Firmen, Villen, Autos: Italien beschlagnahmt Mafia-Milliarden
Aktualisiert

Firmen, Villen, AutosItalien beschlagnahmt Mafia-Milliarden

Vito Nicastri, Chef des grössten Unternehmens für erneuerbare Energien in Italien, soll mit der Mafia geschäften. Jetzt fehlen ihm Güter im Wert von 1,5 Milliarden Franken.

Als «Herr des Windes» ist Vito Nicastri in Sizilien bekannt, doch auf den Konten des Unternehmers mit Verbindungen zur Mafia herrscht nach einer Razzia wohl erst einmal Flaute. Vermögenswerte in Höhe von umgerechnet 1,5 Milliarden Franken seien endgültig konfisziert worden, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Es war die bisher grösste Aktion dieser Art, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtet.

Die Polizei beschlagnahmte unter anderem 43 komplette Firmen, Dutzende Villen, Grundstücke und Bankkonten sowie mehrere Fahrzeuge. Der Geschäftsmann habe im Handel mit erneuerbaren Energien Kasse gemacht.

Geldwäsche mit erneuerbaren Energien

Die über mehrere italienische Regionen verstreuten Vermögenswerte waren schon im September 2010 vorläufig beschlagnahmt worden, doch erst jetzt wurde das volle Ausmass bekannt und der persönliche Besitz Nicastris durch einen Gerichtsbeschluss endgültig unter Staatsverwaltung gestellt.

Der 57-Jährige hat nach Erkenntnissen des Kriminalamts zur Bekämpfung der Mafia (DIA) erfolgreich Geschäfte mit erneuerbaren Energien aus Wind- und Solaranlagen betrieben und steht im Verdacht, der Mafia so bei der Geldwäsche geholfen zu haben. Der Wirtschaftszweig wird in Italien häufig zur Geldwäsche missbraucht.

Darüber hinaus soll Nicastri enge Verbindungen zum Chef der sizilianischen Mafia Cosa Nostra, Matteo Messina Denaro, pflegen. Die Beschlagnahme des Eigentums des «Herrn der Winde» mache dem obersten Mafioso Siziliens «das Leben sicherlich schwieriger», sagte DIA-Chef Arturo de Felice.

Drei Jahre Hausarrest

Der Unternehmer selbst wurde für drei Jahre unter Hausarrest an seinem Wohnsitz in der Ortschaft Alcamo gestellt. Seine Vermögenswerte unterstünden jetzt einem Justizverwalter, sagte Felice. Einnahmen daraus kämen dem Staat zugute.

Freuen dürfen sich aber auch die Ermittler: Sie können Felice zufolge nun Kommissariate in Nicastris Villen einrichten und seine Autos für Dienstfahrten benutzen. (sda)

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