VBS-Job: IT-Berater verdiente mehr als Bundesrat
Publiziert

VBS-JobIT-Berater verdiente mehr als Bundesrat

Ein IT-Berater im VBS verdient während rund zehn Jahren eine halbe Million pro Jahr - ohne dass sein Job je ausgeschrieben wurde. Armeechef Blattmann war informiert.

von
ann
Angehörige der Schweizer Armee planen eine Übung auf dem Computer.

Angehörige der Schweizer Armee planen eine Übung auf dem Computer.

Trotz bundesrätlicher Direktive mauschelten Kaderleute der ­Armee bei der Vergabe eines ­Beratermandats. So verdiente ein einfacher Berater des VBS mehr als der Armeechef oder VBS-Chef Ueli Maurer. Der Berater sollte aus einer speziellen Reserve bezahlt, sein Vertrag unter den Vereinbarungen für ein Grossprojekt versteckt werden, so die «Sonntagszeitung». So erhielt er auch nach 2010 über 400'000 Franken. Die Verantwortung trägt Armeechef André Blattmann. Er war über die fragwürdigen Vorgänge unterrichtet und schritt nicht ein.

Der Informatikspezialist arbeitete seit Ende der 90er-Jahre beim VBS. 2004 gründete er eine Einmannfirma und erhielt über Jahre lukrative Jobs. Zu einem Tagesansatz von nicht weniger als 1800 Franken war er an drei bis vier Tagen pro Woche in der IT tätig. Er soll der «Hausberater» von Werner Bläuenstein, dem damaligen Logistikchef der Schweizer Armee. Kennen sollen sich die beiden vom bundeseigenen Rüstungskonzern Ruag. Bläuensteins Aufgabe war es damals, die Armee gesundzuschrumpfen. Zeughäuser wurden geschlossen und Tausende Stellen gestrichen. Als es den Truppen plötzlich an allem mangelte, und die Restrukturierung aus dem Ruder zu laufen drohte, musste der Logistikchef Ende Mai 2008 den Hut nehmen.

Mandat wurde in Grossprojekt versteckt

Dennoch arbeitete der Spezialist weiterhin für das VBS und verdiente jährlich gegen eine halbe Million Franken. Als Ueli Maurer die Vergaben genauer kontrollierte, brach bei den Kaderleuten der Armee Hektik aus. Sie suchten nach einem gangbaren Weg und waren offenbar entgegen den Direktiven von Bundesrat Maurer fest entschlossen, dieses Mandat weiterhin ohne Ausschreibung direkt an den Berater zu vergeben.

Diesmal wurde sein Vertrag über 406'000 Franken aber im IT-Grossprojekt einer grossen Beraterfirma untergebracht. Der Rahmenvertrag dafür wurde zwar ordentlich ausgeschrieben. Inhaltlich hatte der Vertrag des Beraters aber nichts mit diesem Projekt zu tun. «Es gab zwar Schnittstellen, aber es waren unterschiedliche Projekte», so eine VBS-interne Quelle.

Nationalrat Noser kritisiert «illegale freihändige Vergaben»

Der Fall zeigt, dass es im Beschaffungswesen des Bundes seit dem Schlamassel von 2010 nicht besser geworden ist. Es geht um viel Geld: Der Bund gibt für IT-Projekte und Beratungen 1,5 Milliarden Franken pro Jahr aus.

FDP-Nationalrat Ruedi Noser sagt: «Heute arbeitet man mit grossen Rahmenverträgen, die extrem viel Spielraum dafür lassen, was darunter läuft». Das öffne illegalen freihändigen Vergaben Tür und Tor. «Dass der Bundesrat dies zulässt, ist gefährlich. Das Parlament will, dass die Regierung jetzt für Ordnung sorgt», sagt Noser.

Deine Meinung