Geimpfter Granit Xhaka - «Ist man kein Vorbild, wenn man sich nicht impfen lässt?»

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Geimpfter Granit Xhaka«Ist man kein Vorbild, wenn man sich nicht impfen lässt?»

Captain Granit Xhaka ist nach mehreren Monaten Pause wieder bei der Nati. Im Interview spricht er über die WM-Ziele, sein 100. Länderspiel gegen den Kosovo und die Impfdebatte um seine Person.

von
Tobias Wedermann
Lucas Werder
(Marbella)
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Ein glücklicher Granit Xhaka stellte sich in Marbella am Donnerstag den Fragen der Journalisten.

Ein glücklicher Granit Xhaka stellte sich in Marbella am Donnerstag den Fragen der Journalisten.

Andy Mueller/freshfocus
Er freut sich auf sein 100. Länderspiel für die Schweiz: «Ich bin seit bald zwölf Jahren in der Nati und hätte damals nie damit gerechnet, dass ich mal 100 Länderspiele mache und gegen den Kosovo spielen werde.»

Er freut sich auf sein 100. Länderspiel für die Schweiz: «Ich bin seit bald zwölf Jahren in der Nati und hätte damals nie damit gerechnet, dass ich mal 100 Länderspiele mache und gegen den Kosovo spielen werde.»

Andy Mueller/freshfocus
Zudem spricht der Nati-Captain über die Impfdebatte um seine Person im vergangenen Jahr: «Die Reaktionen haben mich überrascht.»

Zudem spricht der Nati-Captain über die Impfdebatte um seine Person im vergangenen Jahr: «Die Reaktionen haben mich überrascht.»

Toto Marti/Blick/freshfocus

Darum gehts

  • Nati-Captain Granit Xhaka hat in Marbella Fragen von 20 Minuten beantwortet.  

  • Gegen den Kosovo feiert er sein 100. Länderspiel für die Schweiz.

  • Er bestätigt, dass er inzwischen geimpft ist. Von der Vorbilddiskussion hält er aber nichts.

  • Für die WM ruft er den Titel als Ziel aus.

Granit Xhaka, Sie sind nach einer Verletzung und Corona-Infektion erstmals seit September wieder bei der Nati. Hinzu kommt ein neuer Trainer. Sind Sie sofort wieder der Chef oder halten Sie sich zurück?

Auf keinen Fall, wofür auch? Ich bin der Captain der Nationalmannschaft. Das hat sich bis heute nicht geändert. Ich weiss um meine Stärken und den Einfluss, den ich im Team habe.

Erkennen Sie schon Unterschiede zwischen Vladimir Petkovic und Murat Yakin?

Ich habe noch heute ein sehr gutes Verhältnis zu Petkovic. Was er erreicht hat, verdient grössten Respekt. Yakin hat eine Super-Arbeit gemacht bisher, hat eine neue Philosophie. Das braucht aber Zeit.

Wie sehr ärgert es Sie, dass Sie die WM-Quali-Spiele verpasst haben?

Natürlich will man dabei sein, diese Spiele absolvieren. In einer sehr wichtigen Phase war ich nicht hier. Aber die Jungs haben das sehr gut gemacht und die Quali gemeistert.

Wie haben Sie die Spiele verfolgt?

Am Fernseher. Ich war stets sehr positiv, teilweise auch aufgeregt. Ich musste aber gelegentlich den Ton ausschalten. 

Sie haben Yakins Start wegen einer Corona-Infektion verpasst. Sie waren nicht geimpft und dies schlug sehr hohe Wellen. Wie empfanden Sie dies?

Jeder muss selber wissen, ob er sich impfen lässt oder nicht. Ich bin hier, um Fussball zu spielen und nicht über die Impfung zu reden. 

Sehr viele Personen äusserten sich dennoch zu Ihrem Impfstatus – appellierten an Ihre Vorbildfunktion.

Die Reaktionen haben mich überrascht. Es ist ja auch nicht das erste Mal, dass so viel geredet und geschrieben worden ist. Ich kann aber Gott sei Dank damit umgehen. 

Aber müssen Fussballer denn auch Vorbilder sein in solchen Fragen?

Es gibt auch andere Sportlerinnen und Sportler, die nicht geimpft sind. Darüber spricht aber niemand. Ich probiere auf jeden Fall, ein Vorbild zu sein. Aber ist man kein Vorbild, wenn man sich nicht impfen lässt? Ich sehe das nicht so.

Sind Sie denn nun geimpft?

Ja, ich bin geimpft, damit ihr nichts mehr zum Schreiben habt (lacht). 

Sie machen gegen England Ihr 99. Länderspiel für die Schweiz.

Mein erstes Nati-Spiel war schon gegen England. Als die Hymne lief, bin ich fast zusammengebrochen. Ich war nie mehr so nervös vor einem Spiel. Ich erinnere mich sehr gut.

Und gegen den Kosovo wird es Nummer 100. Ein doppelt spezielles Spiel, mit Ihren familiären Wurzeln im Kosovo?

Ich bin seit bald zwölf Jahren in der Nati und hätte damals nie damit gerechnet, dass ich mal 100 Länderspiele mache und gegen den Kosovo spielen werde. Es ist viel Positives passiert. Ein Grossteil meiner Familie lebt dort. Ich freue mich sehr, ich möchte es geniessen und gewinnen.

Hatten Sie viele Ticketanfragen? 

Mein engstes Umfeld wird im Stadion sein. Ich habe nicht jeden eingeladen, sonst muss ich das ganze Stadion mieten. Vielleicht wird es ja gar ein Auswärtsspiel. Viele Kosovo-Albanerinnen und -Albaner werden im Stadion sein. 

Wie viele Spiele werden es noch für die Schweiz?

100 ist schon eine Zahl, die mich sehr stolz macht. Die erreicht man nicht einfach von heute auf morgen. Den Länderspielrekord von 118 knacke ich auf jeden Fall.

Was ist Ihr Ziel für die WM in Katar?

Der WM-Titel.

Das sind aber grosse Ziele. 

Es wäre ja falsch, wenn ich Achtelfinal sagen würde. Das ist für mich doch kein Ziel. Wir möchten den nächsten Schritt machen, so lange wie möglich im Turnier dabei sein. Mein Ziel ist es immer zu gewinnen.

Dieses Interview wurde während einer Medienrunde im Trainingslager in Marbella aufgezeichnet.  

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