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Gestörtes VerhaltenIst Herrchen am Handy, macht Hund, was er will

Kümmert sich der Hundehalter mehr um die neuen Nachrichten auf dem Smartphone als um den Hund, kann das für den Vierbeiner Gefahr bedeuten.

von
Silvana Schreier
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Widmet sich das Frauchen komplett dem Smartphone, nutzt der Hund die neu gewonnene Freiheit nur zu gern aus.

Widmet sich das Frauchen komplett dem Smartphone, nutzt der Hund die neu gewonnene Freiheit nur zu gern aus.

iStock / Kerkez
Zu wenig Aufmerksamkeit kann dazu führen, dass die Vierbeiner ihrem Halter kaum mehr gehorchen. Einigen Hunden fehlt die Rückmeldung ihrer Bezugsperson offenbar so stark, dass sie zum Therapeuten müssen.

Zu wenig Aufmerksamkeit kann dazu führen, dass die Vierbeiner ihrem Halter kaum mehr gehorchen. Einigen Hunden fehlt die Rückmeldung ihrer Bezugsperson offenbar so stark, dass sie zum Therapeuten müssen.

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Mit Bellen oder Hochspringen zeigt der Vierbeiner seinem Besitzer an, wenn er sich zu wenig beachtet fühlt.

Mit Bellen oder Hochspringen zeigt der Vierbeiner seinem Besitzer an, wenn er sich zu wenig beachtet fühlt.

Keystone/Alexandra wey

Beim Spazierengehen im Wald, beim Stöckchenwerfen auf dem Feld, beim Herumtollen im Garten: Immer mit dabei ist das Smartphone. Während der Hund sich freut, dass das Herrchen endlich von der Arbeit nach Hause gekommen ist, kann dieses die Augen nicht abwenden von dem rechteckigen, leuchtenden Teil.

«Seit ein paar Jahren sehe ich immer mehr Hundebesitzer, die mit dem Smartphone in der Hand und dem Hund an der Leine spazieren gehen», sagt Hundetrainerin Jutta Brinkhaus. Diese Leute sähen kaum, was vor ihnen geschieht. «Sie sehen ja nicht mal, wo der Hund gerade hingemacht hat», empört sich die Hundeexpertin.

Wenn der Hund in den «Handy-Modus» schaltet

Wenn man mit seinem Hund unterwegs sei, müsse man ständig im Blick haben, was er tut: «Je nach Hund ist es unterschiedlich, wie weit er wegläuft oder welchen Blödsinn er gern anstellt», so Brinkhaus. Zückt das Frauchen das Handy, merkt der Hund das sofort. «Dem Hund wurde beigebracht, dass er machen kann, was er will, sobald der Besitzer aufs Handy schaut», sagt die Hundetrainerin. Für den Vierbeiner würden die eigentlich vereinbarten Regeln dann nicht mehr gelten: «Er schaltet sozusagen in den ‹Handy-Modus› und nutzt seine neu gewonnene Freiheit aus.»

Freiheit sei für den Hund mehr als willkommen: «Er geniesst sie und geht seinen eigenen Interessen nach», ergänzt Katrin Andres, Hundeverhaltensberaterin und Sozialpädagogin. Das bedeutet aber Gefahr. Denn: «Wenn er plötzlich der Katze auf der anderen Strassenseite nachrennt, kann das schlimm enden. Oder er will mit der Gruppe Kindergärtler spielen und bedeutet so ein Risiko für andere», sagt Hundetrainerin Brinkhaus. Der Hund leide so schliesslich wegen der Unaufmerksamkeit seines Herrchens.

Hunde müssen zur Therapie

Zu wenig Aufmerksamkeit kann dazu führen, dass die Vierbeiner ihrem Halter kaum mehr gehorchen. Einigen Hunden fehlt die Rückmeldung ihrer Bezugsperson offenbar so stark, dass die Besitzer sie zum Therapeuten schleppen, wie die «Welt» berichtet.

Der deutsche Hundepsychologe Steffen Kröber erzählt der «Welt» von einem klassischen Fall: «Ein junger Mann suchte Rat, weil es immer wieder Probleme mit dem Gehorsam seines Hundes gab.» Noch in der ersten Therapiesitzung habe sich die Ursache deutlich gezeigt: Sobald das Herrchen zum Handy griff, weil sich eine Whatsapp-Nachricht angekündigt hatte, wandte sich der Hund ab und machte sein eigenes Ding.

Für Hundeverhaltensberaterin Andres ganz typisch: «Erhält der Hund zu wenig Aufmerksamkeit von seiner Bezugsperson, kann es sein, dass er störendes Verhalten zeigt.» Wie bellen oder hochspringen.

Trainieren, um ungestört telefonieren zu können

Es sei normal, dass es Situationen gibt, in denen der Halter unaufmerksam ist. Brinkhaus: «Das ist einfach so.» Wichtig sei aber, gezielt auf diese Momente hin zu trainieren. «Der Hund muss wissen, dass dieselben Regeln gelten, auch wenn das Frauchen gerade auf dem Smartphone rumtippt oder telefoniert», sagt die Hundetrainerin.

Für Medienpädagogin Eveline Hipeli liegt die Lösung im Umgang mit dem Smartphone: «Gerade wenn man mit seinem Hund rausgeht, sollte es dem Besitzer bewusst sein, dass dies ‹Qualitätszeit› ist. Da sollte man sich möglichst auf sein Haustier konzentrieren», sagt die Dozentin der Pädagogischen Hochschule Zürich. Das Handy müsse deshalb nicht zwingend zu Hause bleiben, «aber das Gerät bewusst in der Tasche zu lassen, tut gut» – Hund und Herrchen.

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