Aktualisiert 03.07.2019 12:31

Doktor Sex«Ist wenig Sex ein Zeichen, dass es zu Ende geht?»

Es gibt einiges, das Michelle in ihrer Beziehung vermisst. Ihrem Freund scheint dies egal zu sein. Trotzdem schreckt sie vor einer Trennung noch zurück.

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Michelle (28) will die Welt entdecken, ihr Freund nicht. Überhaupt sind ihre Zukunftspläne und -wünsche verschieden, sie weiss nicht mehr weiter.

Michelle (28) will die Welt entdecken, ihr Freund nicht. Überhaupt sind ihre Zukunftspläne und -wünsche verschieden, sie weiss nicht mehr weiter.

iStock/Ryanjlane

Frage von Michelle (28) an Doktor Sex: Ich habe seit fünf Jahren einen Freund. Seit kurzem wohnen wir zusammen. Wir hatten immer wieder Hochs und Tiefs. Ich bin eine Frau, die gern und gut allein zurechtkommt und Spass daran hat, die Welt zu entdecken. Er ist ein Workaholic und glücklich, wenn er seine wenige Freizeit zu Hause verbringen kann.

Auf Reisen zu gehen, erlaubt er mir nicht mehr. Auch sonst ist mein Freund gegen alles, was ich tue, wenn er nicht selbst dabei sein kann. Seit Jahren hat er einen Zukunftsplan für uns. Diesen habe ich bisher mitgetragen, aber nun zweifle ich zunehmend daran, denn ich fühle mich eingesperrt. Er versteht das nicht.

Ich weiss nicht, ob ich mich trennen soll. Das Einzige, das mich noch hält, sind seine Fürsorglichkeit und Hilfsbereitschaft. In den letzten fünf Monaten hatten wir zweimal Sex. Ist das vielleicht auch ein Zeichen, dass es keinen Sinn mehr macht mit uns? Ich befürchte, keinen Partner mehr zu finden, der so lieb ist zu mir. Was soll ich tun?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Michelle

Der Mensch, der endlos liebt, mit einem durch dick und dünn geht aber trotzdem stets genügend Freiraum lässt für persönliche Projekte, der einem alle Wünsche von den Augen abliest, charakterlich perfekt ist und mit dem man bis ans Ende der Tage tollen Sex hat, existiert nicht.

Es macht daher auch keinen Sinn, einen zukünftigen Lieblingsmenschen anhand solcher Kriterien zu suchen. Genauso ist es sinnlos, in einer bestehenden Beziehung den Partner oder die Partnerin dauernd mit einem solchen Supermenschen zu vergleichen. Oder – wie du – zu bleiben, aus Angst, niemand werde einen je wieder so lieben wie der aktuelle Partner.

Eine Beziehung einzugehen, bedeutet zwar letztlich auch, Kompromisse machen zu müssen. Was du tust, hat damit aber nichts mehr zu tun. Du lässt dich von deiner Sorge leiten, letztlich allein und ungeliebt dazustehen. Oder anders: Du gibst dem bekannten Unglück den Vorzug vor dem unbekannten Glück.

Der Preis, den du für diese Bequemlichkeit zahlst, ist hoch. Indem du nämlich dem Rat folgst, den dir deine Angst gibt, opferst du deine Selbstbestimmung und deinen Entdeckergeist. Zudem lässt du deinen Freund im Glauben, du seist freiwillig und von Herzen in dieser Beziehung.

Ich denke, es ist an der Zeit, mit deinem Freund Klartext zu reden, denn was er dir als Beziehungsmodell anbietet, hat nicht wirklich mit dem zu tun, was du leben möchtest. Auch wenn du ihn damit wahrscheinlich erschrecken wirst, habt ihr danach eine Basis, um Neuverhandlungen aufzunehmen oder die Beziehung zu beenden. Alles Gute!

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