28.07.2020 22:01

Auto-Ratgeber

Ist es gefährlich, mit einem E-Fahrzeug durch hohes Wasser zu fahren?

Regula fährt einen Tesla 3 und fragt sich, ob sie bei der Fahrt durch stehendes Wasser – beispielsweise nach einem Gewitter – einen Stromschlag riskiert.

von
Markus Peter, AGVS
Auch mit Elektroautos kann stehendes Wasser gefahrlos durchfahren werden, sofern das Wasser nicht zu hoch und das Tempo angepasst ist.

Auch mit Elektroautos kann stehendes Wasser gefahrlos durchfahren werden, sofern das Wasser nicht zu hoch und das Tempo angepasst ist.

Getty Images

Frage von Regula ans AGVS-Expertenteam:

Ich habe eine vielleicht etwas seltsame Frage: Ist es gefährlich, mit einem Elektroauto durch Hochwasser zu fahren, das sich nach einem Gewitter auf der Strasse oder in Unterführungen ansammeln kann? Kann es dabei zu einem Stillstand des Autos oder gar einem tödlichen Stromschlag kommen? Ich fahre seit Kurzem einen Tesla 3 und finde keine Antwort auf diese Frage in den Teslavideos. Darum wäre ich froh um ihren Rat.

Antwort des AGVS:

Liebe Regula

Danke für deine spannende Frage. Tatsächlich sind Elektroautos – genauso wie die anderen Autos – bis zu einer gewissen Wassertiefe vor eindringendem Wasser geschützt. Gerade im Offroad-Bereich wird dazu gerne von der «Wattiefe» gesprochen. Sie definiert die maximale Tiefe eines Gewässers, wo eine gefahrlose Überquerung noch möglich ist, ohne dass Wasser in den Innenraum, die Elektronik, die Batterie beziehungsweise über das Ansaug- oder Abgassystem in den Motor eindringt. Das Ganze hängt immer auch von der Einfahrgeschwindigkeit ins Wasser ab: Wer schnell hineinfährt, der erzeugt ein Anschwellen des Wassers an der Fahrzeugfront, also quasi eine Bugwelle, was dann schädliche Folgen haben kann.

Zu den Teslas finden sich dazu keine konkreten Werte in den technischen Daten. Bis zu 30 cm Wassertiefe können aber von den meisten Personenwagen langsam (!) durchfahren werden, ohne Schaden anzurichten; das entspricht etwa der Distanz von der Fahrbahn bis zur Radmitte. Bei echten Offroadern beträgt die Wattiefe dann meistens zwischen 50 und 100 cm, als Anhaltspunkt kann hier das vollständig eingetauchte Rad genommen werden.

Das Ansaugsystem von Offroadern mit Verbrennungsmotor wird bei hartem Geländeeinsatz beziehungsweise bei möglicher Wasserdurchquerung mit Hilfe von Schnorcheln geschützt, zumindest dieses Problem haben E-Autos ja nicht. Dafür hätte die Elektrik wohl weniger Freude an zu tiefen Wasserdurchquerungen.

Der AGVS

Der AGVS ist der Verband der Schweizer Garagisten. 4000 Betriebe mit 39'000 Mitarbeitenden (darunter 9000 Nachwuchskräften in Aus- und Weiterbildung) sorgen dafür, dass wir sicher, zuverlässig und energieeffizient unterwegs sind. Und dieses Expertenteam sorgt für Durchblick: Markus Aegerter (Handel und Dienstleistungen), Olivier Maeder (Bildung), Markus Peter (Technik und Umwelt) und AGVS-Juristin Olivia Solari (Recht).

Mit anderen Worten: Bis 30 cm musst du dir mit deinem Tesla 3 keine Sorgen machen, solange du mit angepasster Geschwindigkeit unterwegs bist. Höherstehendes Wasser zu durchqueren, ist auch mit herkömmlichen PW keine gute Idee. Und dass ein Teslafahrer durch eintretendes Wasser einen Stromschlag abbekommen hat, habe ich erstens noch nie gehört und halte ich zweitens für ausgeschlossen: Die Batterie ist so konstruiert, dass die einzelnen Akkuzellen in einer Art Gel liegen und durch ein Gehäuse geschützt und isoliert sind. Zudem werden Batterien von Elektroautos durch ein aufwändiges Thermomanagement überwacht und auf der idealen Betriebstemperatur gehalten. Wenn Wasser in die Elektrik gerät, riskierst du allenfalls einen Kurzschluss und dass du liegen bleibst. Bestenfalls wird dabei nur eine Sicherung beschädigt, deutlich teurer wird es, falls ein elektrisches Bauteil durch den Wassereintritt irreparabel beschädigt wird. Einen reellen Stromschlag hast du aber nicht zu befürchten.

Gute Fahrt!

Sende deine Frage(n) einfach per Mail an autoratgeber@20minuten.ch. Die interessantesten und aktuellsten Fragen und natürlich die Antworten publizieren wir jeden Mittwoch unter dem Vornamen des Fragenden hier im Autochannel auf 20min.ch.

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12 Kommentare
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Arshfic Air

29.07.2020, 15:05

Kein Problem, einfach die Batterie vorher rausnehmen

Pablo

29.07.2020, 09:57

Allgemein ist in zu tiefes Wasser fahren für jedes Fahrzeug schädlich. Es werden dabei Hohlräume geflutet die nachher rosten können. Einmal Wasser ansaugen und die Motorinstandsetzung kann sehr teuer werden. Nein man fährt mit normalen Autos nicht in tiefes Wasser, ausser man hat zu viel Geld.

Rog

29.07.2020, 09:56

Bei tesla stimmt halt technik und qualität!