Corona-Massnahmen : Ist der Teil-Lockdown im Wallis erst der Anfang?
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Corona-Massnahmen Ist der Teil-Lockdown im Wallis erst der Anfang?

Nach dem Kanton Wallis rechnet die Gesundheitsdirektorenkonferenz mit weiteren Verschärfungen in den Kantonen. Bundesrat Alain Berset nimmt die Kantone in die Pflicht und droht mit neuen Corona-Massnahmen.

von
Bettina Zanni

Gesundheitsminister Alain Berset äusserte sich am Mittwoch an einer Pressekonferenz zur aktuellen Covid-Lage.

Darum gehts

  • Da die Infektionszahlen im Kanton Wallis besonders hoch sind, greift der Kanton zu härteren Massnahmen.

  • Gesundheitsminister Alain Berset (SP) und das BAG rufen die Kantone zum Handeln auf.

  • Ein Virologe hält weitere Beschränkungen von Personenansammlungen für nötig.

  • Der oberste Gesundheitsdirektor rechnet mit weiteren Kantonen, die zu zusätzlichen Massnahmen greifen.

Im Kanton Wallis drohen die Corona-Fallzahlen ausser Kontrolle zu geraten. Knapp 900 Fälle pro 100’000 Einwohner in den letzten 14 Tagen zählte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Mittwoch. Der Kanton kämpft nun mit einem Teil-Lockdown gegen das Virus. Etwa der Besuch von Discos oder Fitnesscentern ist damit nicht mehr möglich (siehe Box). Auch dürfen sich ab Donnerstag nicht mehr als zehn Personen versammeln.

Dass die Massnahmen schweizweit verschärft werden, schliesst Gesundheitsminister Alain Berset (SP) nicht aus. Er sagte an einer Medienkonferenz vom Mittwoch. «Wenn wir die Ergebnisse nicht sehen, werden wir am kommenden Mittwoch strengere Massnahmen beschliessen.» Er appellierte daran, private Veranstaltungen derzeit nicht mehr durchzuführen. Auch nahm Berset die Kantone in die Pflicht: «Es braucht hier eine gute Zusammenarbeit. Es ist wichtig, dass die Kantone auch Massnahmen ergreifen.» Auch Stefan Kuster, Leiter Übertragbare Krankheiten, sagte: «Kantone, bei denen sich die Fälle schnell verdoppeln, sollten sich Massnahmen überlegen – dringend.»

«Jeder Tag zählt»

Virologen schliessen sich Bersets Ruf an. «Die stark steigenden Fallzahlen zeigen, dass die Kantone jetzt deutlich mehr tun müssen als bisher, jeder Tag zählt», sagt Volker Thiel, Virologe am Institut für Virologie und Immunologie (IVI) der Universität Bern und Mitglied der Covid-Taskforce. Was Bund und Kantone bisher an Massnahmen eingeführt hätten, sei wahrscheinlich nicht ausreichend. «Wir müssen durch den Winter kommen, ohne dass das Virus ausser Kontrolle gerät.»

Die Kantone sollten laut Thiel die Zahl der Kontakte möglichst minimieren. «Die öffentlichen und privaten Versammlungen müssen auf eine Anzahl Personen beschränkt werden, die der lokalen epidemiologischen Lage entspricht und dazu mit der lokalen wirtschaftlichen Lage verträglich ist.» Weiter sorgten die Kantone gut gegen eine noch stärkere Ausbreitung des Virus vor, wenn sie Regeln für Aktivitäten mit physischen Kontakten, wie zum Beispiel Kontaktsportarten, vorgeben und an Arbeitsplätzen eine ständige Maskenpflicht einführen.

Appell an Eigenverantwortung

Für die Beschränkungen setzt Thiel eine Risiko-Kosten-Abwägung voraus. «Die Beschränkungen sollen nur so weit gehen, dass die betroffenen Einrichtungen ihren Betrieb weiterhin aufrechterhalten können.» Allerdings habe die Schweiz in den letzten Wochen den Spielraum dafür verloren. «Erst wenn sich die Lage wieder entspannt, können die Kantone
langsam Lockerungen beschliessen.»

Gleichzeitig steht für den Virologen fest, dass in erster Linie die Eigenverantwortung gefordert ist. «Jeder Mensch soll den gesunden Menschenverstand einschalten und sich nicht nur an das halten, was offiziell vorgeschrieben ist», fordert er. Dazu gehöre, sich die Frage zu stellen, auf welche Kontakte man verzichten könne, ohne dass es weh tue.

GDK rechnet mit Verschärfungen

Die Kantone sind bereits in Stellung. Am Mittwoch haben mehrere Kantone weitergehende Massnahmen beschlossen. Lukas Engelberger, Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK), sagt: «Aufgrund der Entwicklung der vergangenen Tage ist anzunehmen, dass weitere Kantone zusätzliche Massnahmen beschliessen werden.» Angesichts der epidemiologischen Lage und der Engpässe beim Contact-Tracing stelle sich auch die Frage, ob Grossveranstaltungen weiterhin bewilligt werden könnten.

Laut Engelberger hat der Walliser Staatsrat am Mittwoch mit einschneidenden Massnahmen reagiert. «Die im Wallis getroffenen Massnahmen können durchaus auch für andere Kantone zum Thema werden.»

Massnahmen im Kanton Wallis

Ab Donnerstag, 22. Oktober, werden Nachtbars, Diskotheken, Erotikclubs und Kinos sowie Museen, Bibliotheken, Hallenbäder und Fitnesscenter geschlossen. Auch Kontaktsportarten wie Fussball, Basketball, Hockey oder Kampfsportarten werden verboten. Für Restaurants wird ab 22 Uhr eine Sperrstunde verhängt. An einen Tisch dürfen sich nur noch maximal vier Gäste setzen. Öffentliche und private Veranstaltungen und Aktivitäten mit mehr als zehn Personen sind verboten. Wer sich in geschlossenen Räumen aufhält, muss ständig eine Maske tragen.

Besuche in Spitälern und Alters- und Pflegeheimen sind nicht mehr erlaubt, es sei denn, es handelt sich um einen Härtefall. Schulen auf der Tertiärstufe müssen auf einen vollständigen Fernunterricht umsteigen. Die neuen Massnahmen gelten bis voraussichtlich 30. November. Der extrem starke Anstieg der Fälle sei beunruhigend, sagte Staatsratspräsident Christophe Darbellay. Es müssten harte, einschneidende und sofortige Massnahmen ergriffen werden, um die Dynamik zu durchbrechen. Es gehe nicht anders.

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