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Comedian unter BeschussIst Dieter Nuhr ein Hassprediger?

Er ist für seine bitterbösen Sprüche gegen den Islam bekannt. Doch ging Dieter Nuhr diesmal zu weit? Der Komiker wird als Hassprediger beschimpft und angezeigt.

von
scy

«Auf der ganzen Welt werden Abertausende von Patenten angemeldet. Im gesamten arabischen Raum jährlich weniger als zwanzig. Und die Hälfte davon sind wahrscheinlich noch Steinigungs-Automaten.» Wenn es um den Islam geht, nimmt Dieter Nuhr kein Blatt vor den Mund.

Ein weiteres Beispiel. In seinem Programm «Wer's glaubt, wird selig» vergleicht der Komiker die autoritären Zustände in vielen islamischen Ländern mit dem Nationalsozialismus: «Das war im Dritten Reich ja nicht anders: Wenn man nicht widersprochen hat, hatte man auch keinen Ärger. Ausser man war Jude oder schwul. Aber das sollte man heute, glaube ich, in Pakistan auch nicht sein.»

«Dem Islam ist Toleranz fremd»

Humor ist ja bekanntlich Geschmackssache – Erhat Toka, einem Muslim aus Osnabrück, sind diese und andere Sprüche aber nun definitiv zu weit gegangen. Er hat Nuhr angezeigt. Der bald 55-Jährige würde unter dem Deckmantel der Satire eine «blöde, dumme Hetze» gegen eine Minderheit betreiben, sagt Toka der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Einige wütende Muslime bezeichnen den Comedian sogar als Hassprediger.

Dieter Nuhr fällt schon lange als scharfer Islam-Kritiker auf. «Dem Islam ist Toleranz fremd», zitierte ihn etwa 2011 die «Frankfurter Allgemeine Zeitung», «beziehungsweise: Toleranz gibt es im Islam ausschliesslich dort, wo er keine Macht hat.»

«Ein Teil der Muslime wähnt sich ja immer im Dschihad»

In einem Interview mit der «Welt» nimmt der Mann, der eben erst mit dem angesehenen Jacob-Grimm-Preis für Deutsche Sprache ausgezeichnet wurde, jetzt Stellung zu den Vorwürfen. «Ich finde es lustig, weil ich ja keine Religionsgemeinschaft beschimpfe. Ich habe kein Interesse daran, Muslime zu beschimpfen. Im Gegenteil. [...] Ich beschimpfe keine Glaubensgemeinschaft. Es geht um den Umgang mit Andersdenkenden.»

Zur Aussage, der Terror in der arabischen Welt habe mit dem wahren Islam nichts zu tun, entgegnet Nuhr: «Das ist ja Unsinn. Natürlich hat das mit dem Islam zu tun. Selbstverständlich gibt es Passagen im Koran, die zur Gewalt aufrufen. [...] Da wird mir immer vorgeworfen, das sei aus dem Zusammenhang gerissen, das gilt nur im Dschihad. Doch ein Teil der Muslime wähnt sich ja immer im Dschihad, jedenfalls so lange, wie es noch Ungläubige gibt.»

Als er gehört habe, er sei ein Hassprediger, habe er lachen müssen, so Nuhr weiter. Das sei dasselbe, «als würden die Nazis für Meinungsfreiheit eintreten». Auf seiner Facebook-Seite greift der Kabarettist die aktuelle Debatte ebenfalls auf. Fast 70'000 User haben den Eintrag geliked, Tausende Kommentare finden sich darunter. Ob man mit seiner Haltung einverstanden ist oder nicht: Dieter Nuhr scheint ein Thema zur Sprache gebracht zu haben, das vielen Menschen offensichtlich unter den Nägeln brennt.

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