Harsche Kritik: Ist Schweizer Schoggi unfair produziert?
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Harsche KritikIst Schweizer Schoggi unfair produziert?

Schweizer Schokoladenfirmen haben Mitschuld an der Ausbeutung von Kakaobauern. Das sagen die Globalisierungskritiker der EvB. Die Hersteller verweisen auf ihre Nachhaltigkeits-Engagements.

von
Valeska Blank
Die Schweizer Schokoladenhersteller könnten die Herkunft ihrer Kakaorohstoffe nicht zurückvefolgen, kritisiert die EvB.

Die Schweizer Schokoladenhersteller könnten die Herkunft ihrer Kakaorohstoffe nicht zurückvefolgen, kritisiert die EvB.

Der Kakao in der Schweizer Schoggi wird immer noch grösstenteils unfair produziert. Das ist das Fazit einer neuen Studie der Erklärung von Bern (EvB) über die Schweizer Schokoladeproduzenten. Die Nichtregierungsorganisation spricht von menschenrechtswidrigen Zuständen, unter denen die Kakaobauern arbeiten müssen. Ihr Ertrag sei so niedrig, dass die meisten von ihnen in absoluter Armut lebten.

Aufgrund der Resultate aus ihrer Befragung unter 19 Schweizer Schokoladenhersteller hat die EvB ein Ranking erstellt. Es zeigt, welche Firmen sich für eine gerechte Herstellung stark machen – und welche eher lax mit dem Thema umgehen. Oben auf der Rangliste steht der Kakaohändler Pronatec aus Winterthur. Als zweites verantwortungsvolles Unternehmen wird Chocolats Halba aufgeführt. Das Unternehmen produziert hauptsächlich für den Schweizer Detailhandel und ist Teil der Coop-Gruppe.

Weltweit tätige Grossunternehmen wie Nestlé, Lindt & Sprüngli, Barry Callebaut oder Kraft Foods schneiden dagegen schlechter ab. Die EvB führt sie in der Kategorie der «nachlässigen» Firmen auf. In dieser Sparte findet sich auch die Migros-Tochter Chocolat Frey. Ganz unten im Ranking sind unter anderen Camille Bloch – aus diesem Haus stammen etwa die Marken Ragusa oder Torino – und die Confiseur Läderach AG.

Grosses Machtgefälle

Laut der EvB ist eines der Hauptprobleme der Konzerne die fehlende Rückverfolgbarkeit der Kakaorohstoffe. «Wer die Herkunft der Ursprungsstoffe seiner Produkte nicht kennt, kann auch nicht gegen Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen bei deren Anbau und Weiterverarbeitung vorgehen», kritisiert Andrea Hüsser, die bei der EvB die Studie verfasst hat.

Ein weiterer Knackpunkt sei die Preispolitik beim Kakao, für die sich die Schokoladenfirmen noch zu wenig einsetzten. «Das Machtgefälle zwischen den Kleinbauern und den Grosskonzernen macht faire Preisverhandlungen praktisch unmöglich», so Hüsser.

Kopfschütteln bei Herstellern

Die Kritik der EvB stösst bei den Schokoladenfirmen auf Unverständnis. Lindt & Sprüngli und Camille Bloch verweisen auf Anfrage von 20 Minuten Online auf ihre Zusammenarbeit Source Trust. Das Projekt will die Situation der Bauernfamilien durch Ertragssteigerungen und nachhaltigen Anbau verbessern.

Nestlé verweist auf seinen «Cocoa Plan», der helfen soll, die Schwierigkeiten in den Kakao-Anbaugebieten anzugehen. Zudem arbeite Nestlé mit der Fair Labor Association zusammen, um die Kakaoversorgungskette zu durchleuchten. Chocolat Frey bezieht nach eigenen Angaben 70 Prozent Kakao, der durch das Nachhaltigkeits-Label UTZ zertifiziert wurde. Die Confiseur Läderach AG verweist auf ihre Mitgliedschaft bei der World Cocoa Foundation, die sich für eine nachhaltige Kakaowirtschaft engagiert.

Doch auch diese Engagements überzeugen die EvB nicht. An der Basis, bei den Kleinbauern, sei davon noch nichts angekommen, sagt Studienautorin Hüsser: «Kommuniziert wird viel, umgesetzt fast nichts.» Zudem hätten die Schokoladenhersteller nur reagiert, weil in Zukunft ein Mangel an Kakaobohnen drohe. «Hinter diesem vermeintlich ethischen Verhalten stehen knallharte wirtschaftliche Interessen», so Hüsser.

Die Wahrheit über Schweizer Schokolade, behauptet die EvB. Mit diesem Video-Clip wollen die Kritiker aufrütteln

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