Verhext riesig: Ist «The Witcher 3: Wild Hunt» zu viel des Guten?
Aktualisiert

Verhext riesigIst «The Witcher 3: Wild Hunt» zu viel des Guten?

Das Action-Adventure-Game «The Witcher 3: Wild Hunt» geizt nicht mit Spielfläche und Inhalt. Unser Game-Redaktor fragt: Kann ein Spiel auch zu gross sein?

von
Jan Graber
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«The Witcher 3: Wild Hunt» ist der dritte Teil des Action-Adventure-Spiels, das auf einer Fantasy-Roman-Reihe des polnischen Autors Andrzej Sapkowski beruht.

«The Witcher 3: Wild Hunt» ist der dritte Teil des Action-Adventure-Spiels, das auf einer Fantasy-Roman-Reihe des polnischen Autors Andrzej Sapkowski beruht.

Auf die Spieler warten unendliche Weiten, die voller Leben stecken. Die Spielfläche soll 30 Mal so gross wie diejenige des Vorgängers «The Witcher 2: Assassins of Kings» sein.

Auf die Spieler warten unendliche Weiten, die voller Leben stecken. Die Spielfläche soll 30 Mal so gross wie diejenige des Vorgängers «The Witcher 2: Assassins of Kings» sein.

Der Hexer Geralt von Riva sucht im Spiel nach seiner Schülerin Ciri. Wegen ihrer Hexer-Fähigkeiten ist ihr auch die dämonische Jagdgesellschaft «The Wild Hunt» auf den Fersen.

Der Hexer Geralt von Riva sucht im Spiel nach seiner Schülerin Ciri. Wegen ihrer Hexer-Fähigkeiten ist ihr auch die dämonische Jagdgesellschaft «The Wild Hunt» auf den Fersen.

Eigentlich liegt die Antwort auf der Hand: Wenn ich 70 Franken oder mehr für ein Game ausgebe, möchte ich logischerweise so viel Spielinhalt wie möglich dafür erhalten, nicht? Je mehr, desto besser, ein Spiel kann also gar nicht gross genug sein. Wirklich?

Ein Blick ins Game: Seit Minuten sitze ich in der Rolle des «Witcher»-Helden Geralt von Riva auf dem Rücken seines Pferds und reite durch atemberaubende Landschaften, bewaffnet mit zwei Schwertern, eines mit Stahlklinge für normale Gegner, ein Silbernes, das Dämonen den Garaus machen soll. Die untergehende Digital-Sonne taucht den wolkigen Himmel in kitschige Rosa- und Orange-Farben, Gräser wiegen im Wind, auf den Feldern arbeiten Bauern und ab und zu fliegen mir ihre Wortfetzen zu. Eine Minikarte zeigt mir, wo die nächste Mission zu erledigen ist. Der Weg ist weit, ich durchstreife einige Landstriche, das Licht ändert sich mit der Tageszeit.

Über hundert Stunden Inhalt

Ich geniesse es und frage mich aber gleichzeitig, ob der weite Weg zum Missionsziel wirklich nötig ist. Auch deshalb, weil es sich nur um eine der vielen Nebenmissionen handelt, die auf den Hexer warten. Ich hätte den Auftrag zwar ausschlagen können, doch es sind diese Nebenmissionen, die Geld, Erfahrung und bitter benötigte Fähigkeiten bringen. Ohne diese hat der Hexer gegen die wirklich üblen Gesellen des Games, die geisterhafte Jägergesellschaft «The Wild Hunt», keinen Stich. Der Spieler muss gezwungenermassen kleine Aufträge ausführen, um sich danach an die grossen Aufgaben zu wagen.

Rund 50 Stunden Nebenmissionen versprechen die Entwickler von CD Project RED. Zusammen mit den ebenfalls 50 Stunden der Hauptmission ergeben sich rund 100 Stunden Spielspass. Für Rollenspieler, wie wirklich tief eintauchen wollen, ein gefundenes Fressen: Unzählige ausführliche (und exzellente) Dialogsequenzen warten auf sie ebenso wie zahllose Missionen und Möglichkeiten, den Helden hochzuleveln. Geralt kann neu springen, klettern, mit der Armbrust schiessen und seinen Hexersinn einschalten. Entscheidungen im Spiel führen zu unterschiedlichen Erzählsträngen, die in 36 verschiedenen Enden münden. Von einer mehr als 30 Mal grösseren Spielwelt im Vergleich zum Vorgänger «The Witcher 2: Assassins of Kings» spricht das Entwicklerstudio CD Project Red. Die Welt soll 20 Prozent grösser als «Skyrim» sein.

Ein zu dickes Buch?

Eine grössere Welt ist aber nicht notwendigerweise eine bessere Welt, ebenso wenig wie ein dickeres Buch nicht unbedingt ein besseres Buch ist. In «The Witcher 3: Wild Hunt» stösst das Mehr-ist-besser-Prinzip an seine Grenzen. Das Game zwingt den Spieler zu Umwegen, die den Fortschritt verlangsamen: Nicht nur dazu, Nebenmissionen zu erledigen, auf die er vielleicht lieber zu Gunsten der Hauptstory verzichtet hätte, sondern auch zu Geduld.

Geralt von Riva verbessert seine Fähigkeiten nur mühselig, wertvolle Erfahrungspunkte fürs Hinzulernen von Magie und Zaubertränken sind rar. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis der Held seine erste Tränke brauen sowie Waffen und Rüstungsgegenstände herstellen kann und zu den wahren Herausforderungen bereit ist. Trotzdem: «The Witcher 3» gehört fraglos zu den besten Spielen des laufenden Jahres, es ist ein Game, das wegen seiner Ausführlichkeit seinesgleichen sucht. Doch ein bisschen weniger vom vielen Guten wäre leichter zu verdauen gewesen.

Gametrailer «The Witcher 3: Wild Hunt»

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