Belgien: Ist der Liebespaar-Mörder ein Serientäter?
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BelgienIst der Liebespaar-Mörder ein Serientäter?

Ein belgischer Lehrer hat nach dem Doppelmord an einem jungen Liebespaar anfangs 2010 auch den Mord an einer 18-Jährigen im April 2007 gestanden. Die Polizei vermutet, dies sei nur die Spitze eines Eisbergs.

Nun ermitteln die Behörden, ob der Mann noch für weitere Taten in Frage kommt. Die Staatsanwaltschaft Brügge untersucht, ob der Mann im Jahr 1996 eine damals 16 Jahre alte Deutsche aus Niedersachsen vergewaltigt und umgebracht hat, wie belgische Medien am Dienstag berichteten. Die Jugendliche war damals tot am Strand des belgischen Badeortes De Haan gefunden worden. Sie weilte mit ihren Eltern in De Haan in den Ferien.

Der Fall des Mädchens hatte für Aufsehen gesorgt, weil die Polizei monatelang nach einem jungen Deutschen mit ostdeutschem Akzent gefahndet hatte. Dieser Mann soll sich mehrfach mit der 16-Jährigen in einer Diskothek in De Haan getroffen haben. Die Spur verlief aber im Sand.

Die Fahnder glauben, dass der geschiedene Vater von zwei Kindern aus der Provinz Limburg seit 1990 eine Reihe von Vergewaltigungen und Sexualmorden in Belgien verübt hat. Seine Opfer seien zwischen 15 und 28 Jahren alt gewesen.

Doppelmord am 2. Januar

Ins Rollen kamen die Ermittlungen nach einem Doppelmord in der Nacht auf den 3. Januar 2010. Eine 18-Jährige und ihr 20-jähriger Verlobter waren in der nordostbelgischen Provinz Limburg in einem brennenden Auto von Schüssen durchlöchert aufgefunden worden. Bald darauf wurde der 38-jährige Nachbar der jungen Frau verhaftet.

Letzte Woche gestand er dann die Tat. Der Lehrer habe sich von dem jungen Mann «belästigt» gefühlt und sich in jener Nacht «vergessen», erklärte sein Anwalt. Zur Beerdigung des Paares waren am Samstag rund 1200 Menschen gekommen.

«Charmant» und «liebenswürdig»

Am Sonntag wurde der Mann laut Staatsanwaltschaft auch der Freiheitsberaubung und des Mordes an einer 18-Jährigen angeklagt. Die Leiche der jungen Frau war wenige Tage nach ihrem Verschwinden im April 2007 in Plastik verpackt in einem Kanal gefunden worden. Diese Tat gestand der Beschuldigte inzwischen ebenfalls, wie Staatsanwalt Yvo Carmen in Löwen im Landesteil Flandern erklärte.

Der Anwalt der Eltern der jungen Frau sagte dem Nachrichtensender VRT, der Täter habe als «charmant, gesellig, kameradschaftlich und liebenswürdig» gegolten, als «ein Mann, mit dem man seine Tochter gerne abends ausgehen lässt». Auch von seinen Schülern wurde er als angenehmer Lehrer beschrieben, dem man eine solche Tat nicht zutraut.

Erinnerungen an Dutroux

In belgischen Medien ist bereits vom «neuen Dutroux» die Rede. Der Kinderschänder Marc Dutroux hatte in den 90er Jahren vier Mädchen getötet und war 2004 zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

(sda)

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