28.03.2020 12:47

Kritik nach Ansteckung

«Ist Johnson fähig zur Selbstdisziplin?»

Gleich drei wichtige Mitglieder der britischen Regierung haben sich mit dem Coronavirus angesteckt, allen voran Premier Boris Johnson. Jetzt hagelt es Kritik.

von
gux
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Der britische Premier Boris Johnson ist am Corona-Virus erkrankt und wurde auf die Intensivstation verlegt. (6. April 2020)

Der britische Premier Boris Johnson ist am Corona-Virus erkrankt und wurde auf die Intensivstation verlegt. (6. April 2020)

ian Vogler
Johnson vor seinem Regierungssitz, der Downing Street No. 10:

Johnson vor seinem Regierungssitz, der Downing Street No. 10:

Pippa Fowles / Downing Street ha
«Es handelt sich um einen vorsorglichen Schritt», heisst es in einem Bericht zur Hospitalisierung von Boris Johnson. (3. April 2020)

«Es handelt sich um einen vorsorglichen Schritt», heisst es in einem Bericht zur Hospitalisierung von Boris Johnson. (3. April 2020)

Keystone/AP/Twitter/Boris Johnson

Gestern verkündete der britische Premier Boris Johnson, dass er am Coronavirus erkrankt sei und milde Symptome aufweise. Wenig später wurde bekannt, dass auch der britische Gesundheitsminister Matt Hancock positiv getestet wurde – ebenso wie Professor Chris Whitty, der oberste medizinische Berater der Regierung.

Jetzt, wo Johnson sich angesteckt hat, erscheint es in wenig gutem Licht, dass Johnson das Social Distancing zu Mitarbeitern und Politikern nicht konsequent einhielt und weiterhin auch im Parlament erschienen war, wo er möglicherweise eine Reihe von Parlamentarier angesteckt haben könnte.

«Die Führer in dieser Krise sitzen nun zuhause»

Noch immer nehme der Premier die Krise auf die leichte Schulter, kritisieren Gesundheitsexperten, die die gestrigen Mitteilung des Premiers im Twitter-Video als «nonchalant» bezeichneten. «Die drei Männer, die das Land in der Corona-Krise anführen, tun dies nun von zuhause aus, während die Fallzahlen in die Höhe klettern», wie der «Guardian» schreibt.

Jetzt wurden Forderungen laut, wonach die Personen, die Kontakt mit den drei Männer hatten, getestet werden sollen. Eine Sprecherin Johnsons sagte daraufhin: «Downing Street 10 ist ein Arbeitsort. Wir raten den Mitarbeitern und den Kollegen des Premiers, dass sie sich nicht in die Selbstisolation begeben müssen, es sei denn, sie weisen Krankheitssymptome auf. In dem Fall sollen sie sich an die Anweisungen der Gesundheitsbehörde halten.»

Politiker sollen selbst tun, was sie predigten

Es sei eigentlich wenig verwunderlich, dass sich Johnson und der Gesundheitsminister sich angesteckt hätten, sagt Professorin Susan Michie vom University College London: «Angesichts der Ansteckungsswege - dem Berühren von Touchscreens und dem Einatmen von virenverseuchten Atemwegströpfchen - sei klar, dass sie einem Risiko ausgesetzt waren.»

Sie doppelt nach: «Die Politiker und Staatschefs sollten selbst tun, was sie anderen predigen. Halten sie sich nicht selbst an die Anweisungen, die ihre Regierung herausgibt, machen sie sich unglaubwürdig. Und die Anweisungen sind klar: Geht nicht zur Arbeit, bleibt zuhause!».

«Man fragt sich: Sind sie fähig zu Selbstdisziplin?»

Das Premier Johnson noch diese Woche im Parlament erschienen war, sei «absolut unnötig» gewesen. Es bestärke einem in der Vermutung, dass die Regierung die Lockdown-Massnahmen von Anfang Woche zu zögerlich ergriffen habe. «Man fragt sich: Sind die Regierungsverantwortlichen, inklusive Boris Johnson, fähig zu Selbstdisziplin? Sie hätten alle vorsichtiger sein müssen!», so Michie.

Devi Sridhar von der Universität Edinburgh sieht es ähnlich: «Die Regierungschefs müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Es war nicht gut, dass Johnson öffentlich sagte, dass er auch nach Ausbruch des Virus umherging und den Leuten die Hände schüttelte.»

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