Ohne Zusatzstoffe: Ist Schweizer Käse tatsächlich besser?
Aktualisiert

Ohne ZusatzstoffeIst Schweizer Käse tatsächlich besser?

Ausländischer Käse enthält oft künstliche Zusatzstoffe. Schweizer Käser verzichten freiwillig darauf – um qualitativ herauszustechen.

von
V. Blank
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Die gewerblichen Käseproduzenten aus der Schweiz haben sich dazu verpflichtet, keine antibiotisch wirkenden Konservierungsmittel zu verwenden.

Die gewerblichen Käseproduzenten aus der Schweiz haben sich dazu verpflichtet, keine antibiotisch wirkenden Konservierungsmittel zu verwenden.

Switzerland Cheese Marketing
Häufig aus der Schweiz exportiert werden beispielsweise Emmentaler ...

Häufig aus der Schweiz exportiert werden beispielsweise Emmentaler ...

Keystone/Peter Klaunzer
... oder Appenzeller.

... oder Appenzeller.

Keystone/Gaetan Bally

Wer denkt, der Käse im Supermarktregal enthalte nur Milch und vielleicht etwas Salz, der irrt. Künstliche Zusatzstoffe sind bei importierten Produkten häufig. Tester des Kantonalen Labors Zürich entdeckten etwa das Anti-Pilz-Mittel Natamycin: Bei 52 Käseproben aus Italien, Spanien und Portugal war es auf der Rinde von 21 Produkten nachweisbar, heisst es im Jahresbericht 2015. Ähnlich oft fanden die Tester die Konservierungsmittel Sorbinsäure und Lysozym.

Die gewerblichen Käseproduzenten aus der Schweiz hingegen verzichten freiwillig auf den Einsatz von Zusatzstoffen. Durch einen Branchenkodex haben sie sich dazu verpflichtet, keine antibiotisch wirkenden Konservierungsmittel oder künstlich hergestellte Farbstoffe zu verwenden. «Unser Käse ist zu 100 Prozent ein Naturprodukt», sagt Jacques Gygax, Direktor des Dachverbands der Schweizer Käsespezialisten Fromarte, zu 20 Minuten.

«Premium heisst: Ohne Zusatzstoffe»

Ist der einheimische Käse demnach besser als die Konkurrenz aus dem Ausland? Auf diesen Ast will sich Gygax nicht hinauswagen, sagt aber: «Der Verzicht auf Zusatzstoffe ist eines unserer Qualitätsargumente.» Die Schweizer Käser verfolgten eine Premium-Strategie, und da gehöre der Verzicht auf künstliche Zusatzstoffe dazu.

Auch David Escher, Chef von Switzerland Cheese Marketing, will sich nicht festnageln lassen und sagt lediglich: «Unser Käse punktet mit Pflege und Handwerk und braucht keine Chemikalien.» Ein Blick über die Grenze zeige, dass Zusatzstoffe noch zu oft in den Käse gelangen würden. Escher nennt Raclette als Beispiel – «in Frankreich und Deutschland wird empfohlen, die Rinde abzuschneiden, bei uns kann man sie bedenkenlos mitessen».

Das Qualitätsargument des einheimischen Käses scheint aber nicht bei allen Konsumenten zu ziehen. Gemäss dem neusten Marktbericht vom Bundesamt für Landwirtschaft ist zwischen Januar und April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 0,8 Prozent weniger Schweizer Käse verkauft worden. Beim ausländischen Käse stiegen die Verkaufsmengen hingegen um 3,7 Prozent.

Zusatzstoffe sparen Kosten

Zusatzstoffe wie Natamycin oder Lysozym sind in der Käseproduktion grundsätzlich erlaubt, schreibt der «Landwirtschaftliche Informationsdienst» – sowohl in der EU als auch in der Schweiz. Hersteller in der EU sprühen etwa Natamycin auf die Käserinde, um Schimmelpilze abzutöten. Sie sparen dadurch Kosten: Die Produktion ist weniger arbeitsintensiv, und der Käse verdirbt nicht so schnell. Die behandelte Rinde ist allerdings nicht essbar.

Obwohl nicht verboten, müssen bei den Zusatzstoffen gewisse Grenzwerte eingehalten werden – und sie müssen sauber deklariert sein. Genau in diesem Bereich hapert es beim importieren Käse oft: Bei den 52 Käseproben aus Italien, Spanien, Portugal, die das Kantonale Labor Zürich vergangenes Jahr erhoben hat, war in sieben Fällen die erlaubte Höchstmenge an Natamycin auf der Oberfläche überschritten worden. Bei acht Käsen fehlte die verlangte Angabe auf der Etikette.

Wie gefährlich ist Natamycin?

Über die gesundheitlichen Gefahren von Natamycin sind sich Experten uneinig. Im medizinischen Bereich wird das Mittel gegen Pilzerkrankungen verwendet. Doch wenn regelmässig Natamycin in den Körper gelangt, können Medikamente gegen solche Krankheiten wirkungslos werden. Kritiker vermuten auch, dass Natamycin die Darmflora durcheinanderbringt.

Für die europäische Lebensmittelaufsicht EFSA besteht hingegen kein gesundheitliches Risiko durch Natamycin. Sie empfiehlt aber, behandelte Käserinde zu entfernen.

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