Credit Suissse vs. UBS: Ist Dougan wirklich besser als Grübel?

Aktualisiert

Credit Suissse vs. UBSIst Dougan wirklich besser als Grübel?

CS-Boss Dougan hat 2010 das Vierfache von UBS-Chef Grübel verdient. Sein Quartalsergebnis ist aber nicht viermal besser, sondern gleich schlecht.

von
Elisabeth Rizzi

Brady Dougan, der Credit Suisse-CEO, hat mit 12 Millionen Franken letztes Jahr das Vierfache seines Gegenspielers Oswald Grübel verdient. Aber macht er wirklich einen besseren Job?

Diese Woche war keine gute Woche für die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse (CS). Beide mussten unbefriedigende Quartalsergebnisse bekannt geben. Die UBS hat im zweiten Quartal einen Reingewinn von einer Milliarde Franken erzielt, die CS 768 Millionen. Analysten hatten bei beiden Geldinstituten mehr erwartet. Doch die Banken litten unter einem schlechten Geschäftsverlauf im Investmentbanking, am starken Franken, der die Erträge wegschmelzen liess, und an der generellen Verunsicherung der Anleger im Umfeld der weltweiten Schulden- und Währungskrise.

«Grübel vielleicht sogar besser»

«Man kann die Leistungen der beiden Bankenchefs nicht direkt miteinander vergleichen», findet Christoph Lengwiler, Leiter des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern. Der Grund: Die beiden Banken befinden sich nicht in derselben Situation. «Wenn man bedenkt, dass sich die UBS in einer totalen Turnaround-Lage befand, so hat Oswald Grübel vielleicht sogar besser gearbeitet als Brady Dougan», findet der Bankenprofessor. Immerhin habe er die Bank nach der Rettungsaktion durch den Bund wieder auf das richtige Gleis gebracht.

Auch könne nicht die Rede davon sein, dass die beiden Bankenchefs, die ihre Prognosen jetzt scharf nach unten korrigieren mussten, blauäugig gewesen seien. «Nicht ihr Risk Management war mangelhaft. Sondern die Ertragssituation ist aufgrund der Veränderungen auf den Märkten schwieriger geworden», stellt Lengwiler fest. Doch das sei so nicht voraussehbar gewesen.

Erträge schwinden

Die aktuelle Situation habe allerdings Konsequenzen. «Wir müssen akzeptieren, dass die Trauben höher hängen als auch schon. Die goldenen Zeiten der Banken sind wohl vorderhand vorüber», so der Bankenexperte. Konkret stellt er infrage, ob die hohen Margen und Erträge, von denen man nach der Sanierung von der Finanzkrise ausging, künftig überhaupt noch erreicht werden können. «Die Geschäftsmöglichkeiten werden durch die wachsende Regulierung und die zunehmende Vorsicht der Banken eingeschränkt», erklärt Lengwiler. Gleichzeitig stiegen die Eigenmittelanforderungen. Das bedeute bei geringerem Ertrag und höherem Eigenkapital einen Rückgang der Rentabilität. «Die Situation wird durch die aktuellen Währungsturbulenzen und die anhaltenden Unsicherheiten auf den Finanzmärkten zusätzlich belastet», so Lengwilers Fazit.

In einer solchen Situation fragen sich diverse Analysten und Spekulanten, ob eine Abspaltung bzw. Verkleinerung des risikoreichen Investmentbankings nötig wäre. So glaubt etwa Andreas Venditti, Analyst der Zürcher Kantonalbank, dass der Markt bei der UBS eine solche Redimensionierung positiv aufnehmen würde. Hatte doch Oswald Grübel diese Woche erklärt, dass sein Unternehmen das Investment Banking um 25 bis 50 Prozent verkleinern könnte, wenn die UBS auf ihre führende Rolle als globale Investment Bank mit Asset-Management-Geschäft verzichten würde.

Investmentbanking schwankt immer

Allerdings will die UBS an ihrem integrierten Geschäftsmodell bislang festhalten. Und auch Lengwiler meint: «Es gibt kein objektives Rezept, wonach das Investmentbanking allgemein herunterzufahren ist. Das muss jede Bank sorgfältig abwägen und für sich entscheiden.» Es gäbe durchaus Gründe, die für eine Beibehaltung des jetzigen Modells sprechen würden; etwa die Tatsache, dass ohne leistungsfähiges Investmentbanking eine professionelle Vermögensverwaltung für Grosskunden erschwert wird.

Dass ausgerechnet in diesem Bereich praktisch alle Stellen wieder verschwinden, welche die beiden Grossbanken im letzten Jahr aufgebaut haben, sei dagegen absehbar gewesen. «Denn wenn die Erträge ausbleiben, bleibt als einziger Ausweg, die Kosten herunterzufahren», sagt Lengwiler. Die CS will weltweit 2000 Stellen streichen − davon 500 in der Schweiz. Die UBS nennt zwar keine Stellenzahlen, will aber über die nächsten zwei bis drei Jahre Kosten im Umfang von 1,5 bis 2 Milliarden Franken einsparen. «Grosse Auf- und Abbau-Szenarien gab es im Investmentbanking in den letzten Jahrzehnten aber immer wieder. Sie gehören zu diesem stark schwankenden und risikoreichen Geschäft», meint Lengwiler.

Das sagt CS-Chef Dougan zum Stellenkahlschlag und zum Verfahren in den USA.

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