Italien: 80 Tote bei Flüchtlingsdrama
Aktualisiert

Italien: 80 Tote bei Flüchtlingsdrama

Bei einem Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer zwischen Afrika und Italien sind möglicherweise mehr als 80 Menschen ums Leben gekommen.

Die italienische Küstenwache barg 13 Leichen von Afrikanern an Bord eines Flüchtlingsbootes.

Sie seien bei der Überfahrt an den Folgen von Hunger, Wassermangel und Kälte gestorben. Überlebende berichteten am Montag, auf dem Boot seien ursprünglich etwa 100 Menschen gewesen.

«Wir haben unsere Gefährten, die vor Kälte oder Hunger gestorben sind, ins Meer geworfen», sagte ein Überlebender. Insgesamt sprachen die Betroffenen von bis zu 70 Toten. Ein Behördensprecher erklärte dagegen, es sei noch zu früh, eine endgültige Zahl zu nennen.

Italiens Innenminister Giuseppe Pisanu sprach von einer «schrecklichen Tragödie, die auf dem Gewissen Europas lastet». Bei einem Treffen mit EU-Kollegen sagte er, Europa und Afrika unternähmen nicht genug gegen die illegale Einwanderung.

15 Überlebende

Die Küstenwache konnte lediglich etwa 15 völlig erschöpfte und ausgemergelte Menschen an Bord retten, teilten die Behörden mit. Ihr Zustand war nach Angaben der Rettungsmannschaft schlecht. «Sie hatten Hunger, zitterten vor Kälte und einige phantasierten, als wir sie geborgen haben», sagte ein Rettungshelfer.

Eine Frau wurde zunächst für tot gehalten, erst später hätten Retter bemerkt, dass sie noch atmete. Sie wurde ins Spital von Palermo geflogen.

Die Küstenwache hatte das nur zwölf Meter lange Motorboot am Sonntagabend bei schwerer See etwa 50 Seemeilen südöstlich der Insel Lampedusa aufgebracht. Fast alle der illegalen Einwanderer stammten aus dem ostafrikanischen Somalia.

Nach wochenlangem Marsch durch die Wüste seien sie vermutlich an der Küste Libyens in See gestochen. Die Überfahrt dauerte nach den Worten eines Überlebenden fast 20 Tage.

Zweites Drama innert Tagen

Die Insel Lampedusa südlich von Sizilien liegt näher an der afrikanischen Küste als am italienischen Festland. Sie ist häufig die erste Station für Flüchtlinge aus Afrika. Der Bürgermeister von Lampedusa, Bruno Siragusa sagte, es gebe nicht mehr genügend Särge für die Toten.

Erst vor wenigen Tagen war ein anderes Boot vor der Insel gesunken. Dabei waren mehrere Afrikaner ertrunken. Auf diesem Boot hatten zuvor Eltern die Leichen ihrer Kinder ins Meer werfen müssen. Sie hatten viel zu wenig Lebensmittel und zu wenig Wasser an Bord.

(sda)

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