Aktualisiert 26.01.2019 00:05

«Tiii – telverteidigung»Ist dieser SRF-Beitrag sexistisch?

In einem Beitrag zur Fussball-WM zeigte SRF die Brüste einer Frau. Dazu der Kommentar: «Tiii – telverteidigungsfrust». Nun wird die Beschwerde eines Zuschauers öffentlich beraten.

von
daw

Der Ombudsmann rügte den Beitrag. Jetzt muss die UBI die Sexismus-Frage klären.

Nach dem Achtelfinalspiel zwischen Argentinien und Frankreich strahlte SRF Ende Juni einen «humorvollen Rückblick» zur abgeschlossenen Gruppenphase aus. Darin sagt die Off-Stimme zum erstmaligen Scheitern Deutschlands in der Vorrunde: «Es gab alles: Tränen, Tore, Tiii – telverteidigungsfrust.» Eingeblendet wird ein jubelnder weiblicher Fan in einem engen roten Shirt mit Ausschnitt.

Am 1. Februar muss sich nun die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) mit dem Beitrag befassen, weil eine Popularbeschwerde eingereicht wurde. Der Kommentar in Kombination mit der vor Freude hüpfenden Frau mit ihren wippenden Brüsten stelle eine Diskriminierung der Frau dar. Sie sei «auf ihre sekundären Geschlechtsteile reduziert worden».

«Verständnis, wenn Humor des Beitrags nicht geteilt wird»

SRF-Sprecher Lino Bugmann sagt: «Es war keinesfalls unsere Absicht, Zuschauerinnen und Zuschauer mit unserem Rückblick vor den Kopf zu stossen. Die Bewertung des Ombudsmanns hat uns aber gezeigt, dass der humorvoll zusammengestellte Rückblick anders wirken kann als beabsichtigt.»

Man habe Verständnis dafür, wenn Zuschauer den Humor des Beitrags nicht teilen würden. «Unabhängig vom UBI-Entscheid werden wir deshalb bei satirisch-humoristischen Sportbeiträgen in Zukunft noch mehr Sensibilität walten lassen.»

Ombudsmann unterstützte Beanstandung

Mit dem Fall hatte sich schon der SRG-Ombudsmann beschäftigt. Er schrieb in seiner Bewertung: «Die Anspielung auf das Wort ‹Titten› für weibliche Brüste ist sexistisch, der Duden bezeichnet das Wort als derb. Ich kann deshalb Ihre Beanstandung unterstützen.»

Die UBI ist die nächste Instanz nach dem Ombudsmann: Sie beurteilt Beschwerden gegen Radio- und Fernsehsendungen schweizerischer Veranstalter und gegen das übrige publizistische Angebot der SRG. Sie prüft in einem kostenlosen Verfahren, ob rundfunkrechtliche Bestimmungen verletzt wurden.

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