Beschimpfungs-ABC: Ist «Geh dich vergraben» in deinem Wortschatz?
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Beschimpfungs-ABCIst «Geh dich vergraben» in deinem Wortschatz?

«Idiot», «Trottel», «Schleimer»: Mit diesen Beleidigungen sollen Schüler eine Szene improvisieren. Doch welche Begriffe werden wirklich verwendet?

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pam
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Im «Theaterfundus» der Pädagogischen Hochschule Zürich war bis vor kurzem diese Übung zu finden.

Im «Theaterfundus» der Pädagogischen Hochschule Zürich war bis vor kurzem diese Übung zu finden.

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In einem fiktiven Verkaufsgespräch sollen sich Schüler mit Beleidigungen eindecken.

In einem fiktiven Verkaufsgespräch sollen sich Schüler mit Beleidigungen eindecken.

Keystone/Gaetan Bally / Symbolbild
Bei der Übung handelt es sich um ein Improvisationstheater  – mit Wörtern, die Schüler kaum je verwenden würden.

Bei der Übung handelt es sich um ein Improvisationstheater – mit Wörtern, die Schüler kaum je verwenden würden.

Keystone/Gaetan Bally

Der «Spielefundus» der Pädagogischen Hochschule Zürich bietet Lehrern Inspiration für Spiele im Unterricht. Heraus sticht das Spiel «Beleidigung»: In einem fiktiven Verkaufsgespräch spielen zwei Schüler eine Szene, in der sie an jeden Satz eine Beleidigung anhängen. Vorgeschlagen sind: «Idiot, Trottel, Irrer, Narr, Schwachkopf, Miststück, Schleimer, Ekel, blöde Kuh, Kotzbrocken» (siehe Box).

Bei der Übung handelt es sich um ein Improvisationstheater – mit Wörtern, die Schüler kaum je verwenden würden. Doch wie necken sie sich wirklich? Und welche Wörter sind gebräuchlich, wenn man wirklich über eine Person schimpfen will? Wir haben die besten Ausdrücke gesammelt.

«Lappe» oder «Pflaume»

Die 17-jährige Selina beispielsweise bezeichnet Mitschüler, die etwas Tollpatschiges gemacht haben, als «Lappe». Schülerin Laura sagt, man passe die Beleidigung an den Empfänger an: «Wenn jemand einen schlimmen Oberlippenbart hat, sagen wir: ‹Hat dir deine Nase auf die Oberlippe geschissen?›»

Wenn er hässig sei, dass ein Kollege ein Treffen absage, drücke er seine Enttäuschung mit «Du Penis» aus, ergänzt ein 18-jähriger Gymi-Schüler. In seinem Freundeskreis sei es zudem üblich, sich mit Früchtenamen zu beleidigen: «Zu meiner Kollegin sage ich ‹Du Pflaume›. So verwende ich kein Fluchwort, zeige ihr aber, dass sie mich verletzt hat.»

Zu den härteren Fluchwörtern unter Schülern gehören «Hurensohn», «Wichser» oder Ausrufe gegen die «Mutter», sagt ein 13-jähriger Oberstufenschüler. Gerade Beleidigungen gegen die Familie gingen zu weit, findet er. «Dann muss ich zurückgeben.» «Richtig schlimm finde er auch die Bezeichnung ‹Geh dich vergraben›», so der Schüler. Das bedeute so viel wie: Du bist nicht lebenswert. 

«Du Michi» hält sich hartnäckig

Daneben scheint sich auch ein Klassiker zu halten: «Du Michi». Der Ausspruch stammt aus einer Pingu-Parodie aus dem Jahr 2006. Der entsprechende Youtube-Clip hat mittlerweile fast eine Million Klicks.

Ein Zürcher Gymilehrer stellt denn auch fest: «Die Beleidigungen unter den Schülern sind weder klüger noch dümmer oder gar krasser geworden, es ist einfach immer dasselbe Spiel mit und zwischen den Menschen.» Der Schweizer Fluchforscher Roland Ris sieht darin auch positive Seiten: Durchs Schimpfen könne aufgestauter Ärger abgelassen werden.

Das sagt die PH

«Das Spiel ist mit dem nötigen Humor und im geschützten pädagogischen Rahmen zu verstehen», sagt Andi Thürig, der Verantwortliche für das Angebot an der PH Zürich. Das Spiel sei von einem Studierenden für Jugendliche entwickelt worden, der sich mit Improvisationstheater beschäftigt habe. «Durch die Beleidigungen wird die Szene bewusst ins Absurde gehoben.» So lernten die Schüler, wie sich die Szene je nach Kontext – mit oder ohne Beleidigungen – verändere.

«Es ist keinesfalls die Absicht des Spiels, Schüler zu Beleidigungen anzustiften», betont Thürig. Da das Spiel aber Raum für Missverständnisse biete, habe man es nun aus der Liste gestrichen. Er verweist auf die restlichen unproblematischen Übungen im Spielefundus: Diese förderten die Schüler ganzheitlich, indem neben Atem, Stimme, Sprechen auch die Vorstellungskraft und Fantasie trainiert werden.

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