Details zurückgehalten: Ist Russland mitschuldig am Boston-Attentat?
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Details zurückgehaltenIst Russland mitschuldig am Boston-Attentat?

Ein Mitschnitt eines Telefonats eines Attentäters über den Dschihad fand erst nach dem Anschlag auf den Boston-Marathon den Weg zum FBI. Der russische Geheimdienst hielt es zurück.

von
pwe

Neue Details aus einem Bericht belasten Russland und dessen Rolle beim Attentat am Boston-Marathon vor knapp einem Jahr. Nach diesem hätte Russland Informationen über einen der beiden Attentäter, Tamerlan Zarnajew, zurückgehalten und damit verhindert, dass dieser vom FBI genauer unter die Lupe genommen wurde. Dies berichtet die «New York Times». Der Bericht untersucht im Wesentlichen, wie die Nachrichtendienste und Sicherheitsbehörden den Anschlag hätten verhindern können.

Tatsächlich hatte das FBI Tamerlan Zarnajew schon länger auf dem Radar und folgte seinen Spuren auch in seine Heimat Dagestan. Allerdings fand man kaum Hinweise auf eine Verbindung mit radikalen Terrorgruppen. Auch heute wird vermutet, Tamerlan und sein sein Bruder Dschochar arbeiteten auf eigene Faust. Den FBI-Agenten wurde wegen der Ermangelung von Hinweisen auf eine direkte Bedrohung nicht erlaubt, vertiefende Überwachungsmethoden wie Telefonüberwachung zu nutzen.

Hätte das Komplott verhindert werden können?

Damals glaubten die Behörden, Tamerlan sei für Russland die grössere Bedrohung. Doch tatsächlich fing der russische Geheimdienst FSB vor der Tat ein Gespräch zwischen Tamerlan und seiner Mutter ab, in dem diese über den Dschihad sprachen. Diese Information teilten die Russen erst nach den Anschlägen mit den Amerikanern.

«Hätten sie (FBI) gewusst, was die Russen wussten, hätten sie wahrscheinlich mehr Freiheiten unter den Nachrichtendienst-Richtlinien gehabt», zitiert die «New York Times» einen hohen Beamten. Dieser fügt allerdings relativierend an: «Aber hätten sie das Komplott aufgedeckt? Das ist sehr schwer zu sagen.»

Marathon findet dieses Jahr wieder statt

Ein Grossaufgebot der Polizei und strikte Kontrollen soll den 36'000 Läufern und Zehntausenden Besuchern in diesem Jahr die Gewissheit verschaffen, dass sich ein solches Blutbad nicht wiederholt.

Die Veranstalter lassen zudem 9000 mehr Menschen als üblich auf die Strecke, die ihren Lauf vergangenes Jahr vorzeitig abbrechen mussten. «Das war eine der ersten Entscheidungen, die wir getroffen haben», sagt Marc Davis vom Veranstalter Boston Athletic Association (BAA).

BAA-Geschäftsführer Tom Grilk weiss, dass dieses Jahr ein besonderes wird für den Langstreckenklassiker. «Dieses Rennen wird seine eigene Position in der Geschichte haben», sagt er dem «Boston Herald» - mit keinem vergleichbaren Lauf davor und danach.

Präsident Barack Obama hatte schon nach der Katastrophe versichert: «Am dritten Montag im April wird die Welt in diese grossartige amerikanische Stadt zurückkehren, um härter zu laufen als jemals, und um lauter zu jubeln, für den 118. Boston Marathon.» (SDA)

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