Korruptions-Skandal: IT-Firma gab Seco als Vorzeigekunden an

Aktualisiert

Korruptions-SkandalIT-Firma gab Seco als Vorzeigekunden an

Die in die Korruptionsaffäre verstrickte IT-Firma hat mit dem Seco als Musterkunden um weitere Aufträge gebuhlt. Angeblich überlegt sich die Firma, ihre Ex-Führung anzuzeigen.

von
S. Spaeth

Sie hatten während Jahren miteinander Geschäfte gemacht: Der mittlerweile freigestellte Ressortleiter F.* vom Staatsekretariat für Wirtschaft Seco und der ehemalige Geschäftsführer E.* von der IT-Firma Fritz & Macziol Schweiz. Schmiermittel für die teilweise überteuerten Deals waren teure Geschenke, VIP-Reisen und Tickets für Fussballspiele.

Im Gegenzug hat Fritz & Macziol das Seco als Vorzeigekunden für ihre Lösungen für Grossrechner präsentiert. An einer Werbeveranstaltung für potenzielle Neukunden im Rechenzentrum der Arbeitslosenversicherung in Bern referierten auch Seco-Mann F. und sein Stellvertreter. Es versteht sich von selbst, dass F. die XiV-Storage-Lösung von IBM – ein System für die zentrale Speicherung von Daten gelobt hat. Beim damals präsentierten System habe es sich aber um eine Leistung gehandelt, die der Bund in diesem Umfang nicht gebraucht hätte, sagt ein Insider.

Das Seco als Abnehmer zu präsentieren, wirkt auf andere Firmen äusserst vertrauenswürdig. «IT-Einkäufer stützen sich bei teuren Projekten sehr stark auf Referenzkunden ab», sagt ein Mann aus der Branche. Heute setzen neben dem Seco jedenfalls auch der Flughafen Zürich, Kleideranbieter Tally Weijl auf das XiV-Storage-System von IBM: Wie eng die Verbindung zwischen Fritz & Macziol und dem Seco war, zeigt auch ein gemeinsames Sponsoring für einen Event der IBM-Benutzervereinigung Common Switzerland vom Januar 2011.

Ruf der Firma retten?

Für die in die Klüngelei verwickelte Fritz & Macziol (Schweiz) wird die Lage immer ungemütlicher. Sie hat mittlerweile ihre Kunden in einem E-Mail über die mögliche Verstrickung in die Affäre informiert. Zudem überlegt man sich laut Insidern eine Strafanzeige gegen Firmengründer R. und Ex-Geschäftsführer E. Geht es darum, die Machenschaften als Einzelaktion von zwei fehlbaren Mitarbeitern zu taxieren und damit den Ruf der Firma zu retten? Bei Fritz & Macziol will man sich nicht äussern und teilt lediglich mit, dass man in vollem Umfang mit den Behörden kooperiere und den Vorgang intern untersuche. Noch sind bei der Staatsanwaltschaft Zürich aber keine Anzeigen eingegangen.

Die mutmasslichen Drahtzieher der Affäre auf Seiten von Fritz & Macziol haben die Firma mittlerweile verlassen. Der ehemalige Geschäftsführer E., ein österreichischer Staatsangehöriger und Motorsportliebhaber, hat die Schweiz Richtung Asien verlassen und leitet seit 2014 eine Zweigstelle. Firmengründer R. hat das Unternehmen 2005 verkauft, verliess Fritz & Macziol erst im Herbst 2013. Grund dafür waren laut offizieller Mitteilung unterschiedliche Ansichten über Kultur und Strategie des Unternehmens. R. ist heute fürs Grosskundengeschäft eines Konkurrenzunternehmens tätig

«Keine Verdunkelungsgefahr»

Im Zuge der vom «Tages Anzeiger» publik gemachten Affäre gab es Hinweise, dass auch das Amt für Informatik und Organisation (AIO) des Kantons Zug in unsaubere Auftragsvergaben involviert sein könnte. Laut Informationen von 20 Minuten gib es enge Verbindungen zwischen einem Entscheidungsträger im AIO und Personen von Fritz & Macziol. Muss man den AIO-Mitarbeiter nicht freistellen, damit er keine Beweise vernichten kann?

Das Informatikamt habe ein elektronisches Datenmanagementsystem. Alle Veränderungen würden protokolliert und seien nachvollziehbar, sagt der Zuger Finanzdirektor Peter Hegglin auf Anfrage. «Ich habe keine Bedenken wegen Verdunkelungsgefahr.» Im Rahmen der angordneten Untersuchung seien aber mehrere Personen befragt worden. Bisher gebe es keine Hinweise, dass sich jemand in ungerechtfertigter Weise bereichert habe.

*Namen der Redaktion bekannt, es gilt die Unschuldsvermutung

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