Saïda Keller-Messahli: «Istanbul ist der passende Ort für diese Konferenz»
Aktualisiert

Saïda Keller-Messahli«Istanbul ist der passende Ort für diese Konferenz»

Der Islamische Zentralrat führt seine grosse Konferenz nun nicht in der Schweiz, sondern in der Türkei durch. Das sei gut so, findet die Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam.

von
lüs
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Nicolas Blancho, Päsident des IZRS, will am 6. und 7. Mai eine der grössten Islamkonferenzen im deutschsprachigen Raum durchführen. Nach Absagen gab er am Freitag, 28. April, an einer Medienkonferenz in Zürich den neuen Standort bekannt.

Nicolas Blancho, Päsident des IZRS, will am 6. und 7. Mai eine der grössten Islamkonferenzen im deutschsprachigen Raum durchführen. Nach Absagen gab er am Freitag, 28. April, an einer Medienkonferenz in Zürich den neuen Standort bekannt.

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Ursprünglich sollte diese im World Trade Center in Zürich-Oerlikon stattfinden. Die Besitzer der Immobilie, die Pensionskasse BVK, pfiff den IZRS aber zurück und untersagte den Anlass.

Ursprünglich sollte diese im World Trade Center in Zürich-Oerlikon stattfinden. Die Besitzer der Immobilie, die Pensionskasse BVK, pfiff den IZRS aber zurück und untersagte den Anlass.

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Doch damit nicht genug mit Absagen: Am Donnerstag teilte der IZRS mit, dass er am Freitag im 4-Stern-Hotel St. Gotthard an der Bahnhofstrasse in Zürich eine Pressekonferenz durchführen werde, um den neuen Standort der Islam-Konferenz zu kommunizieren. Die Direktion des Hotels machte dem IZRS aber einen Strich durch die Rechnung und untersagte die Pressekonferenz.

Doch damit nicht genug mit Absagen: Am Donnerstag teilte der IZRS mit, dass er am Freitag im 4-Stern-Hotel St. Gotthard an der Bahnhofstrasse in Zürich eine Pressekonferenz durchführen werde, um den neuen Standort der Islam-Konferenz zu kommunizieren. Die Direktion des Hotels machte dem IZRS aber einen Strich durch die Rechnung und untersagte die Pressekonferenz.

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Frau Keller-Messahli, der IZRS führt seine Islam-Konferenz nun in Istanbul durch. Was sagen Sie dazu?

Das ist eine sehr gute Nachricht. Eine solche Konferenz passt viel besser zur islamistischen türkischen Politik als zur Schweiz. Das ist der richtige Ort.

Warum gehört eine solche Konferenz nicht nach Zürich?

Wir haben in der Schweiz schon genug Probleme mit dem Salafismus. Der IZRS ist nur die Spitze des Eisbergs, in den Schweizer Moscheen gibt es viele Imame, die Ähnliches vertreten. Da braucht es nicht noch einen grossen Anlass in unserem Land, der zusätzlich Öl ins Feuer giesst und wie ein Brandbeschleuniger wirkt.

Wie erklären Sie es, dass der IZRS sich für Istanbul als Veranstaltungsort entschieden hat?

Das ist ein logische Wahl. Die türkische Regierung steht dem Salafismus positiv gegenüber. Beispiele aus Deutschland zeigen etwa, wie eng die Beziehungen und Verflechtungen der radikalen Islamisten mit der Union Europäisch-Türkischer Demokraten sind sowie mit der Diyanet, die der türkischen Regierung unterstellt ist. Wie die meisten Salafisten sind auch die Leute vom IZRS Erdogan-freundlich. Ich gehe davon aus, dass die Konferenz in Istanbul mit dem Segen der türkischen Behörden stattfindet.

Der IZRS bemängelt, in der Schweiz werde ihm das Recht auf Versammlungs- und Meinungsäusserungsfreiheit verwehrt.

Auch die Meinungsäusserungsfreiheit hat Grenzen. Wer – wie der IZRS – letztlich die Scharia einführen will, arbeitet gegen die demokratische Gesellschaft. Der IZRS kann sich nicht ständig auf die Werte der Demokratie berufen, solange er gegen diese demokratische Gesellschaft agiert. Ich begrüsse deshalb die Zivilcourage jener, die den IZRS stoppen, indem sie ihm keine Räumlichkeiten vermieten.

Saïda Keller-Messahli ist Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam.

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