Aktualisiert 21.11.2017 13:29

Eat this!Ist Sport auf leerem Magen wirklich ein Fett-Killer?

Nüchtern Trainieren sei ein Turbo-Schlankmacher, ist immer wieder zu lesen. Trainings-Weisheit oder -Unsinn? Jürg Hösli mit Antworten.

von
Jürg Hösli
Mythos oder Wahrheit: Fettverbrennung funktioniert nur auf nüchternen Magen.

Mythos oder Wahrheit: Fettverbrennung funktioniert nur auf nüchternen Magen.

Cecilie_arcurs

Wer Kohlenhydrate vor dem Training isst, der verbrennt kein Fett mehr. Diesen Satz hören wir immer wieder in Fitnessstudios und lesen ihn in einschlägigen Foren. Doch welchen Wahrheitsgehalt hat diese Aussage?

Betrachten wir nur die menschliche Zelle, können wir folgende Aussage machen: Wenn der Körper Insulin ausschüttet, stört dies die Fettverbrennung. Denn Insulin ist ein Speicherhormon, das immer dann ausgeschüttet wird, wenn der Körper verschiedene Kohlenhydratquellen wie Bier, Weissbrot, Kohlenhydratriegel bekommt.

Klar, also, dass wir keine Kohlenhydrate vor dem Training essen dürfen. Doch nun müssen wir ebenfalls festhalten, dass der Körper bei einer Aktivierung durch Sport kein Insulin braucht, um die ankommenden Kohlenhydrate in die Zelle zu tragen. Insulin wird durch die Aktivierungshormone geblockt. Dieses Argument ist also hinfällig.

Weniger Lust auf Süsses und Salziges

Aber es gibt noch ein weiteres wichtiges Argument gegen eine Einnahme von Kohlenhydraten vor und während dem Training. Wer mehr Kohlenhydrate zuführt, der verbrennt auch anteilsmässig mehr davon und wir wollen ja richtig viele Fette während einem Training verbrennen. Darum sind Kohlenhydrate ein absolutes No-Go! Stimmt aber auch nicht wirklich. Denn wir alle verbrennen während einem Ausdauertraining auch Kohlenhydrate, abhängig vom Fitnesszustand des Körpers. Übrigens: Je unfitter, desto mehr Kohlenhydrate.

Wenn wir diese nun während der Trainingszeit dem Körper zurückgeben, entwickeln wir später deutlich weniger Lust auf Süsses, Salziges oder Brot. Während dem Sport regenerieren wir die Kohlenhydratspeicher ohne Insulinausschüttung und können danach umso Kohlenhydrat-ärmer essen. Dies bedeutet nun auch, dass wir eine ganze Menge Insulin einsparen!

Profis trainieren nüchtern

Wenn wir während dem Sport Kohlenhydrate zuführen, regenerieren wir zudem schneller und ein regenerierter Körper verbrennt mehr Körperfett, weil mehr Sauerstoff transportiert wird. Genau genommen trainieren wir in der einen Stunde Ausdauertraining die Fettverbrennung. Wenn wir in dieser Zeit mehr Zucker zuführen, verbrennen wir dann weniger Fett, dafür in den restlichen 23 Stunden umso mehr.

Zum Schluss kommt jeweils immer das absolute Todschlag-Kriterium: Die Profis machen dies auch so! Ja, es gibt viele Profi Ausdauersportler, welche nüchtern trainieren. Sie wollen einen spannenden Effekt ausnützen. Wenn wir die Zelle während eines Trainings komplett von Kohlenhydraten leeren, vergrössern sich die Zellkraftwerke. Je grösser diese werden, desto mehr Sauerstoff kann in der Zelle umgesetzt werden und desto mehr Fett kann man verbrennen.

Besser schlafen dank Kohlenhydraten

Doch Profisportler bringen ganz andere Voraussetzungen mit. Sie haben perfekt trainierte Körper. Sie müssen nicht arbeiten gehen, der Stress im Alltag ist minimiert und die Regeneration optimiert. Denn wer nicht optimal regeneriert ist, bei dem erfolgt diese Anpassung weit weniger.

Was übrigens kaum je ein Profi-Ausdauersportler erzählt, dass viel ohne Schlafmittel kaum noch ins Bett kommen aufgrund der viel zu wenigen Kilokalorien, welche Sie über den Tag zuführen.

Darum gilt beim Otto-Normalverbraucher die klare Empfehlung: nehmen Sie Kohlenhydrate vor einem Training, dann werden Sie intensiver trainieren können.

Der Heisshunger und die Lust auf Süsses wird deutlich kleiner im Alltag. Die Schlafqualität steigt und Sie werden deutlich weniger dünnhäutig sein. Weil die Trainingsintensität höher ist, werden Sie zwar nicht im Training, aber im restlichen Tag auch mehr Fett verbrennen und abbauen.

Jürg Hösli ist Ernährungswissenschaftler, Querdenker und greift gerne kontroverse Themen aus Sport, Psychologie und Ernährung auf. Er ist seit 30 Jahren im Leistungssport, hat Weltmeister und Olympiasieger betreut. Er ist Begründer der Ernährungsdiagnostik und der Schule für Ernährungsdiagnostik Erpse in Winterthur. Hösli betreut hier vor allem übergewichtige Klienten und Menschen mit Reizdarm oder Erschöpfungszuständen. Für 20 Minuten schreibt er unter dem Namen Futterpapst Kolumnen.

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