch?
Aktualisiert

«Time-Out»Ist der Hockey-Einzelrichter parteiisch?

Er ist mit Abstand der beste Sportrichter im Land. Aber jetzt hat ein Teufelchen unseren tüchtigen Hockey-Einzelrichter Reto Steinmann geritten. Er hat sich schriftlich als Zug-Fan geoutet.

von
Klaus Zaugg
Reto Steinmmann bei seiner Arbeit als Anwalt.

Reto Steinmmann bei seiner Arbeit als Anwalt.

Nein, Reto Steinmann ist nicht parteiisch. Nein, Reto Steinmann ist kein Zug-Fan. Und doch wird er von nun an lange Zeit brauchen, bis er den EVZ-Schwefelgeruch wieder aus den Kleidern hat.

Der Hockey-Einzelrichter hat in der «Neuen Luzerner Zeitung» zum Abschied von Henrik Zetterberg einen offenen Brief an den schwedischen NHL-Superstar geschrieben. Der Zuger Rechtsanwalt ist als ehemaliger Zug-Korrespondent der angesehenen Neuen Zürcher Zeitung NZZ auch eine journalistische Edelfeder. Es ist eine gelungene Hommage an einen grossartigen Hockeyspieler.

Darf er das? Theoretisch ja - und er sagt auf Anfrage von 20 Minuten Online: «Ich habe mir durchaus Gedanken darüber gemacht, ob diese Würdigung mit meiner Arbeit als Einzelrichter vereinbar ist. Aber wir können davon ausgehen, dass Henrik Zetterberg nie mehr in der NLA spielen wird. Es geht mir ausschliesslich um den Spieler Henrik Zetterberg und ich hätte diesen offenen Brief auch dann geschrieben, wenn er in Ambri oder Genf gespielt hätte.»

Hinterlässt Steinmann einen falschen Eindruck?

Reto Steinmann hat juristisch mit jedem Buchstaben recht. Und doch liegt er falsch. Es gibt den Mythos des unbestechlichen preussischen Beamten. Damals hiess es, es genüge nicht, wenn einer kompetent, fleissig, redlich und unbestechlich sei. Es müsse einer auch alles vermeiden, was den Eindruck erwecken könnte, bestechlich zu sein.

Darum geht es. Reto Steinmann macht seinen Arbeit so gut, dass es in seiner Anwaltskanzlei in Zug bisher nahezu windstill war: Er ist von Stürmen der Polemik weitgehend verschont geblieben. Deshalb unterschätzt er womöglich die Wirkung seines öffentlichen Bekenntnisses zu einem EVZ-Star.

Aber die Hockey-Teufelchen schlafen nie. Eine der ganz besonderen Qualitäten unseres Hockeys ist ja auch der Föderalismus. Die Stärke der einzelnen Regionen. Dahinter steht das bedingungslose Einstehen für die Interessen des eigenen Klubs, die immer höher zu gewichten sind als das Gesamtinteresse. Wir gegen die anderen, wir gegen die Verbands- und Liga-Mafia. Entsprechend ist jeweils Lärmen und Rauschen und Tosen, wenn eine zentrale Autorität wie der Hockey-Einzelrichter Strafen ausspricht. Dann geht sogleich das Geschrei von Parteilichkeit los.

Zetterberg-Huldigung könnte ihn einholen

Die Gefahr, dass im Falle eines Falles Reto Steinmanns Würdigung des EVZ-Stars Henrik Zetterberg künftig als «Beweis» für seine Befangenheit herangezogen und zu Polemik missbraucht wird, ist nicht zu unterschätzen. Und nach dieser Hommage an Henrik Zetterberg lässt sich erst noch populistisch behaupten, der Einzelrichter lasse sich von grossen Namen begeistern und beeindrucken. Weshalb es kein Wunder sei, dass er im Falle der Auseinandersetzung zwischen dem Hockey-Weltstar und Multi-Millionär John Tavares aus New York gegen den unbekannten, vergleichsweise mittellosen «Nobody» Clarence Kparghai aus dem Berner Seeland auch ohne letzten Beweis gegen den «Kleinen» entschieden habe. Weil das Wort des «Grossen» immer mehr gilt. Wie im richtigen Leben. Natürlich war das im Falle «Tavares vs. Kparghai» nicht so. Aber wenn Emotionen in heiklen Sport-Gerichtsfällen ins Spiel kommen, dann wird genau so gedacht. Dann hilft es Reto Steinmann auch nicht, wenn er bei Hockeygerichtsfällen, die den EV Zug betreffen, den Ausstand nimmt und die Beurteilung seinem Stellvertreter mit Sitz im Bernbiet überlässt.

Im Grunde hat Reto Steinmanns sehr gut geschriebene Zetterberg-Würdigung eine ähnliche Wirkung wie wenn ein Bundesrichter beim Erreichen des Pensionsalters von Christoph Blocher in der NZZ eine Hommage an den Unternehmer schreiben würde. Aber immer wieder Fälle aus der Chemischen Industrie beurteilen müsste. Womöglich noch Fälle der EMS-Gruppe.

Schön geschrieben, aber doch nicht schlau

Henrik Zetterberg ist ein grandioser Hockeyspieler. Reto Steinmann hat eine wunderbare Hommage an den schwedischen Weltstar geschrieben. Die Unbestechlichkeit, Unabhängigkeit und Hockey-Fachkompetenz des Einzelrichters stehen nicht zur Debatte. Aber es ist, wie es ist: Mit der Zetterberg-Würdigung hat sich Reto Steinmann keinen Gefallen getan. Weil nun jene, die mit seinen Urteilen hadern, fortan boshaft und ungestraft behaupten dürfen, Reto Steinmann habe sich ja schriftlich als EVZ-Anhänger und Fan von grossen Stars geoutet.

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