Ukraine-Hilfe - «Wir versuchen pragmatisch und unbürokratisch zu helfen»

Ukraine-Hilfe«Wir versuchen pragmatisch und unbürokratisch zu helfen»

Immer mehr Flüchtende aus der Ukraine erreichen die Schweiz. Das SEM und der Kanton Zürich informierten am Montag über das weitere Vorgehen.

von
Newsdesk
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Kanton und Gemeinden bereiten sich mit Hochdruck auf die Aufnahme von Flüchtenden aus der Ukraine vor. Zürich informierte am Montag über den aktuellen Stand.

Kanton und Gemeinden bereiten sich mit Hochdruck auf die Aufnahme von Flüchtenden aus der Ukraine vor. Zürich informierte am Montag über den aktuellen Stand.

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Laut Regierungsrat Mario Fehr will der Kanton Zürich den Flüchtenden einen unbürokratischen Empfang ermöglichen.

Laut Regierungsrat Mario Fehr will der Kanton Zürich den Flüchtenden einen unbürokratischen Empfang ermöglichen.

Reuters
Das Staatssekretariat für Migration rechnet mit «sehr vielen Vertriebenen aus dem Kriegsgebiet», die in die Schweiz kommen werden.

Das Staatssekretariat für Migration rechnet mit «sehr vielen Vertriebenen aus dem Kriegsgebiet», die in die Schweiz kommen werden.

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Montag, 07.03.2022

Medienkonferenz beendet

Regierungsrat Mario Fehr sagt zum Schluss der Medienkonferenz: «Wenn Sie helfen wollen, spenden Sie. Die Hilfswerke werden das Geld brauchen können.» Er bedankt sich nochmals für die enorme Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung: «Das ist wirklich sehr schön. So etwas habe ich bisher nicht erlebt.»

Empfangsstelle nur für Flüchtende

Die Empfangsstelle diene einerseits dazu, herauszufinden, was das Bedürfnis der Betroffenen ist. Andererseits biete sie Soforthilfe wie Tickets, Kleider oder auch Bargeld. Am Hauptbahnhof stehe die Polizei bereit und führe die ankommenden Personen zur Empfangsstelle. «Die Empfangsstelle bietet keine Übernachtungsmöglichkeiten», sagt Andrea Lübberstedt, Chefin des Kantonalen Sozialamtes.

Die Empfangsstelle sei ausschliesslich für Flüchtende gedacht. «Wer helfen will, soll sich an die Hotline wenden», so Lübberstedt. Für alle Fragen rund um das freiwillige Engagement für die Unterstützung der Betroffenen in Zürich steht die Ukraine-Hotline der AOZ unter T +41 44 415 60 10 oder info@aoz.ch zur Verfügung. Weitere Informationen sind auf der Website unter www.aoz.ch erhältlich.

«Eine erfolgreiche Integration ist kein Selbstläufer»

«Wir zeigen Herz, das ist ganz wichtig. Eine erfolgreiche Integration ist aber kein Selbstläufer», sagt Stadtrat Nicolas Galladé, Vorsteher Departement Soziales, Stadt Winterthur. Regierungsrat Mario Fehr stimmt Galladé zu: «Wir versuchen pragmatisch und unbürokratisch zu helfen. Integration ist aber eine wichtige Aufgabe. Wir müssen auch daran denken, was morgen ist.» Der Kanton habe das auf dem Plan. «Wir suchen dauerhafte Lösungen. Der Krieg wird nicht von heute auf morgen beendet sein», so Fehr.

«Gemeinden werden gefordert sein»

«Zentral ist, dass die Gemeinden informiert sind. Sie werden zukünftig gefordert sein», sagt Kantonsrat Jörg Kündig, Präsident des Verbands der Gemeindepräsidien des Kantons Zürich. Es nütze nichts, wenn Unterkünfte angeboten, aber nicht koordiniert bzw. den Betroffenen zugewiesen werden.

Auch die Frage nach der Einschulung der Kinder stehe bei den Gemeinden im Raum. «Dafür gibt es durchaus Möglichkeiten», sagt Kündig. Ein konkretes Vorgehen werde später kommuniziert. Zum Schluss sagt er: «Auf die Gemeinden können Sie sich verlassen, sie werden die Situation meistern können.»

«Wir haben Flüchtende bereits hier»

«Die Bevölkerung denkt an viele Sachen, die jetzt wichtig sind. Dafür sind wir dankbar», sagt Andrea Lübberstedt, Chefin des Kantonalen Sozialamtes. Nun komme aber eine neue Phase: «Wir haben Flüchtende bereits hier. Diesen Personen wollen wir helfen und sie unterstützen.» Die Empfangsstelle soll genau dieses Bedürfnis abdecken. Die Polizei sei bereits am HB vor Ort und schaue, dass die Flüchtenden bei ihrer Ankunft korrekt informiert werden, an welche Stellen sie sich wenden können.

Empfangsstelle

Laut Fehr will der Kanton Zürich den Flüchtenden einen unbürokratischen Empfang ermöglichen. Eine Empfangsstelle werde in der alten Militärkaserne eingerichtet. «Ich habe noch nie so viele Anrufe von Gemeinden erhalten, die ihre Hilfe angeboten haben», sagt Fehr. Diese Unterstützung sei auch wichtig, um die Aufgaben flächendeckend verteilen zu können. Zudem wolle man den Flüchtenden so gut wie möglich helfen.

«Spenden Sie an ein Hilfswerk vor Ort»

Regierungsrat Mario Fehr eröffnet die Medienkonferenz: «Die Solidarität ist mit Händen greifbar. Dafür sind wir sehr dankbar.» Auf die Frage, was man zurzeit machen kann, sagt er: «Spenden Sie an ein Hilfswerk vor Ort. Dort ist das Geld am besten aufgehoben.» Der Kanton habe auch eine Million Franken dem Roten Kreuz gespendet.

