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Amanda Knox vor GerichtIst die Theorie des Einbruchs widerlegt?

«Amanda Knox hat keinen Einbruch fingiert, das Fenster wurde von aussen zerbrochen», hat ein Forensiker in Perugia vor Gericht behauptet. Damit konnte er aber die Sache mit den Glassplittern auf dem Bett nicht vom Tisch bringen.

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Der ehemalige Forensiker Francesco Pasquali, der von der Verteidigung des Angeklagten Raffaele Sollecito beauftragt wurde, präsentierte den Geschworenen letztes Wochenende ein Video. Darin suchte er zu beweisen, dass das Fenster der Mitbewohnerin des Opfers Meredith Kercher in der Mordnacht nicht von innen her zerbrochen worden war, sondern von aussen.

Nach den Berechnungen Pasqualis wurde das Glas vom Balkon aus eingeworfen, der sich gegenüber dem Schlafzimmer der dritten Mitbewohnerin Filomena Romanelli befindet. «Ich habe die Bedingungen sehr realistisch nachgestellt», erklärte Pasquali vor Gericht. Dafür habe er zwei Fenster aus den gleichen Materialen wie beim Original konstruieren lassen. Zwei Videokameras filmten die Testsituationen. Aufgrund der Flugbahn des Steins könne man «ausschliessen, dass das Fenster von innen her zerbrochen wurde».

Damit stützt Pasquali die These der Verteidigung, die beweisen will, dass Rudy Guede allein für den Mord an Meredith Kercher verantwortlich ist: Guede sei über Romanellis Fenster in das Haus der Austauschstudentinnen eingestiegen, um dort zu stehlen. Dabei sei er von Kercher auf frischer Tat ertappt worden. Guede habe Kercher vergewaltigt und danach mit zwei Messerstichen ermordet.

Glas auf dem Bett

Das ist aber nicht die Sichtweise der Staatsanwaltschaft: Die Ankläger Giuliano Mignini und Manuela Comodi haben bisher immer behauptet, die Angeklagten Amanda Knox und ihr damaliger Freund Sollecito hätten das Fensterglas am Morgen nach dem Mord von innen mit einem Stein zerbrochen, um einen Einbruch vorzutäuschen. Ihre Behauptungen wurden zudem gestützt von den Aussagen Romanellis, die Glassplitter in ihrem Bett fand – erst am Morgen nach dem Mord. Auch die ersten Detektive, die den Raum nach dem Fund der Leiche betraten, hatten Splitter gesehen. Nur ist davon auf den Fotos der Polizei nichts zu sehen.

Sollecito zum ersten Mal im Zeugenstand

Die Verteidigung liess erstmals Raffaele Sollecito und einige seiner Freunde zu Wort kommen. Der junge Mann, der in den Medien als Frauenschwarm dargestellt wurde, sei eigentlich «schüchtern und introvertiert», sagte zum Beispiel Saverio Pinetti Mofetta, der Sollecito seit zehn Jahren kennt.

Ein anderer Kollege, Angelo Cirillo, beschrieb den Angeklagten als «sexuell unerfahren», der durch die Beziehung zu Knox «sehr aufgeregt» gewesen sei. Auf die Frage, was das Bild zu bedeuten habe, das seinen Kollegen mit Messer und eingewickelt in Klopapier zeigt, sagte Cirillo, dabei habe es sich lediglich um einen «Studentenwitz» gehandelt.

Kollege Mariano De Martino, der Sollecito seit dem siebten Lebensjahr kennt, beschrieb «Raf» als «Romantiker». Über das Messer, das Sollecito stets in seiner Hosentasche trug, sagte er: «Er hatte es immer dabei, holte es aber nie aus der Tasche.» Zeuge Mofetta erzählte: «Er schnitt damit Pizza oder Früchte, liess aber keinen an sein Messer ran, aus Angst, wir könnten uns damit verletzen.»

Ob Zufall oder Strategie der Verteidigung, um das Image des Romantiker zu unterstreichen: Sollecito brachte seiner Exfreundin Knox eine Schokoladentafel zur Verhandlung mit – für die sie sich laut und für alle hörbar bedankte.

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