Präsident gefangen genommen - Militär in Guinea putscht gegen Regierung
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Präsident gefangen genommenMilitär in Guinea putscht gegen Regierung

Im westafrikanischen Guinea ist Langzeitpräsident Alpha Condé durch einen Militärputsch abgesetzt worden. Die Junta versucht nun, ihre Macht zu festigen. Die Opposition feiert.

von
Anja Ruoss
Bewaffnete Soldaten fahren nach der Machtübernahme durch die Hauptstadt Conakry. (5. September 2021)

Bewaffnete Soldaten fahren nach der Machtübernahme durch die Hauptstadt Conakry. (5. September 2021)

Foto: Cellou Binani (AFP)

Der Anführer der Putschisten im westafrikanischen Guinea hat die Einsetzung einer Regierung der nationalen Einheit angekündigt. Jegliche politische «Hexenjagd» solle vermieden werden, die neue Regierung solle einen politischen «Übergang» einleiten, sagte Oberstleutnant Mamady Doumbouya bei seinem ersten öffentlichen Auftritt am Montag in der Hauptstadt Conakry. Wirtschaftsverträge sollen demnach ihre Gültigkeit behalten.

Regierungsmitgliedern ist es am Montag untersagt worden, das Land zu verlassen. Die Mitglieder des Kabinetts, die einen Tag nach der Absetzung von Präsident Alpha Condé zusammengerufen wurden, sollten ihre Reisepässe und Dienstfahrzeuge abgeben, sagte Doumbouya.

Am Sonntag hatten Teile des Militärs gegen die Regierung geputscht und Präsident Alpha Condé gefangen genommen. Es gab keine offiziellen Angaben über Todesopfer, auf Fotos waren jedoch Leichen in der Hauptstadt zu sehen.

Mit Blick auf die stark vom Bergbau abhängige Wirtschaft des Landes kündigte der Putschistenführer am Montag vor den Ministern der abgesetzten Regierung an, die «Aktivitäten im Land» würden «normal weitergehen». Guinea werde seine Bergbau-Abkommen einhalten. Guinea ist einer der weltweit grössten Lieferanten von Bauxit, einem Erz, das zur Herstellung von Aluminium verwendet wird. Das Land beliefert alle wichtigen Weltmärkte, mit China einer seiner grössten Abnehmer. Trotzdem zählt das Land zu den ärmsten der Welt.

Oppositionelle feiern auf den Strassen

Im Anschluss an die Sitzung fuhr Doumbouya in einem Militärkonvoy zum Zentralgefängnis Siruté in der Hauptstadt und veranlasste die Freilassung von vier Oppositionspolitikern, wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete. «Die anderen werden später befreit», sagte der Putschistenführer mit Blick auf Tausende von Oppositionsmitgliedern, die unter Präsident Condé verhaftet worden waren.

Hunderte von Anhängern der Opposition feierten den Sturz Condés in den Strassen der Hauptstadt. Menschen tanzten am Strassenrand, hielten Fäuste als Siegeszeichen in die Luft und lieferten sich Hupkonzerte, um ihre Freude und Hoffnung auf eine Neuanfang auszudrücken.

Hunderte Menschen feiern in Conakry den Sturz von Präsident Condé. (5. Septe,ber 2021)

Hunderte Menschen feiern in Conakry den Sturz von Präsident Condé. (5. Septe,ber 2021)

Foto: Cellou Binani (AFP)

In Conakry blieben am Montag zahlreiche Geschäfte geschlossen, in der Nacht war es weitgehend ruhig geblieben. Die oppositionelle Dachorganisation FNDC, die im vergangenen Jahr Proteste gegen eine von Condé durchgesetzte Verfassungsänderung für dessen dritte Amtszeit angeführt hatte, verkündete am Montag die Freilassung ihrer inhaftierten Mitglieder.

Präsident in der Gewalt der Putschisten

Der Aufenthaltsort des abgesetzten Präsidenten blieb am Montag unklar. Nach Angaben von Militärquellen soll sich Condé unter Hausarrest in einem Hotel in Conakry befinden.

In einem Video vom Sonntag war Präsident Condé in der Gewalt der Putschisten zu sehen. Das Staatsoberhaupt – in Jeans und Hemd auf einem Sofa sitzend – weigert sich darin auf die Frage der Putschisten zu antworten, ob er misshandelt worden sei.

UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte «jegliche Übernahme der Regierung durch Waffengewalt» und forderte die sofortige Freilassung des Präsidenten. Die Afrikanische Union und die Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten (Ecowas) schlossen sich den Forderungen an. Auch Frankreich und der EU-Aussenbeauftragte Josep Borrell verurteilten den Putsch.

Das Militär veröffentlichte am Sonntag Aufnahmen, auf denen Präsident Condé in der Gewalt der Putschisten zu sehen ist. (5. September 2021)

Das Militär veröffentlichte am Sonntag Aufnahmen, auf denen Präsident Condé in der Gewalt der Putschisten zu sehen ist. (5. September 2021)

Foto: Keystone

Condé war 2010 bei der ersten freien demokratischen Wahl seit Guineas Unabhängigkeit 1958 an die Macht gekommen. Ihm werden Reformen in der Wirtschaft und im Militär zugeschrieben, ausserdem sorgte er nach politisch turbulenten Jahrzehnten für mehr Stabilität. Kritiker sehen Condé indes als zunehmend autoritären Herrscher, dessen Amtszeit von Menschenrechtsverletzungen geprägt war.

Vergangenes Jahr sicherte er sich nach einer umstrittenen Verfassungsänderung eine dritte Amtszeit. Der Abstimmung waren monatelange politische Spannungen und gewalttätige und brutal unterdrückte Proteste vorausgegangen, bei denen Dutzende starben.

Politische Stabilität auf den Kopf gestellt

Der Putsch habe ein Jahrzehnt politischer Stabilität auf den Kopf gestellt und sei zweifellos von den Umstürzen im Mai 2021 und August 2020 im benachbarten Mali inspiriert, sagte Eric Humphery-Smith, Afrikaexperte der Sicherheitsberatungsfirma Verisk Maplecroft. Für den globalen Bauxitmarkt sagte Humphery-Smith «eine erhebliche Versorgungsunterbrechung» für die nächsten Tage, wenn nicht sogar Wochen voraus.

In Afrika kommt es häufig zu Regierungswechseln durch Militärputsche. In Mali, in dem die Bundeswehr als Teil einer UN Friedensmission im Einsatz ist, entmachtete das Militär Präsident Ibrahim Boubacar Keita im August 2020. Neun Monate später zwangen die Putschisten auch den Interimspräsidenten zum Rücktritt. 2019 wurde Autokrat Omar al-Bashir im Sudan vom Militär abgesetzt. Das gleiche Schicksal ereilte Präsident Robert Mugabe 2017 in Simbabwe sowie Präsident François Bozizé 2013 in der Zentralafrikanischen Republik.

(AFP, SDA)

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