Pressekonferenz Kanton Zürich

Kanton und Gemeinden bereiten sich mit Hochdruck auf die Aufnahme, Unterbringung und Betreuung von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine vor. Ab 16 Uhr informiert Zürich über den aktuellen Stand. An der Medienkonferenz nehmen teil:

  • Regierungsrat Mario Fehr, Vorsteher der Sicherheitsdirektion

  • Andrea Lübberstedt, Chefin des Kantonalen Sozialamtes

  • Kantonsrat Jörg Kündig, Präsident des Verbands der Gemeindepräsidien des Kantons Zürich

  • Stadtrat Nicolas Galladé, Vorsteher Departement Soziales, Stadt Winterthur

Pressekonferenz ist beendet

Damit ist die Pressekonferenz beendet. In Kürze findest du hier eine Zusammenfassung mit Informationen aus der Pressekonferenz und der Medienmitteilung.

Ungleichbehandlung zwischen Ukrainern und anderen Flüchtlingen?

Der Hauptunterschied ist laut Schraner Burgener, dass sich die Ukrainerinnen und Ukrainer dank ihrem biometrischen Pass sowieso innerhalb des Schengen-Raums bewegen können.

Werden private Unterkünfte vergütet?

Ein Journalist fragt, wie es bei privaten Unterkünften mit Kontrolle und Entlöhnung der Anbieter aussieht. Laut Schraner Burgener liegt die Entscheidung, wie das gehandhabt wird, bei den Kantonen. Es gebe dort aber schon Erfahrungswerte aus den vergangenen Jahren.

Diaspora-Element massgeblich für Zielland

Zurzeit würden die jeweiligen Diaspora, also ukrainische Communitys in anderen Ländern, bei der Wahl des Ziellandes eine massgebliche Rolle spielen. So seien in Italien, dass noch weiter südlich liegt als die Schweiz, schon deutlich mehr Geflüchtete eingetroffen als in der Schweiz. Dies sei wohl mit der grösseren ukrainischen Gemeinschaft in Italien zu erklären. Die grösste ukrainische Diaspora gibt es in Polen.

Zwei Millionen in Nachbarländern der Ukraine

Nun spricht Vincenzo Mascioli, ebenfalls Vizedirektor des SEM. Stand Montagmittag seien bereits mehr als zwei Millionen Menschen in den Nachbarstaaten der Ukraine angekommen, alleine in Polen sind es über eine Million.

Laut der polnischen Regierung ist die Unterbringung zurzeit kein Problem, das Land ist bereit, weitere Flüchtende aufzunehmen. Bei der EU würden zurzeit 1000 Flüchtlingsgesuche pro Tag gestellt, ein Grossteil der Flüchtenden dürfte aber kein Asylgesuch stellen.

Bettenauslastung bei 80 Prozent

Laut Claudio Martelli, dem Vizedirektor des Staatssekretariats für Migration, liege die Auslastung der Betten derzeit bei 80 Prozent. Man arbeite deshalb fieberhaft daran, diese Kapazitäten zu erhöhen, bei diesem Vorhaben werde man auch vom Militär unterstützt. Insgesamt sollen so rund 9000 Plätze geschaffen werden.

«Möchten unkompliziert und rasch Schutz gewähren»

Staatssekretärin Christine Schraner Burgener bedankt sich zum Schluss bei der Bevölkerung, aber auch bei den Kantonen und privaten Hilfsorganisationen für die Unterstützung.

«Drei Gruppen von Geflüchteten»

Einerseits gebe es die Ukrainerinnen und Ukrainer, die bereits bei Verwandten und Freunden untergekommen seien. Dort dürfen sie mit einem biometrischen Pass mindestens 90 Tage bleiben.

Andere hätten Verwandte und Freunde in der Schweiz, die aber im eigenen Haushalt keinen Platz haben. Dort schaue man, dass diese Leute möglichst nahe bei den Bekannten untergebracht werden können.

Die dritte Gruppe von Flüchtenden kann nicht auf Freunde oder Verwandte in der Schweiz zurückgreifen. Für jene Personen soll laut Burgener eine Unterkunft gesucht werden, in der sie so gut als möglich untergebracht und versorgt werden können.

874 registrierte Ukrainerinnen und Ukrainer seit Kriegsbeginn

Laut Burgener haben sich seit Kriegsbeginn schon 874 aus der Ukraine Geflüchtete in Bundesasylzentren gemeldet, viele weitere hätten wohl bei Verwandten und Bekannten in der Schweiz eine Unterkunft gefunden.

Staatssekretärin Burgener eröffnet die PK

«Der Krieg in der Ukraine dauert an. Bereits eine Million Flüchtlinge haben das Land verlassen, die internationale Organisation IOM rechnet mit insgesamt 4 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer, die aus ihrem Land flüchten werden», sagt Christine Schraner Burgener zu Beginn der Pressekonferenz.

Mediengespräch

In den letzten Tagen haben sich Hunderte von Ukrainerinnen und Ukrainern in den Bundesasylzentren gemeldet. Das Staatssekretariat für Migration rechnet mit «sehr vielen Vertriebenen aus dem Kriegsgebiet», die in die Schweiz kommen werden. Um 15 Uhr informiert das Staatssekretariat für Migration über das weitere Vorgehen. Teilnehmen am Gespräch werden:

  • Christine Schraner Burgener, Staatssekretärin für Migration

  • Claudio Martelli, Vizedirektor SEM

  • Vincenzo Mascioli, Vizedirektor SEM

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