Aktualisiert 30.04.2020 11:31

AUTO-RATGEBER

Ist Wasserstoff der Treibstoff der Zukunft?

Ein Leser interessiert sich für den Wasserstoffantrieb. Erste Modelle sind im Handel erhältlich, aber was ist mit den Tankstellen?

von
Markus Peter, AGVS
Hat die Brennstoffzelle in der Schweiz eine Chance?

Hat die Brennstoffzelle in der Schweiz eine Chance?

Foto: AGVS

Frage von Ernst ans AGVS-Expertenteam:

Ich habe unlängst gelesen, dass Wasserstoff der Treibstoff der Zukunft ist. Gleichzeitig fällt mir auf, dass es zwar einzelne Fahrzeuge, aber keine Tankstellen gibt. Will die Politik keine Wasserstoff-Autos und setzt darum einseitig auf Elektro?

Antwort des AGVS:

Lieber Peter

Über politische Fragen möchte ich mich nicht äussern. Seitens AGVS sind wir technologieoffen. Das heisst, wir sind der Ansicht, dass es einen ausgewogenen Mix der verschiedenen Energieträger und Antriebsformen braucht. Viel entscheidender als der «Motor» ist letztlich die Herkunft des Energieträgers. In Zukunft wird dieser regenerativ sein. Das heisst, es kann Ökostrom sein oder Biogas oder auch aus überschüssiger Windenergie erzeugter Wasserstoff oder synthetisches Methan.

Mit dem «Wasserstoffantrieb» können übrigens zwei Arten von Antriebskonzepten gemeint sein: einerseits ein «klassischer» Verbrennungsmotor, der den Wasserstoff direkt verbrennt. BMW hat dazu einige Prototypen gebaut, bisher aber kein Serienfahrzeug. Besser bekannt ist die Nutzung des Wasserstoffs via Brennstoffzelle. Sie wandelt Wasserstoff und Sauerstoff aus der Umgebungsluft in elektrische Energie um, die via Elektromotor die Räder antreibt.

Spannend ist der Wasserstoffantrieb vor allem für schwere Fahrzeuge wie Lastwagen oder Busse, die lange Distanzen zurücklegen. Gegenüber schweren Elektrofahrzeugen haben H2-Trucks den Vorteil einer kurzen Betankungszeit und einer grossen Reichweite. Ein weiterer Grund, weshalb die Brennstoffzelle eher bei schweren Fahrzeugen eingesetzt werden wird, sind die hohen Kosten der Technologie. Bei einem PW sind E-Fahrzeuge inzwischen deutlich günstiger geworden.

Deine Beobachtung betreffend Tankstellen ist korrekt. Aktuell gibt es in der Schweiz erst eine Handvoll H2-Tankstellen. Doch das Netz soll in den nächsten Jahren zügig ausgebaut werden. Treiber dieses Ausbaus sind der koreanische Hersteller Hyundai und der Förderverein H2-Energy. Im Fokus dieses Aufbaus einer geeigneten Infrastruktur stehen aber nicht Personenwagen, sondern Lastwagen. Hyundai und H2-Energy planen, in den nächsten fünf Jahren bis zu 1600 Trucks mit Brennstoffzellenantrieb in der Schweiz in Verkehr zu setzen.

Letztlich bleibt noch ein Hinweis auf die vermeintliche Achillesferse des H2-Antriebs: Die Technologie ist (noch) ziemlich teuer und an sich betrachtet, ineffizient, da Herstellung, Transport und Lagerung des Wasserstoffs energieintensiv sind. Abhilfe versprechen höhere Stückzahlen und die Weiterentwicklung der Brennstoffzellentechnik. Wichtig ist bei der Produktion von Wasserstoff die Verwendung von überschüssiger, also nicht direkt für die Elektromobilität oder andere elektrische Verbraucher nutzbarer Energie aus erneuerbaren Quellen. Ist das gewährleistet, ist die Brennstoffzelle punkto Klimabilanz auf Augenhöhe mit der Elektromobilität (sofern der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt) und mit Biogas.

Gute Fahrt!

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54 Kommentare

Bürger

30.05.2020, 08:16

Die Zukunft ist eine Technologie die einfach, leicht und bezahlbar ist : Der Verbrenner Motor mit synthetischen Kraftstoff

Housi

27.05.2020, 14:36

Erinnert sich noch Jemand an den Chemieunterricht? Wo steht der Wasserstoff im Periodensystem und was ist seine hervorstechenste Eigenschaft? Genau es ist das kleinste und leichteste Element das wir kennen und es ist äusserst reaktiv oder mit anderen Worten explosiv. Da es sehr klein ist, stellt es sehr hohe technische Anforderungen an die Abdichtung. Der Umstand, dass es im Tank unter hohem Druck steht, macht die Sache auch nicht gerade einfacher.

Rochus

21.05.2020, 12:39

Ich habe mich schon vor ca. 30 Jahren für Wassertstoffaktien interessiert. Heute tönen die Prognosen immer noch ähnlich, aber wenigstens fahren bereits einige Autos mit Wasserstoff.