Busen-Bilder aus dem Bundeshaus: Ist ein Nackt-Selfie ein Kündigungsgrund?

Aktualisiert

Busen-Bilder aus dem BundeshausIst ein Nackt-Selfie ein Kündigungsgrund?

Noch ist nicht klar, ob der freigestellten Bundeshaus-Sekretärin auch wirklich gekündigt wird. Für den Arbeitsrechtler Roger Rudolph aber sind die Nackt-Selfies ein Grund dafür.

von
S. Marty

Herr Rudolph, eine Bundeshaus-Sekretärin hat in ihrem Büro Nackt-Selfies gemacht und diese auf Twitter gestellt. Muss die Frau nun mit einer Kündigung rechnen?

Ein Arbeitgeber muss ein solches Verhalten in seinen Büroräumlichkeiten nicht tolerieren, schon gar nicht, wenn auf den Bildern das Unternehmen erkennbar ist. Er kann aufgrund dessen eine Verwarnung aussprechen oder sich eine Kündigung überlegen. In einem Privatunternehmen sind die Angestellten dem Obligationenrecht OR unterstellt. Dort gilt weitgehend Kündigungsfreiheit, und das Erstellen von Nacktbildern am Arbeitsplatz stellt eine Verletzung der arbeitsrechtlichen Pflichten dar. Bundesangestellte aber sind dem Bundespersonalgesetz unterstellt - dieses kennt einen stärkeren Kündigungsschutz.

Das heisst, die Frau könnte mit einer Verwarnung davonkommen?

Der Bund muss einen sogenannt «sachlichen Grund» haben, um die Frau zu entlassen. Aus meiner Sicht ist dieser hier wohl gegeben, denn das mehrfache Erstellen von Nackt-Selfies im Büro ist keine Lappalie. Es kommt allerdings sehr auf die konkreten Umstände an. Für eine fristlose Entlassung sind die Hürden allerdings deutlich höher, dort verlangt das Gesetz einen «wichtigen Grund». Dafür müsste man mehr über die Hintergründe wissen, z.B. die Bilder genauer anschauen, wie viele Bilder gemacht wurden, was auf ihnen erkennbar ist und wie oft diese getwittert wurden. Auch die Funktion der Mitarbeiterin ist relevant.

Wie würde sich die Situation verändern, wenn die Sekretärin die Bilder in ihrem Privatleben gemacht und dann auf Twitter gestellt hätte?

Dann wird es für den Arbeitgeber schwieriger. Grundsätzlich geht das Privatleben die Firma nichts an. Allerdings werden die Bilder durch die Veröffentlichung auf Twitter quasi halb-öffentlich gemacht. Die Frage, ob sich der Arbeitgeber dies gefallen lassen muss, hängt in solch einem Fall stark von der Position des Mitarbeiters ab. Bei einer Generalsekretärin eines Departements oder einer politischen Partei ist es sicher einfacher, für eine Kündigung zu argumentieren, als bei einer Reinigungskraft, die am Abend das Bundeshaus putzt.

Wie gross schätzen Sie den Reputationsschaden für den Bund ein?

Wenn es nicht eine Kaderangestellte oder eine öffentlich bekannte Person ist, wird sich dieser Schaden wohl in Grenzen halten. Natürlich ist solch eine Illoyalität auch bei einem durchschnittlichen Mitarbeiter nicht einfach, dennoch ist das Aufsehen in solch einem Fall natürlich geringer, als wenn etwa Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf ein Nackt-Selfie twittern würde.

Haben Sie Informationen zu der betreffenden Sekretärin? Dann schreiben Sie uns auf feedback@20minuten.ch

Zur Person

Roger Rudolph ist Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der der Kanzlei Streiff Pellegrini und von Kaenel. ­Rudolph berät Unternehmen zum Thema sexuelle Belästigung.

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