Nathan knows - «Ist HIV eine Erfindung der Pharmaindustrie?»
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Nathan knows«Ist HIV eine Erfindung der Pharmaindustrie?»

Lara* ist verzweifelt, weil ihr Bruder seine HIV-Medikamente abgesetzt hat. Er glaubt, dass HIV und Aids «Verschwörungen der Pharmaindustrie» sind. Stimmt das? Die Aids-Hilfe klärt auf.

von
Meret Steiger
Julia Ullrich
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Lara* macht sich Sorgen um ihren Bruder, weil dieser die HIV-Medikamente abgesetzt hat.

Lara* macht sich Sorgen um ihren Bruder, weil dieser die HIV-Medikamente abgesetzt hat.

(Symbolbild) / Pexels

Darum gehts

  • Laras* Bruder ist bereits seit einigen Jahren HIV-positiv.

  • Kürzlich hat er ihr erzählt, dass er seine HIV-Medikamente abgesetzt hat, weil er glaubt, dass HIV «eine Erfindung der Pharmaindustrie» sei.

  • Dadurch kann die Viruskonzentration in seinem Blut wieder ansteigen. Das ist nicht nur gefährlich, weil so Aids ausbrechen kann, sondern auch, weil er dadurch wieder ansteckend ist.

  • Nathan gibt Lara Tipps zum Umgang mit ihrem Bruder und seinem Therapieabbruch.

Lara* ruft bei uns an, ihre Stimme klingt verzweifelt. Es gehe um ihren Bruder, sagt sie. Er sei schon seit einigen Jahren HIV-positiv, habe aber immer seine HIV-Medikamente eingenommen und auch gut vertragen. Doch in letzter Zeit sei er gegenüber den Medikamenten zunehmend kritisch geworden. Kürzlich habe er ihr erzählt, dass er die Medikamente abgesetzt habe. Er habe viel im Internet recherchiert und herausgefunden, dass HIV eigentlich eine «Erfindung der Pharmaindustrie» sei. Die HIV-Medikamente würden seinen Körper vergiften.

Solche Verschwörungstheorien hören wir bei der Aids-Hilfe Schweiz immer wieder. Ich halte sie für sehr gefährlich, denn wenn Laras Bruder seine Medikamente längere Zeit nicht nimmt, wird er über kurz oder lang an Aids erkranken, was ohne Behandlung tödlich enden wird. Ohne Medikamente steigt zudem die Viruskonzentration in seinem Blut wieder an, sodass Laras Bruder andere anstecken kann. Sollte er sich am Ende dann doch dafür entscheiden, die Behandlung weiterzuführen, könnte das Virus zwischenzeitlich in seinem Körper sogar Resistenzen entwickelt haben, die Medikamente könnten also nicht mehr wirken.

«Argumentiere mit Fakten gegen einen Therapieabbruch»

Ich rate Lara daher dringend, mit Einfühlungsvermögen und mit Fakten auf ihren Bruder einzuwirken. Vielleicht ist ein Arztwechsel die Lösung, vielleicht stecken auch psychische Probleme oder Nebenwirkungen der Medikamente hinter dem Therapieabbruch. Letztere könnten mit einem Wechsel der Wirkstoffkombination vermieden werden. Wichtig ist, dass Lara ihrem Bruder zwar klar signalisiert, dass sie mit dem Therapieabbruch nicht einverstanden ist, aber trotzdem weiterhin zu ihm hält.

Aids wurde übrigens vor knapp 40 Jahren, am 5. Juni 1981, das erste Mal wissenschaftlich beschrieben, zwei Jahre später identifizierten die Virologin Françoise Barré-Sinoussi und der Virologe Luc Montagnier das HI-Virus als Auslöser. Für ihre Entdeckung erhielten die beiden Wissenschaftler*innen später den Medizin-Nobelpreis. Bis eine wirksame Medikamenten-Kombination gegen das Virus gefunden wurde, sollten noch einmal rund 15 Jahre vergehen. Von einer Erfindung der Krankheit durch die Pharmaindustrie kann keine Rede sein. Bis heute sind rund 32 Millionen Menschen weltweit an Aids gestorben.

*Name geändert.

Aids-Hilfe Schweiz

Nathan Schocher ist Programmleiter der Aids-Hilfe Schweiz.

Nathan Schocher ist Programmleiter der Aids-Hilfe Schweiz.

Marilyn Manser

Die Aids-Hilfe Schweiz berichtet hier regelmässig über Fälle aus ihrer Beratung. Nathan Schocher, Programmleiter der Aids-Hilfe Schweiz, fasst einmal pro Monat einen Fall anonym in einem Beitrag zusammen.
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