Gesichtserkennung: Ist die Face-Scan-Brille Chance oder Risiko?
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GesichtserkennungIst die Face-Scan-Brille Chance oder Risiko?

Eine Brille, die Personen identifizieren kann, könnte künftig die Arbeit von Polizisten oder Grenzwächtern unterstützen. Datenschützer sind skeptisch.

von
Nikolai Thelitz

20 Minuten testet zusammen mit Politikern die Gesichtserkennung der Holo-Brille. (Video: Nikolai Thelitz)

Wer die Hololens von Microsoft mit der App «eIDgenossen» der Schweizer Softwareschmiede Cubera aufsetzt, kann damit die Gesichter unser Parlamentarier in Echtzeit erkennen und sich den entsprechenden Namen dazu gleich anzeigen lassen. Beim Test im Bundeshaus hat 20 Minuten diese Woche kontroverse Reaktionen ausgelöst (siehe Video).

Politiker und Experten bewerten die Brille sehr unterschiedlich. SVP-Frau Sandra Sollberger etwa ist begeistert und sieht nach dem Test Potenzial für ihr Malergeschäft. «Mit dieser Augmented-Reality-Brille könnten meine Kunden gleich sehen, wie ihre Wände in einer neuen Farbe aussehen würden.»

GLP-Nationalrat Beat Flach rechnet ebenfalls damit, dass Brillen mit Gesichtserkennung künftig breit zum Einsatz kommen werden. «Die Miniaturisierung solcher Technologien schreitet voran.» Würden diese Apps helfen etwa Straftäter zu identifizieren, seien sie von Vorteil. Er sieht aber auch Risiken: «Erkennt der Polizist aber auch, ob jemand seine Krankenversicherung bezahlt hat, wird es langsam unheimlich.»

«Aus Sicht des Datenschutzes ist die App bedenklich»

Tatsächlich ist die Technologie aus Sicht von Datenschützern umstritten. Deshalb liess Google bei seiner Brille Apps mit Gesichtserkennungs-Funktion vorerst nicht zu.

IT-Rechtsanwalt Martin Steiger sagt: «Aus Sicht des Datenschutzes ist eine solche App natürlich bedenklich. Grundsätzlich braucht man bei Privatpersonen das Einverständis, die Bilder verwenden zu dürfen.» Wer also etwa öffentliche Fotos einer Person auf Facebook in die App lade, mache sich strafbar. In den Unternehmen sei es noch strenger. «Der Chef darf diese Daten von seinen Angestellten nicht erheben, hier ist das Arbeitsrecht sehr streng.»

Der Staat habe hier mehr Kompetenzen. «Er darf den öffentlichen Raum überwachen und auch Personen identifizieren», sagt Steiger. Es könne gut sein, dass Polizisten und Grenzwächter in wenigen Jahren mit solchen Geräten ausgestattet seien, sofern man diese in eine kompaktere Form ähnlich einer normalen Brille bringe. «Diese Überwachung im öffentlichen Raum wird schon bald Realität werden.» Dafür brauche es neue Gesetze, die den Gebrauch solcher Geräte einschränke. «Ansonsten droht die Schweiz zum Überwachungsstaat zu werden.»

Auch laut dem Basler Datenschützer Beat Rudin stellen sich kritische Fragen: «Bewegen wir uns in der Zukunft in der Öffentlichkeit immer quasi mit offenem Ausweis? Sollen Polizei und Grenzwache Daten etwa von Facebook beziehen oder aus der Ausweisfotodatenbank, die nicht für diesen Zweck eingerichtet worden ist?» Es brauche eine politische Diskussion. Am Schluss seien Chancen und Risiken solcher Anwendungen gegeneinander anzuwägen.

Breite Anwendungsgebiete

App-Entwickler Michael Fretz von der Cubera Solutions AG betont den Nutzen der Anwendung: «Wir setzen die Brille Leuten auf, die uns im Büro besuchen kommen. Die Mitarbeiter sind erfasst, und die Besucher wissen sofort, mit wem sie es zu tun haben.»

Auch bei grossen Konferenzen könnte man die Brille einsetzen, um andere Teilnehmer zuordnen zu können. «Die Brille ist nicht nur nützlich, sondern auch ein guter Eisbrecher.» Auch ein Türsteher im Club könne mit einer Brille Personen erkennen, die Hausverbot hätten.

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