Alltagsfrage: Ist es gefährlich, sein Pipi zurückzuhalten?
Publiziert

AlltagsfrageIst es gefährlich, sein Pipi zurückzuhalten?

Wer dringend aufs WC muss, aber keines findet, der leidet doppelt. Denn zu der körperlichen Not gesellt sich die Angst, die Blase könnte irgendwann platzen.

von
fee
1 / 15
«Bitte hier nicht urinieren» – solche Worte können bei voller Blase Panik auslösen.

«Bitte hier nicht urinieren» – solche Worte können bei voller Blase Panik auslösen.

iStock/Lolon
So befürchtet manch ein Betroffener, seine Blase könnte dem Druck nicht standhalten und platzen. (Im Bild: ein platzender Luftballon)

So befürchtet manch ein Betroffener, seine Blase könnte dem Druck nicht standhalten und platzen. (Im Bild: ein platzender Luftballon)

Wikiemedia Commons/Andrew Magill/CC BY 2.0
Eine andere Angst: Wer zu lange einhält, kann später nicht mehr. Dann, so lautet die Befürchtung, könnte die Blase Hort für allerlei Erreger werden. (Im Bild: Petrischale mit E.coli-Bakterien, die zu Blasenentzündungen führen können)

Eine andere Angst: Wer zu lange einhält, kann später nicht mehr. Dann, so lautet die Befürchtung, könnte die Blase Hort für allerlei Erreger werden. (Im Bild: Petrischale mit E.coli-Bakterien, die zu Blasenentzündungen führen können)

iStock/Scharvik

Prüfungen, Autofahrten, Openairs oder verstopfte WCs: Es gibt viele Situationen, in denen man nicht auf die Toilette kann. Als wäre das nicht schon unangenehm genug, setzt bei vielen Menschen auch die Sorge ein, das Anhalten des Urins könnte der Gesundheit schaden.

Die entsprechenden Szenarien reichen von platzenden Blasen oder solchen, die sich beim erlösenden Toilettengang nicht mehr vollständig leeren. Dann, so lautet die Angst, könnten sie Hort für allerlei Bakterien werden und so unter anderem zu Blasenentzündungen führen (siehe Box).

Anatomie verhindert Schlimmeres

Für den unangenehmen Druck im Unterleib sorgen Dehnungssensoren in der Blasenwand. Diese stossen bereits bei halb gefüllter Blase an das Rückenmark, welches die Information dann ans Gehirn weiterleitet und ihm mitteilt, dass es an der Zeit wäre, sich zu erleichtern. Und das immer eindringlicher.

Dass während dieser Phase kein Unglück geschieht, dafür sorgt der Schliessmuskel. Doch irgendwann gibt er nach und der Urin läuft aus: Man macht sich in die Hose, in der Regel lange bevor sich die Blase völlig füllt. Damit ist es höchst unwahrscheinlich, dass selbige platzt.

In den wenigen Fällen, in denen es trotzdem passierte, spielten immer äussere Einflüsse wie Schläge oder Stürze eine Rolle.

Warum Frauen häufiger müssen

Ganz unproblematisch ist langes Einhalten allerdings auch nicht: Denn nur wer die Blase regelmässig leert, der spült auch eventuelle Bakterien heraus und verhindert deren Vermehrung. Das ist auch der Grund, weshalb man Frauen, die oft unter Blasenentzündungen leiden, rät, trotz der Schmerzen regelmässig das WC aufzusuchen.

1 / 20
1. Fakt: Blasenentzündungen sind Frauensache, da die weibliche Harnröhre kürzer ist als die männliche und Krankheitserreger schneller ihr Ziel erreichen. Laut einer im «British Journal of Family Medicine» veröffentlichten Studie leidet jede zweite Frau mindestens einmal in ihrem Leben an einer Blasenentzündung.

1. Fakt: Blasenentzündungen sind Frauensache, da die weibliche Harnröhre kürzer ist als die männliche und Krankheitserreger schneller ihr Ziel erreichen. Laut einer im «British Journal of Family Medicine» veröffentlichten Studie leidet jede zweite Frau mindestens einmal in ihrem Leben an einer Blasenentzündung.

iStock/Globalmoments
2. Auch Männer bleiben von der Zystitis, wie die Blasenentzündung auch heisst, nicht verschont: Für sie steigt das Risiko ab dem 50. Lebensjahr. Grund: Männer in dem Alter haben oft eine vergrösserte Prostata und eine verengte Harnröhre. Dadurch wird der Harnabfluss behindert, sodass sich vermehrt Krankheitserreger in Blase und Harnröhre sammeln.

2. Auch Männer bleiben von der Zystitis, wie die Blasenentzündung auch heisst, nicht verschont: Für sie steigt das Risiko ab dem 50. Lebensjahr. Grund: Männer in dem Alter haben oft eine vergrösserte Prostata und eine verengte Harnröhre. Dadurch wird der Harnabfluss behindert, sodass sich vermehrt Krankheitserreger in Blase und Harnröhre sammeln.

iStock/Vchal
3. Sommerzeit ist Blasenentzündungszeit: Unter anderem trinken Frauen dann oft zu wenig, was verhindert, dass die Bakterien aus der Blase gespült werden. Zudem steigert Wassersport das Risiko, mit den Bakterien in Kontakt zu kommen. Auch nasse Bikini-Höschen tragen zu diesem Effekt bei.

3. Sommerzeit ist Blasenentzündungszeit: Unter anderem trinken Frauen dann oft zu wenig, was verhindert, dass die Bakterien aus der Blase gespült werden. Zudem steigert Wassersport das Risiko, mit den Bakterien in Kontakt zu kommen. Auch nasse Bikini-Höschen tragen zu diesem Effekt bei.

AP/John Minchillo

Auch sonst kommt dem weiblichen Geschlecht eine Sonderrolle zu: Weil sich in ihrem Bauchraum die Gebärmutter befindet, ist ihre Blase auf nur etwa 250 bis 550 Milliliter begrenzt. Die der Männer hingegen kann rund 350 bis 750 Milliliter fassen. Dass Frauen häufiger aufs WC müssen, ist also nicht ihre Schuld.

Anhalten, bis dass der Tod eintritt

Angefacht werden solche Befürchtungen auch durch Legenden, wie die des dänischen Astronomen Tycho Brahe. Der soll im Jahr 1601 an einem Bankett von Kaiser Rudolf II. (Foto) teilgenommen haben. Weil während diesem niemand die Tafel verlassen durfte, solange der Kaiser sass, soll Brahe so lange angehalten haben, bis er nicht mehr konnte – und elf Tage später an Nierenversagen starb.

Deine Meinung