Ist ein Einbruch versichert, wenn du deine Ferien auf Insta postest?
Vorsicht: Ein im Internet veröffentlichtes Ferienfoto kann das Interesse von Einbrechenden an deiner währenddessen leeren Wohnung wecken.

Vorsicht: Ein im Internet veröffentlichtes Ferienfoto kann das Interesse von Einbrechenden an deiner währenddessen leeren Wohnung wecken.

Pexels/Mikhail Nilov
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NachgefragtIst ein Einbruch versichert, wenn du deine Ferien auf Insta postest?

Wenn du Ferienbilder auf Social Media postest, haben Einbrechende währenddessen leichtes Spiel. Doch können Versicherungen in diesem Fall eine Entschädigung verweigern? Wir haben nachgefragt.

von
Emmanuel Coissy

Ferien sind dazu da, um abzuschalten, das Leben zu geniessen – und das eine oder andere Foto auf Social Media zu teilen. Doch hast du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, dass das vielleicht nicht ganz so schlau ist?

Denn wer fröhlich Eindrücke direkt aus dem Hotelpool auf den Malediven postet, signalisiert Einbrechenden, dass sein Haus oder seine Wohnung gerade leer steht. Soweit so beunruhigend. Doch umso schlimmer, wenn im Falle eines Einbruchs die Versicherung aufgrund deiner Ferienbilder auf Social Media keinen Schadensersatz bezahlen will.

Die Diskussion um das Thema angerissen hat ein Artikel der englischen Zeitung «Walesonline». Denn dort warnt Holly Bennet, Finanzexpertin des Preisvergleichdienstes Nerdwallet, davor, Ferienfotos auf Instagram und Co. zu veröffentlichen. «Wer nach einem Einbruch eine Schadensersatzforderung an seine Versicherung stellt, muss damit rechnen, dass seine Social-Media-Profile unter die Lupe genommen werden. Und je nach Fall ist das nicht unbedingt von Vorteil».

Nach einem Einbruch können deine Social-Media-Profile unter die Lupe genommen werden.

Holly Bennet, Finanzexpertin des Preisvergleichdienstes Nerdwallet

Zwar heisst es auf der Website von Nerdwallet, dass sich eine Versicherung nicht weigern kann, einen Einbruch zu entschädigen, nur weil du ein Ferienfoto auf Social Media hochgeladen hast. Jedoch müssen während Abwesenheiten angemessene Vorkehrungen getroffen werden, um dein Haus zu schützen. Dieser Grundsatz wird auch Sorgfaltspflicht genannt und ist in den allgemeinen Versicherungsbedingungen klar festgelegt. Kurz gesagt: Je nach Situation könnte die Versicherung das öffentliche Preisgeben von Ferienfotos ausserhalb deines Heims als Verstoss der Sorgfaltspflicht ansehen und sich somit weigern, vollständigen Schadensersatz zu bezahlen.

So ist die Situation in der Schweiz

Doch ist eine solche Praxis auch in der Schweiz möglich, insbesondere im Rahmen der Hausratversicherung? Wir sind dieser Frage nachgegangen und haben vier Versicherungen nach dem Vorgehen befragt. Die Antwort der Mobiliar besagt, dass sie «die Versicherungsleistungen nicht einzig und alleine aufgrund eines Social-Media-Posts kürzen würde». Dasselbe gilt bei der  Basler Versicherung: «Die Sorgfaltspflicht erstreckt sich nicht auf die Aktivitäten unserer Versicherten in den sozialen Netzwerken».

Die Helvetia erinnert an einen Grundsatz: Die Versicherten «müssen die nach den Umständen gebotenen Massnahmen ergreifen, um sich gegen die möglichen Risiken zu schützen». Am Beispiel unseres nachgefragten Falles würden die Leistungen nicht gekürzt. Weiter heisst es jedoch: «Eine Änderung der Praxis ist nicht unmittelbar geplant. Aber wir verfolgen die Entwicklung natürlich mit Interesse.»

Generali lehnt es ab, «sich konkret zu dieser hypothetischen Frage zu äussern. Denn nur im Rahmen der Meldung eines eingetretenen Schadens können wir die Frage einer möglichen Leistungskürzung oder gar einer Leistungsverweigerung aufgrund der Umstände des konkreten Falles prüfen». Mit anderen Worten: Der Versicherer schliesst nicht aus, dass eine Veröffentlichung von Fotos in sozialen Netzwerken eine Verletzung der Sorgfaltspflicht darstellt.

Ist diese Praxis gesetzeswidrig?

Für den Genfer Versicherungsmakler und Anwalt Rémy Baddour wäre ein Vorgehen, wie es im britischen Artikel beschrieben wird, in der Schweiz rechtlich nicht haltbar. «Es stellt sich höchstens die Frage, ob das öffentliche Posten von Ferienfotos eine schwere Verfehlung des Versicherten im Sinne von Art. 14 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Versicherungsvertrag darstellen könnte, die dem Versicherer das Recht gibt, seine Leistung zu kürzen.»

Weiter meint der Experte: «Diese Position erscheint mir nicht vertretbar und bleibt theoretisch, da die meisten Versicherer in ihren allgemeinen Versicherungsbedingungen darauf verzichten, sich auf grobe Fahrlässigkeit zu berufen.» Nach Ansicht von Rémy Baddour müssten die Social-Media-Kanäle in den Versicherungsbedingungen ausdrücklich erwähnt werden. Bis dahin können Urlauber und Urlauberinnen weiterhin Selfies am Strand veröffentlichen und hoffen, dass die Einbrechenden diese nicht zu Gesicht bekommen. 

Wie schützt du dich vor Einbruch, wenn du in die Ferien gehst?

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