Basler Fasnacht: «Ist es sinnvoll, in der derzeitigen Situation die Grenzen auszuloten?»
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Basler Fasnacht«Ist es sinnvoll, in der derzeitigen Situation die Grenzen auszuloten?»

Provoziert die Fasnacht auch in Basel chaotischen Szenen wie in Einsiedeln? Und was passiert, wenn Fasnächtler trotzdem auf die Gasse gehen? Die Polizei hofft auf Einsicht und setzt auf Dialog.

von
Lukas Hausendorf
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Feiern, bis die Polizei kommt: Letztes Jahr musste die Baselbieter Regierung ein Ausschankverbot verhängen, weil die fasnächtlichen Aktivitäten trotz Corona-Beschränkungen ausuferten.

Feiern, bis die Polizei kommt: Letztes Jahr musste die Baselbieter Regierung ein Ausschankverbot verhängen, weil die fasnächtlichen Aktivitäten trotz Corona-Beschränkungen ausuferten.

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Am Montag kam es in Einsiedeln im Kanton Schwyz zum fasnächtlichen Eklat. Rund 1000 Personen haben an einem Umzug teilgenommen, die Polizei büsste gut 100 Personen.

Am Montag kam es in Einsiedeln im Kanton Schwyz zum fasnächtlichen Eklat. Rund 1000 Personen haben an einem Umzug teilgenommen, die Polizei büsste gut 100 Personen.

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In Basel, wo die Fasnacht am Montag, 22. Februar um 4 Uhr mit dem Morgestraich beginnen würde, sind alle fasnächtlichen Aktivitäten abgesagt. Stattdessen verströmt ein Postenlauf in der Innenstadt Fasnachts-Stimmung.


In Basel, wo die Fasnacht am Montag, 22. Februar um 4 Uhr mit dem Morgestraich beginnen würde, sind alle fasnächtlichen Aktivitäten abgesagt. Stattdessen verströmt ein Postenlauf in der Innenstadt Fasnachts-Stimmung.

Lukas Hausendorf

In Einsiedeln wurde die Polizei am Abend des Sühudiumzugs am Montag dann auch noch mit Flaschen beworfen. Die chaotischen Szenen aus dem Kanton Schwyz machten schweizweit Schlagzeilen. Die Polizei war offenbar überrascht vom grossen Ansturm, als am Montag plötzlich rund 1000 Fasnächtler auf der Strasse waren. Drohen sich solche Szenen nun auch in den beiden Basel zu wiederholen? Am Wochenende würden in normalen Zeiten in zahlreichen grösseren Baselbieter Gemeinden Umzüge stattfinden und am Montag punkt 4 Uhr würde die Basler Fasnacht mit dem Morgestraich eingeläutet.

Offiziell findet die Fasnacht dieses Jahr nicht statt, das Comité hat von sämtlichen fasnächtlichen Aktivitäten abgeraten und ist auf einer Linie mit der Basler Regierung. Diese hat am vergangenen Freitag den Tarif durchgegeben und festgehalten, dass unter den gegeben Umständen auch «Gässle» oder «Ständeli» nicht möglich seien. Trotzdem werden sich einige Fasnächtler das «Gässle» in Kleingrüppchen nicht nehmen lassen. LDP-Grossrat und Fasnachts-Chronist André Auderset ruft auf Facebook gar dazu auf. «Ab uf d Gass, au wenn dr Gassmaa schüümt», fordert er. Stephan Gassmann ist der Schutzkonzept-Verantwortliche des Basler Gesundheitsdepartements.

Die Basler Kantonspolizei hat daran wenig Freude. «Grundsätzlich muss sich jeder selbst fragen, wie sinnvoll es ist, in der derzeitigen Situation die Grenzen auszuloten», sagt Sprecher Toprak Yerguz. Wenn 100 Personen voneinander unabhängig für sich denken, dass eine Zweier-Schissdräggziigli nicht schade, seien eben nicht zwei sondern 100 Personen in der Innenstadt unterwegs. «Wir werden immer zuerst das Gespräch suchen. Die Kantonspolizei wird deshalb mit Dialogteams auf den Strassen Basels unterwegs sein und etwaigen Fasnächtlern nochmals erklären, weshalb die Fasnacht bedauerlicherweise nicht stattfinden kann und weshalb jeder Einzelne mithelfen sollte, während dieser Pandemie die Massnahmen einzuhalten», so Yerguz.

Aktivisten verzichten auf «Spaziergang»

Ein geplanter «Fasnachtspaziergang für die Freiheit», der am Montagnachmittag in Basel hätte stattfinden sollen, wurde abgesagt. Die Rechtslage sei zu unklar und man wolle jeden Konflikt vermeiden, sagen die Initatoren auf Anfrage. Geplant wäre gewesen, dass kostümierte Kleingruppen mit maximal fünf Personen durch die Stadt spaziert wären. Ihre Sandwich-Plakate tragen die «Free Switzerland»-Aktivisten nun am Samstag an einer bewilligten Kundgebung des «Stillen Protests» im aargauischen Wohlen.

Ein bisschen Fasnacht im Baselbiet

Augenmass und Verhältnismässigkeit sind auch im Baselbiet die Devise. Fasnächtliches Treiben wird also zugelassen, solange Abstands- und Fünferregel eingehalten werden, wie das schon vor einer Woche grösstenteils der Fall war. Polizeisprecher Adrian Gaugler macht aber auch klar: «Bei wiederholter oder schwerwiegender Missachtung der Massnahmen werden wir aber konsequent durchgreifen.» Das musste die Baselbieter Regierung bereits vor einem Jahr, als die erste Welle der Pandemie anrollte und adhoc ein Ausschankverbot verhängt wurde, um die Party in Liestal und Sissach abzuwürgen.

Spazieren statt Gässle

Damit in Basel doch noch fasnächtliche Stimmung aufkommt, hat das Fasnachts-Comité einen Fasnachts-Spaziergang auf die Beine gestellt, der die ganze Bandbreite der «drey scheenschte Dääg» kreativ entlang der Cortège-Route auf 32 Posten in der Stadt abbildet. Dazu haben junge Garden ihre Kreativität gebündelt und Laternen-Monolithe auf dem Münsterplatz gestaltet und andere wichtige Fasnachts-Elemente wie die Laerve, Räppli, Schnitzelbängg, Waggis oder Zeedel zu einem stimmungsvollen Postenlauf verdichtet. Einen Plan und weitere Infos finden sich auf der Website von Jetzt-Fasnacht. Zudem wurden Private aufgerufen, ihre Häuser und Fenster mit fasnächtlicher Dekoration zu schmücken. Der Fasnachts-Spaziergang ist noch bis am 5. März begehbar.

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