Frauenfrage: Ist ein Mann die bessere Bundesrätin?
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FrauenfrageIst ein Mann die bessere Bundesrätin?

Nach dem Doppelrücktritt geht alles um die Frauenfrage: Braucht es mehr Frauen im Bundesrat, oder kann auch ein Mann für Frauen einstehen?

von
A. Peterhans
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Achtung: Hier folgen mögliche Nachfolger auf den vakanten Bundesratssitz der CVP - aber einmal als Mann, einmal als Frau. Erich Ettlin CVP-Ständerat (OW)

Achtung: Hier folgen mögliche Nachfolger auf den vakanten Bundesratssitz der CVP - aber einmal als Mann, einmal als Frau. Erich Ettlin CVP-Ständerat (OW)

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Stefan Müller-Altermatt, CVP-Nationalrat Bern

Stefan Müller-Altermatt, CVP-Nationalrat Bern

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Stefan Engler, Ständerat Kanton Graubünden

Stefan Engler, Ständerat Kanton Graubünden

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«Jetzt braucht es gleich zwei Frauentickets!», forderte Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli kurz nach dem Rücktritt vvon Bundesrätin Doris Leuthard per Ende Jahr. Mit dem gleichzeitigen Abgang von Johann Schneider-Ammann könnten CVP und FDP beweisen, dass sie es ernst meinten mit der angemessenen Vertretung von Frauen im Bundesrat, so Glättli. Werden zwei Männer gewählt, wäre SP-Justizministerin Simonetta Sommaruga die einzige Frau neben sechs Männern.

Auch die SP-Frauen riefen nach drei Frauen in der Landesregierung. Drei Frauen seien das absolute Minimum. «Frauen stellen die Hälfte der Bevölkerung und müssen angemessen vertreten sein.» Leuthard selbst sah es weniger eng: Sie würde sich zwar mehr Frauen in der Regierung wünschen, am Schluss zähle aber die Persönlichkeit. Weil viele Beobachter kaum einer CVP-Frau Bundesratsformat attestieren, stellt sich die Frage, ob nicht auch ein Mann die Interessen der weiblichen Bevölkerung vertreten könnte. So zog etwa die SP Aargau Cédric Wermuth als Ständeratskandidat einer Frau vor: Dieser sei ein «Frauenförderer».

«Es ist symbolisch wichtig»

Für Natascha Wey, Co-Präsidentin der SP-Frauen, geht es nicht um das politische Profil: «Frauen wollen sich repräsentiert fühlen. Mehr Frauen in die Regierung zu bringen, ist symbolisch wichtig.» Es gehe nicht darum, ob Männer auch Fraueninteressen vertreten können. «Es müssen ja auch alle Landesteile vertreten sein.» Parteien müssten Frauen deshalb aktiv fördern.

Laut SP-Nationalrat Cédric Wermuth kann auch ein Mann feministische Positionen vertreten, diese aber nicht biologisch repräsentieren. «Männer sollten sich vermehrt für Gleichstellungsfragen einsetzen. Ich will auch für meine Töchter da sein können und fordere Lohngleichheit. Um solche Themen haben sich Männer viel zu lange nicht gekümmert.» Wie abgestimmt werde, sei aber eher eine Frage des Parteibuches, sagt Wermuth. «Wenn man das Stimmverhalten von weiblichen Parlamentariern auf der bürgerlichen Seite beim Gleichstellungsgesetz anschaut, verteidigen viele faktisch eine patriarchale und konservative Position.»

«Frauen betrachten Dinge aus einem anderen Blickwinkel»

Zwar würden nicht nur Frauen die Fraueninteressen vertreten, sagt auch Doris Fiala, Präsidentin der FDP-Frauen. Trotzdem sollten Frauen «angemessen» repräsentiert sein – das sei mit drei Frauen der Fall: Für den Bundesratssitz der FDP setzt sie sich für ein reines Frauenticket ein – «selbst wenn die CVP eine Frau stellt». Nach 30 Jahren ohne freisinnige Frau im Bundesrat sei das kein arroganter Feminismus. An qualifizierten Frauen mangle es nicht, sagt die Nationalrätin.

Nur eine Frau im Bundesrat würde nicht dem heutigen Zeitgeist entsprechen, sagt auch FDP-Nationalrat Philipp Müller. Zu wenig Selbstbewusstsein sei oft ein Hindernis, mit dem Frauen zu kämpfen hätten. Frauen würden nicht andere Politik betreiben, die Dinge aber manchmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten, deshalb sei eine angemessene Frauenvertretung im Bundesrat wichtig.

SVP-Rickli nervt sich über Forderungen

Weniger eng sieht es FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler: «Frauen machen dieselbe Politik wie Männer auch.» Es komme auf die Qualifikationen an. Trotzdem wäre nur eine Frau im Bundesrat falsch, sagt Bigler. «Frauen müssen angemessen vertreten sein. Mit der Doppelvakanz, die wir nun haben, wird es ohne Probleme möglich sein, eine qualifizierte Frau zu finden für den Bundesratsitz.»

Derweil regt sich SVP-Nationalrätin Natalie Rickli über den Ruf nach drei Frauen im Bundesrat auf. Sie sieht ihre Kollegen dem «Frauenwahn» verfallen: «Es ist Sache der CVP und der FDP, die ihrer Ansicht nach besten Kandidaten zu nominieren. Es ist nicht an den Parlamentariern der anderen Parteien, Nominationskriterien vorzuschreiben.» Das Geschlecht dürfe ausserdem nicht das wichtigste Kriterium sein.

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