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Schliessung von SkigebietenItalien droht Schweiz im Skisaison-Streit mit Quarantäne-Liste

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte will den Start der Skisaison in Europa auf den 10. Januar legen. Sollte die Schweiz nicht mitziehen, könnte das ganze Land auf der Quarantäne-Liste Italiens landen.

von
Daniel Krähenbühl
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Setzt er die Schweiz auf die Quarantäne-Liste? Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte diskutiert am Donnerstag am Regierungsgipfel über die Forderung. 

Setzt er die Schweiz auf die Quarantäne-Liste? Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte diskutiert am Donnerstag am Regierungsgipfel über die Forderung.

Reuters
Beim Streit geht es um die Forderung Italiens, Deutschlands und Frankreichs, dass die Skisaison erst am 10. Januar starten soll. 

Beim Streit geht es um die Forderung Italiens, Deutschlands und Frankreichs, dass die Skisaison erst am 10. Januar starten soll.

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Sollten die Massnahmen umgesetzt werden, müssten Personen, die in der Schweiz waren, bei der Rückkehr nach Italien zwei Wochen in Quarantäne. 

Sollten die Massnahmen umgesetzt werden, müssten Personen, die in der Schweiz waren, bei der Rückkehr nach Italien zwei Wochen in Quarantäne.

Reuters

Darum gehts

  • Beim italienischen Regierungsgipfel am Donnerstag werden weitere Corona-Massnahmen beschlossen.

  • Unter anderem steht auch eine Erweiterung der Quarantäne-Liste auf der Traktandenliste.

  • Sollten die Schweizer Skigebiete weiterhin geöffnet bleiben, könnte die Schweiz auf der Liste landen.

«Die Skigebiete können offen bleiben, mit guten Schutzkonzepten und strikter Umsetzung»: Bundesrat Alain Berset nahm in der Medienkonferenz von Donnerstag deutlich Stellung zum Skigebiet-Streit mit Deutschland, Frankreich und Italien. Die drei Länder fordern, dass im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie alle europäischen Skigebiete bis zum 10. Januar geschlossen werden. Neben Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel haben sich auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte für die Massnahme ausgesprochen.

Italien will nun einen Schritt weitergehen und droht damit, die Schweiz auf die Quarantäne-Liste zu setzen, sollten die Skigebiete auch weiterhin offen bleiben. Personen, die in der Schweiz waren und nach Italien reisen, müssten nach der Rückkehr zwei Wochen in Quarantäne verbringen. Beim am Donnerstag stattfindenden italienischen Regierungsgipfel diskutieren Conte und Gesundheitsminister Roberto Speranza zudem über weitere Corona-Massnahmen, die ab dem 4. Dezember gelten.

Bayern führt Quarantänepflicht für Skitouristen ein

Nicht nur Italien, sondern auch Deutschland erhöht den Druck auf die Schweiz. So hat heute Bayern beschlossen, eine Quarantänepflicht für Wintersportler und andere Tagestouristen zu verhängen, die nur kurz ins Ausland reisen. Eine Ausnahmeregelung für Aufenthalte unter 24 Stunden soll nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe gelten – etwa wegen der Arbeit, Arztbesuchen oder familiären Angelegenheiten, so der bayrische Ministerpräsident Markus Söder.

Ob die Druckversuche Konsequenzen haben, darf angezweifelt werden: Bei den Schweizer Bergkantonen und Skigebieten stösst der Ruf nach geschlossenen Pisten bisher auf Unverständnis. Auch Daniel Koch, ehemaliger Corona-Delegierter des Bundesrates, sagte, dass eine Skisaison möglich sei, wenn die Zahlen noch etwas sinken würden und geeignete Schutzkonzepte vorhanden seien. «Auf den Skipisten ist das Risiko eher gering», so Koch.

So reagieren binationale Skigebiete

Zermatt

Beim Skigebiet Zermatt, das mit den italienischen Gemeinden Cervinia/Valtournenche verbunden ist, zeigt man sich von den Forderungen der italienischen Behörden unbeeindruckt: «Sofern keine anderen Weisungen von Bund und Kanton folgen, werden wir bis zum 28. November das volle Angebot an Pisten, Bahnen und sonstiger Infrastruktur zu Verfügung stellen», sagt Sprecher Mathias Imoberdorf. Noch offen sei, wie sich das Après-Ski diesen Winter gestalten werde. Der Entscheid und die Kommunikation darüber lägen aber bei Bund und Kanton.

Eine Schliessung der Skipisten sei aber weder zielführend noch hilfreich, ist Imoberdorf überzeugt. «Wir sind überzeugt, dass wir mit dem Schutzkonzept ein für alle sicheres Erlebnis anbieten können.» Da die Seilbahnen auf der italienischen Seite bereits jetzt schon stillstehen würden, sei die Verbindungspiste mit einem Band abgesperrt worden.

Porte du Soleil

Für Sébastien Epiney, Direktor der Region Dents du Midi, wäre eine Schliessung der französischen Skilifte im Gebiet Porte du Soleil ein logistischer Albtraum. «Das Skigebiet ist eines der grössten der Welt, wenn die Skilifte auf der französischen Seite nicht mehr fahren, wird es kompliziert.»

Ob die Schweizer Wintersportorte von einer Schliessung sogar profitieren, sei aber noch schwer abzuschätzen. «Es ist vorstellbar, dass es ausländische Gästen schwer gemacht wird, in die Schweiz zu reisen.» Trotzdem rechne er nicht mit grossen finanziellen Einbussen: «Bis jetzt herrscht eine grosse Nachfrage nach Vorverkaufstickets. Der Vorverkauf läuft sogar besser als letztes Jahr.»

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337 Kommentare
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Alex

27.11.2020, 19:55

Die Kurve der Neuinfizierten in der Schweiz geht steil nach unten. Trotz der angeblich viiiiiel zu lockeren Vorgehensweise unserer Regierung. In Italien, Deutschland und Österreich ist das nicht so deutlich der Fall. Nur mal so... nebenbei bemerkt.

Skifahrerin

27.11.2020, 19:21

Gott sei Dank gehört die Schweiz nicht zur EU. Ein grosses Merci an die Entscheidungsträger - lasst euch nicht in die Knie zwingen! Was gibt es Schöneres als im Winter Ski zu fahren oder mit den Kindern go "böblä". Sport an der frischen Luft tut gut für Körper und Seele!

Nick

27.11.2020, 19:06

Für uns ist Italien sowieso nur mit dem Wohnwagen ein Durchfahrtland geworden. Ich Tanke nicht mal mehr in Italien. Wenn bei uns im Wohnwagen eingebrochen wurde nirgendswo ausser in Italien.