Schönheitsdoping: Ist nur noch perfekt gut genug?

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SchönheitsdopingIst nur noch perfekt gut genug?

Längst wird die Schönheit vom Skalpell diktiert, unsere Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit mit Hilfe von Medikamenten gepusht. Die damit verbundenen Risiken werden aber selten mit einkalkuliert.

Eine 35-jährige Frau ist nach der Geburt ihrer Kinder unzufrieden mit ihrer Figur. Sie entschliesst sich zu einer Schönheitsoperation, um wieder perfekt auszusehen. Der Eingriff misslingt, ihr Selbstbewusstsein ist zerstört. Sie fühlt sich als Opfer eines Optimierungswahns, dessen Schattenseiten ihr erst jetzt bewusst geworden sind. «Ohne sich körperlich und geistig zu optimieren, kann der Mensch den Konkurrenzkampf in einer globalisierten Welt nicht bestehen», behauptet der prominente amerikanische Psychiater Peter Kramer. Einige deutsche Philosophen denken ähnlich: Um Defizite auszugleichen, sind Schönheitsoperationen, Anti-Aging, Viagra und medikamentöse Stimmungsaufheller erlaubt. Jeder habe das Recht auf mehr Glück und Lebensqualität. Deshalb dürfe er alles tun, um sich körperlich und geistig kreativ zu entwickeln.

Die Vergabe von Medikamenten an hyperaktive Schulkinder oder solche mit einem sogenannten Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ist längst alltäglich. Aber wann ist die Verschreibung sinnvoll, und wann geben Eltern ihrem gesunden Kind das Medikament nur deshalb, damit es dem Leistungsdruck der Schule besser gewachsen ist? Die Grenze zwischen Therapie und dem sogenannten «Enhancement», der Optimierung, ist fliessend.

Was geschieht mit der Identität des Menschen, wenn er sich freiwillig optimieren lässt? Welche Gefahren drohen, wenn das medizinisch Machbare zur gesellschaftlichen Norm wird? Kritiker befürchten, dass das Individuum daran gehindert wird, sich mit seinem Schicksal, mit Alter, Krankheit und Tod auseinanderzusetzen. Auch soziale Verwerfungen sind absehbar, wenn ärmere Bevölkerungskreise sich die Optimierung nicht leisten können und damit «naturbelassen» zu Menschen zweiter Klasse werden.

In dem Film «Die Perfektionierung des Menschen» (siehe TV-Tipp) machen Betroffene, Ärzte, Ethiker und Theologen anhand von konkreten Beispielen die ethische Dimension der Perfektionierung des Menschen deutlich.

TV-Tipp:

«Die Perfektionierung des Menschen», heute (Montag, 7. Juni 2010) um 23:10 Uhr auf 3sat.

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