23.06.2015 16:43

Griechenland-KriseIst die Euphorie der Börsen verfrüht?

Die Börsen reagieren positiv auf den verhinderten Grexit. Analysten kritisieren die Jubelstimmung. Und schuld sind die Griechen.

Finden die Griechen bald aus der Krise?

Finden die Griechen bald aus der Krise?

Die neuen Vorschläge der griechischen Regierung zur Lösung der Schuldenkrise wurden an den Börsen mit Begeisterung aufgenommen. Aus Hoffnung auf eine bevorstehende Lösung erreichte etwa die Tokioter Börse am Dienstag einen 15-Jahres-Rekordwert. Der Nikkei-Index erreichte den höchsten Stand seit 2000.

Auch andere Aktienmärkte zeigten sich von ihrer guten Seite. Der Dax stieg am Montag um 3,8 Prozent und baute seine Gewinne am Dienstag sukzessive aus: am Nachmittag stand er um nochmal 1,46 Prozent höher – bei fast 11 628 Punkten. Damit knüpfte der Leitindex an seinen fulminanten Wochenauftakt an, der ihm mit einem knapp vierprozentigen Kurssprung das größte Tagesplus seit August 2012 beschert hatte. In Athen ging es am Dienstag nochmals um mehr als drei Prozent nach oben, nachdem der Leitindex Athex Composite am Vortag bereits neun Prozent gewonnen hatte.

Doch steht die EU im Fall Griechenland wirklich kurz vor einer Lösung oder reagieren die Börsen voreilig? «Die Aktienmärkte verteilen den Politikern derzeit Vorschusslorbeeren», sagt Thu Lan Nguyen, Devisenanalystin bei der deutschen Commerzbank zu 20 Minuten. Tatsächlich sei die Griechenland-Krise noch nicht gelöst. «Allerdings waren die Signale aus Brüssel schon lange nicht mehr so positiv wie jetzt, das freut die Märkte natürlich», so Nguyen weiter.

Euro-Dollar-Kurs unverändert

Auch Masahi Oda sieht dies so. Der Bankanalyst der Sumitomo Mitsui Trust Bank sagte laut der Agentur SDA: «Die Mehrheit der Marktteilnehmer handelt unter dem optimistischen Szenario, dass die Griechenland-Krise beendet werden kann.» Analystin Nguyen ergänzt, dass der Devisenmarkt von der Griechenland-Krise weiterhin unberührt bleibt. «Der Euro-Dollar-Kurs blieb so gut wie unverändert. Dies zeigt die relative Entspanntheit am Devisenmarkt».

Kommen die Verhandlungen zwischen Griechenland und der EU diese Woche zu einem positiven Schluss, so dürfte das aktuelle Hilfspaket für das südeuropäische Land verlängert werden. «Es geht derzeit primär darum, den Sommer zu überbrücken und die Griechen nicht in eine Staatspleite abdriften zu lassen», sagt Nguyen. Dann werde die EU allerdings noch ein weiteres Hilfspaket schnüren müssen.

Größte Hürde steht noch bevor

Ob dann noch mit der Kooperation der Griechen gerechnet werden kann, ist zumindest für Griechenland-Kritiker fraglich. «Die Art, wie der griechische Finanzminister auf der europäischen Bühne agiert, ist an Selbstinszenierung kaum zu übertreffen», hieß es etwa in einem Kommentar über das Verhalten des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis gegenüber Brüssel. Auch der freie Wirtschaftsberater und Griechenland-Experte Jens Bastian kritisierte im Deutschlandfunk die mangelnde Sparmoral der Griechen. Über eine Erhöhung der Notfallkredite sagte Bastian: «Das kann keine dauerhafte Regelung sein».

Nach wie vor gibt es handfeste Streitpunkte zwischen den Griechen und der EU. «Größter Knackpunkt in der Griechenland-Krise sind die griechischen Renten. Die Syriza-Regierung muss dort Einschnitte vornehmen, da das Rentensystem längerfristig in der heutigen Form nicht trag- und finanzierbar ist», erklärt Commerzbank-Expertin Nguyen. Das werde Athen allerdings sehr schwer fallen. Der Grund: Der jetzige Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte im Wahlkampf versprochen, dass die Renten nicht angetastet werden.

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