Aktualisiert 26.02.2010 23:13

Leonardo Da Vincis GeheimnisseIst die «Mona Lisa» ein Selbstportrait?

Leonardo da Vincis Leben und Wirken ist von Geheimnissen umrankt. Wie ist er gestorben? Sind die in einem französischen Schloss beigesetzten sterblichen Überreste wirklich die des genialen Künstlers und Wissenschaftlers? War sein wohl bekanntestes Bild, die «Mona Lisa», in Wirklichkeit ein getarntes Selbstporträt?

von
Allessandra Rizzo
AP
Der Meister und sein berühmtestes Werk.

Der Meister und sein berühmtestes Werk.

Eine Gruppe italienischer Wissenschaftler bemüht sich derzeit intensiv darum, die mutmasslichen Gebeine ihres berühmten Landsmanns exhumieren zu dürfen. Die Forscher haben einen Antrag bei den französischen Behörden gestellt. Sie wollen unter anderem mit Hilfe der Radiokarbon-Methode das Alter der Knochen bestimmen und DNA-Tests durchführen. Sollte der Schädel gut intakt sein, wollen sie versuchen, mit modernsten Techniken zunächst ein virtuelles Bild des Gesichts zu rekonstruieren und später sogar ein Modell anzufertigen. Das könnte bei der Frage helfen, ob die Mona Lisa Ähnlichkeit mit ihrem Maler hat.

Leonardo verbrachte auf Einladung des französischen Königs Franz I. seine letzten drei Lebensjahre in Frankreich. Franz ernannte den Italiener zum «ersten Maler des Königs». Leonardo starb 1519 im Alter von 67 Jahren in Cloux, in der Nähe von Franz' Sommerresidenz Amboise. Die Original-Begräbnisstätte des Künstlers, die Palastkirche Saint Florentine, wurde während der Französischen Revolution zerstört. Die Gebeine, von denen man glaubte, es handele sich um die Überreste Leonardos, wurde schliesslich in der Saint-Hubert-Kapelle in der Nähe des Schlosses beigesetzt.

Heute verkündet ein Grabstein schlicht: «Leonardo da Vinci». Ein Hinweisschild informiert Besucher, dass es sich vermutlich um die sterblichen Überreste des Universalgenies handelt, und Reiseführer verkünden das ebenso.

Ein Grab als grosses Fragezeichen

«Das Grab von Amboise ist ein symbolisches Grab. Es ist ein grosses Fragezeichen», sagt Alessandro Vezzosi, Direktor des Leonardo-Museums in dessen toskanischer Heimatstadt Vinci. Vezzosi, der nicht an dem Exhumierungsprojekt beteiligt ist, geht davon aus, dass Untersuchungen des Grabes Sicherheit bei der Identifizierung der Knochen bringen und auch andere Fragen beantworten könnten, wie beispielsweise die nach der Todesursache. Er selbst hatte 2004 um eine Graböffnung gebeten, die Leitung von Schloss Amboise wies seinen Antrag aber zurück.

Vezzosi hat aber auch Zweifel, ob ein DNA-Test wirklich weiterhilft, da ihm kein direkter Nachfahre des Künstlers bekannt ist. Ebenso wenig wisse er von Gräbern, in denen mit Sicherheit enge Verwandte Leonardos beigesetzt wurden.

Der Anthropologe Giorgio Gruppioni ist da optimistischer. Erbgut aus den Knochen könne beispielsweise mit DNA-Spuren aus anderen Quellen verglichen werden. So wird vermutet, dass Leonardo die Farbe mitunter auch mit seinem Daumen auf die Leinwand aufgetragen und dabei möglicherweise auch seine eigene Spucke benutzt hat. Mit etwas Glück könnten die Forscher Leonardos DNA dort finden. Eine allerdings recht vage Hoffnung, wie Gruppioni einräumt.

Selbst wenn keine DNA-Tests möglich sein sollten, würden andere Untersuchungen wichtige Informationen liefern, erläutert der Forscher. Sie könnten beispielsweise klären, ob die Knochen zu einem Mann oder einer Frau gehörten, und ob der Tote als junger oder als alter Mensch starb. «Wir können verschiedene Grade von Wahrscheinlichkeit in der Zuordnung der Knochen erreichen», sagt Gruppioni. «Um eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit zu erreichen, sind DNA-Tests notwendig.»

Der Anthropologe ist einer von rund 100 Experten, die sich in dem 2003 ins Leben gerufenen Projekt «Nationales Komitee für das Historische und Künstlerische Erbe» zusammengeschlossen haben. Ziel der Expertengruppe ist es, die «grossen Rätsel der Vergangenheit zu lösen», wie der Vorsitzende Silvano Vinceti erklärt.

Leonardos Mutter oder gar ein Liebhaber?

Zu den grossen Rätseln gehört auch die «Mona Lisa», Leonardos wohl bekanntestes Werk. Seit Jahrhunderten umgeben Geheimnisse das Bild, das heute im Pariser Louvre hängt. Wer ist darauf porträtiert worden? Die Spekulationen ranken von der Frau eines Florentiner Kaufmanns bis hin zu Leonardos Mutter. Auch von einem Selbstporträt ist mitunter die Rede. So glauben einige, dass Leonardos Vorliebe für Streiche und Rätsel den Maler dazu gebracht haben könnte, seine eigene Identität hinter dem rätselhaften Lächeln der Mona Lisa zu verbergen. Andere haben gemutmasst, dass - Leonardos angenommene Homosexualität einmal vorausgesetzt - der Künstler in dem Gemälde einen androgynen Liebhaber verewigt hat.

Bei einer Untersuchung der Knochen dürften die Experten auch der Frage nach der Todesursache nachgehen. Tuberkulose oder Syphilis beispielsweise würden signifikante Spuren in der Knochenstruktur hinterlassen, erklärt Vinceti.

Im besten aller möglichen Fälle, dem eines gut erhaltenen Schädels, würde die Expertengruppe das Überbleibsel mit einem Computertomographen untersuchen und das Gesicht rekonstruieren, erläutert Francesco Mallegni. Der Anthropologe hat sich auf die Rekonstruktion von Gesichtern spezialisiert. So hat er gleich mehreren berühmten toten Italienern wieder ein Gesicht verliehen, darunter Dante.

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