Aktualisiert 11.03.2018 19:52

Dritte Panne in einer Woche

Ist Germania die Lotter-Airline der Schweiz?

Gestern konnte bereits zum dritten Mal in dieser Woche eine Germania-Maschine aus Hurghada nicht plangemäss nach Zürich fliegen. Was ist los bei der Airline?

von
Simon Ulrich
1 / 4
Dreimal innerhalb einer Woche sind nun Germania-Flüge nach Zürich in Hurghada stecken geblieben.

Dreimal innerhalb einer Woche sind nun Germania-Flüge nach Zürich in Hurghada stecken geblieben.

Germania Flug ag / Gerry Ebner
«Der Flug wird gestrichen»: Die Germania-Passagiere werden am 7. März zurück in den Flughafen geführt.

«Der Flug wird gestrichen»: Die Germania-Passagiere werden am 7. März zurück in den Flughafen geführt.

Leser-Reporter
Wegen eines Triebwerkproblems wird der Flug von Hurghada nach Zürich gestrichen. (7. März)

Wegen eines Triebwerkproblems wird der Flug von Hurghada nach Zürich gestrichen. (7. März)

Für die Germania Flug AG war es ohnehin bereits eine Woche zum Vergessen: Gleich zweimal blieben am letzten Sonntag und am Mittwoch Flüge nach Zürich wegen technischer Probleme im ägyptischen Hurghada stecken. Erst am Folgetag konnten die Passagiere jeweils in die Schweiz reisen. Mehrere unter ihnen meldeten sich daraufhin verärgert bei 20 Minuten. Sie berichteten von stundenlangem Warten auf Informationen, von mangelhafter Verpflegung und von unzumutbaren Zuständen im Hotel, in dem sie untergebracht worden seien.

Gestern Samstag nun die dritte Panne: Um 18:35 Uhr hätte Flug 3032 aus Hurghada in Richtung Zürich abheben sollen. Es sollte wieder nicht sein. «Stattdessen sassen wir zwei Stunden im Flugzeug fest», sagt Passagierin Eliane Aeschimann (34). Ganze fünfmal seien die Triebwerke neu gestartet worden, danach habe man auf den neuen Flugplan aus Kairo gewartet. «Als dieser endlich stand, war es bereits zu spät, um in Zürich zu landen», so Aeschimann.

«Dann endlich flogen wir los, jedoch wussten wir nicht wohin»

In der ganzen Zeit sei den Fluggästen gerade mal ein Becher Wasser serviert worden. Eine weitere Stunde habe man mit Warten zubringen müssen, weil nicht genügend Wasser und Becher an Bord vorhanden gewesen seien.

Der Satz, der Aeschimann nun über die Lippen kommt, ist an Absurdität kaum mehr zu überbieten: «Dann endlich flogen wir los, jedoch wussten wir nicht wohin.» Denn über den Zielort habe innerhalb der Crew wenig Einigkeit geherrscht. «Der Pilot sprach von Mailand oder Stuttgart, das Kabinenpersonal von Lugano», erzählt sie.

Nach vier Stunden Flug habe der Pilot bekanntgegeben, dass man in einer halben Stunde in Mailand landen und ein Bus die Passagiere von dort nach Zürich fahren werde. «Bis zu diesem Zeitpunkt, seit sieben Stunden im Flugzeug sitzend, hatten wir vom Personal so gut wie keine Informationen bekommen», klagt Aeschimann. Um sieben Uhr morgens sei man schliesslich in Zürich angekommen.

Michelle von Ballmoos (38), die mit ihrem Mann ebenfalls an Bord des Flugs 3032 war, bestätigt Aeschimanns Angaben. «Man war ständig im Ungewissen, wie es weitergeht. Die Nacht war der Horror», sagt sie.

Nicht immer dasselbe Flugzeug

20 Minuten konfrontierte Tobias Somandin, CEO der Germania Flug AG, mit den Vorfällen. Zwischen den drei Ereignissen bestehe kein Zusammenhang, versichert er. «Dass es dreimal dieselbe Destination getroffen hat, ist ein bedauerlicher Zufall und leider nicht vorherzusehen.» Im Normalfall sei der Flugbetrieb bei Germania «äusserst stabil». Da die Sicherheit in der Luftfahrt und auch bei Germania immer oberste Priorität habe, sei das Flugzeug unverzüglich geprüft worden, was mit Zeitverlust einhergehe, erklärt er weiter. Für die entstandenen Unannehmlichkeiten bei den Passagieren entschuldigt sich der Manager.

Somandin zufolge handelte es sich am Sonntag und am Mittwoch um dasselbe Flugzeug. Beim neusten Zwischenfall am Samstag sei dagegen eine andere Maschine im Einsatz gewesen. Die Germania Flug AG mit Sitz in Glattbrugg betreibt in der Schweiz aktuell drei Flugzeuge.

In den ersten beiden Fällen hätten Probleme mit der Triebwerkssteuerung zu den Flugausfällen geführt, sagt Somandin. «Beim dritten, unabhängigen Fall verursachte eine technische Fehlermeldung die Verspätung», sagt er. Nach Inspektion und Freigabe des Flugzeuges sei aufgrund des Nachtflugverbotes in Zürich eine Ausweichung nach Mailand unumgänglich gewesen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.