16.12.2017 05:52

Psychiater warnenIst Trump böse, verrückt oder beides?

27 Psychiater und Psychologen finden, US-Präsident Donald Trump müsse seines Amtes enthoben werden. Damit verstossen sie gegen eine jahrzehntealte Regel.

von
Rolf Maag
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27 amerikanische Psychiater und Psychologen attestieren Donald Trump so schwere Persönlichkeitsstörungen, dass sie seine Amtsenthebung fordern.

27 amerikanische Psychiater und Psychologen attestieren Donald Trump so schwere Persönlichkeitsstörungen, dass sie seine Amtsenthebung fordern.

AP/Jeff Roberson
Ihre Ansichten legen sie in dem kürzlich erschienenen Buch «The Dangerous Case of Donald Trump» dar.

Ihre Ansichten legen sie in dem kürzlich erschienenen Buch «The Dangerous Case of Donald Trump» dar.

Barry Goldwater verlor 1964 die Präsidentschaftswahl gegen Lyndon B. Johnson deutlich. Im Wahlkampf hatte er unter anderem die «Entlaubung» des vietnamesischen Dschungels mit Atombomben gefordert. Im Bild ist er bei einer Zeremonie in der Militärakademie Westpoint im Jahr 1987 zu sehen.

Barry Goldwater verlor 1964 die Präsidentschaftswahl gegen Lyndon B. Johnson deutlich. Im Wahlkampf hatte er unter anderem die «Entlaubung» des vietnamesischen Dschungels mit Atombomben gefordert. Im Bild ist er bei einer Zeremonie in der Militärakademie Westpoint im Jahr 1987 zu sehen.

Francis Specker

1964 war Barry Goldwater, ein ultrakonservativer Senator aus Arizona, der republikanische Kandidat für die US-Präsidentschaft. Während des Wahlkampfs sagte er beispielsweise, mit einer Atombombe lasse sich der vietnamesische Dschungel sehr gut «entlauben». Schulbildung hielt er in den meisten Fällen für entbehrlich.

Aufgrund solcher Aussagen veröffentlichte das Magazin «Fact» eine Umfrage unter 1189 Psychiatern, die mehrheitlich bestätigten, dass Goldwater psychisch ungeeignet für das Amt des Präsidenten sei. Goldwater klagte wegen Verleumdung und bekam recht: Der Herausgeber von «Fact», Ralph Ginzburg, musste ihm 75'000 Dollar Entschädigung zahlen. Dennoch verlor Goldwater die Wahl gegen den amtierenden Präsidenten Lyndon B. Johnson deutlich.

Goldwater-Regel erlassen

Die American Psychiatric Association (APA) reagierte 1973 auf diesen Vorfall, indem sie es für «unethisch» erklärte, wenn ein Psychiater einer Person des öffentlichen Lebens eine Diagnose stellt, ohne sie zuvor um Erlaubnis gefragt und untersucht zu haben. Diese als «Goldwater-Regel» bekannt gewordene Bestimmung ist bis heute in Kraft.

Kürzlich setzten sich 27 Psychiater und Psychologen darüber hinweg, als sie einen Sammelband mit dem Titel «The Dangerous Case of Donald Trump» veröffentlichten. Darin behaupten sie, dass der amtierende US-Präsident an verschiedenen Persönlichkeitsstörungen leide, obwohl sie ihn nie selbst untersucht haben.

Die Herausgeberin des Buchs, Bandy Lee von der Yale School of Medicine, rechtfertigt dieses Vorgehen damit, dass es geradezu die Pflicht der Psychiater sei, «Alarm zu schlagen, wenn jemand, der über unser aller Leben und Tod entscheiden kann, eindeutige Zeichen einer gefährlichen geistigen Beeinträchtigung zeigt».

Narzissmus

Die Autoren sind sich einig, dass Trump geradezu ein Musterbeispiel für Narzissmus ist und wahrscheinlich sogar an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet. Craig Malkin, ein Spezialist auf diesem Gebiet, warnt davor, dass solche Leute gefährlich werden können, wenn sie nicht die Wertschätzung erfahren, auf die sie ihrer Meinung nach einen Anspruch haben.

Sie neigen dann dazu, sich die Wirklichkeit zu ihren Gunsten zurechtzubiegen, sodass sie sich weiterhin als etwas Besonderes fühlen können. So scheint Trump bis heute wirklich zu glauben, an seiner Amtseinführung hätten mehr Leute teilgenommen als an derjenigen seines Vorgängers Barack Obama.

Psychopathische Züge

Noch schwereres Geschütz fährt der Psychologe John Gartner auf. In einem Beitrag mit dem Titel «Donald Trump ist: a) böse, b) verrückt, c) beides» attestiert er dem Präsidenten psychopathische Züge.

Psychopathen sind Menschen, die unter anderem ständig lügen und über keinerlei Einfühlungsvermögen verfügen. Tatsächlich lügt Trump nach einer Schätzung des Magazins «Politico» etwa alle drei Minuten. Seinen Mangel an Empathie brachte Roy Cohn, ein befreundeter Anwalt, den Trump sofort fallen liess, als er von dessen Aids-Diagnose erfuhr, drastisch auf den Punkt: «He pisses ice water.» Wörtlich übersetzt: «Er pisst Eiswasser.»

Amtsenthebung wäre möglich

Aufgrund dieser Einschätzungen sind die Autoren der Meinung, dass Trump seines Amtes enthoben werden sollte. Eine Möglichkeit dazu böte der 4. Artikel des 25. Zusatzes zur US-Verfassung. Danach kann der Vizepräsident mit einer Mehrheit der Minister die Amtsunfähigkeit des Präsidenten feststellen und sich an den Kongress wenden. Wenn sowohl der Senat als auch das Repräsentantenhaus den Befund innerhalb von 21 Tagen mit Zweidrittelmehrheit bestätigen, ist der Präsident abgesetzt.

Dass es dazu kommt, ist äusserst unwahrscheinlich, solange die Republikaner in beiden Häusern die Mehrheit haben. Im November 2018 werden allerdings das ganze Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu gewählt. Sollten die Demokraten dann die Mehrheit erringen, dürften die Chancen steigen. Vermutlich werden die Amerikaner aber bis 2020 mit diesem Präsidenten leben müssen.

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