Unterseen BE: Ist diese weisse Ente eine Bedrohung für ihre Artgenossen?
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Unterseen BEIst diese weisse Ente eine Bedrohung für ihre Artgenossen?

Im Berner Oberland sorgt eine auffällige Entendame für Spekulationen. Die Vogelwarte  Sempach klärt auf.

von
Dominique Dussling
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Eine weisse Ente sorgt im Berner Oberland für Aufsehen. Ein Experte tippt auf eine entflogene oder ausgesetzte Hausente.

Eine weisse Ente sorgt im Berner Oberland für Aufsehen. Ein Experte tippt auf eine entflogene oder ausgesetzte Hausente.

News-scout 
Die Gefahr bei einer Kreuzung zwischen domestizierten und wilden Tieren steht im Raum. Die weissen Flecken an Brust und Hals könnten auf eine Mischform zwischen Hausente und Stockente hindeuten.

Die Gefahr bei einer Kreuzung zwischen domestizierten und wilden Tieren steht im Raum. Die weissen Flecken an Brust und Hals könnten auf eine Mischform zwischen Hausente und Stockente hindeuten.

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Kreuzungen zwischen domestizierten und Wildtieren müssen laut Gesetz der Natur «entnommen» werden, um den wilden Genpool zu konservieren. 

Kreuzungen zwischen domestizierten und Wildtieren müssen laut Gesetz der Natur «entnommen» werden, um den wilden Genpool zu konservieren. 

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Darum geht es:

Einem News-Scout aus Interlaken fiel am Samstagabend eine schneeweisse Ente ins Auge. Das vermutlich weibliche Exemplar schwamm in Begleitung eines Stockenterichs auf der Aare bei Unterseen BE. «Ich hatte noch nie zuvor eine weisse Ente in der Aare gesehen», sagt er zu 20 Minuten. Gemäss Einschätzung des Beobachters sind die beiden Tiere ein Brutpaar: «Sie schwammen immer Seite an Seite.» Obwohl die Enten etwa dieselbe Grösse gehabt hätten, sei der Kontrast zwischen dem Männchen und dem Weibchen nicht zu übersehen gewesen. Der 25-Jährige vermutet, es könnte sich bei dem Weibchen um eine Albino-Ente handeln. 

Ein Experte klärt auf

Livio Rey von der Vogelwarte Sempach verneint. Vielmehr handle es sich um ein ausgebüxtes Haustier, genauer gesagt, um eine Hausente. Die weisse Farbe sei das Resultat einer Züchtung. Möglicherweise lebt das auffällige Tier schon länger in Freiheit. Denn laut Rey unterscheidet sich die Überlebenschance der Hausente nicht massgeblich von der des Wildtyps. Demnach dürfte sie gut in der freien Natur zurechtkommen. Trotzdem hält Rey fest: «Haustiere gehören nicht in die Natur.» 

Die Entendame sei aber kaum eine Bedrohung für das Ökosystem, fügt der Experte hinzu. Die Gefahr liege vielmehr in der Verdrängung der genetischen Wildform der Stockente. Der männliche Begleiter der Entendame habe auf der Brust weisse Flecken. «Normalerweise sollten die Federn dort rotbraun sein. Entweder ist es ein natürlich vorkommender Federdefekt oder dieser Erpel ist eine Kreuzung zwischen Wildtier und Haustier», erklärt Rey. Letzteres würde darauf hindeuten, dass sich domestizierte Enten mit wilden fortgepflanzt haben. Doch vom Menschen gezüchtete genetische Merkmale hätten nichts in der Natur verloren, betont Rey: «Das sind Merkmale, die der Mensch wollte, und keine Anpassungen an die Wildnis.» Bei anderen Tieren verhalte es sich ähnlich. «Man will nicht, dass sich Katzen mit Wildkatzen oder Wölfe mit Hunden fortpflanzen.» 

Kreuzungen müssen der Natur «entnommen» werden

Das Jagdgesetz sieht vor, dass Hybriden, Kreuzungen zwischen domestizierten und wilden Tieren, der Wildnis «entnommen» werden. Laut einem Oberländer Wildhüter, der nicht namentlich genannt werden will, müssen entflogene Hausenten grundsätzlich eingefangen und zu ihren Besitzerinnen und Besitzern zurückgebracht werden. Sie dürften erst abgeschossen werden, wenn sie sich fortpflanzen würden und hybridisierter Nachwuchs entstehe. «Wenn wir nicht-‹reinrassige› Enten am See sehen, müssen wir sie schiessen, damit sie sich nicht weitervermehren», sagt der Wildhüter. 

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