Aktualisiert 16.02.2005 18:55

Italien erhört Flehen der Geisel nicht

Trotz eines dramatischen Appells der entführten Journalistin Giuliana Sgrena hat Italien einer Mandatsverlängerung für die Truppen im Irak gebilligt.

Schluchzend und mit zum Gebet gefalteten Händen tauchte die im Irak verschleppte Reporterin auf einem Video auf. Darin fleht sie um ihr Leben und ruft die US-geführten Truppen zum Abzug aus dem Irak auf.

«Sie müssen die Besatzung beenden», ruft Sgrena auf dem Video, das der Fernsehnachrichtenagentur APTN am Mittwoch zuging. «Das ist der einzige Weg, wie wir aus diese Situation herauskommen.» Die 56-jährige Korrespondentin, die für die italienische Zeitung «Il Manifesto» und die deutsche Wochenzeitung «Die Zeit» arbeitet, war am 4. Februar in Bagdad verschleppt worden.

Das dramatische Lebenszeichen von ihr löste bei allem Schrecken auch Erleichterung in Italien aus. «Es ist eine gute Nachricht», sagte ihr Freund Pierre Scolari. Angesichts der grauenhaften Umstände mache sie einen guten Eindruck. «Il Manifesto»-Chefredakteur Gabriele Polo sagte, er sei «erleichtert», seine Redakteurin lebend zu sehen.

Sgrena wippt auf dem dreiminütigen Video, in einen lindgrünen Kittel gekleidet, vor und zurück und kämpft mit den Tränen. «Ich bitte die italienische Regierung, das italienische Volk, das gegen die Besatzung kämpft, ich bitte meinen Mann, bitte helft mir», sagte Sgrena. «Ihr müsst alles tun, um diese Besatzung zu beenden. Ich verlasse mich auf euch, ihr könnt mir helfen.» Auf dem Video, das den ganzen Tag im italienischen Fernsehen gezeigt wurde, sprach Sgrena sowohl italienisch als auch französisch. Sie wirkte müde und ängstlich. «Niemand sollte derzeit in den Irak kommen», sagte sie. «Nicht einmal Journalisten. Niemand.»

Wer hinter Sgrenas Entführung steckt, ist noch unklar. Auf islamischen Web-Sites im Internet sind verschiedene Bekennerschreiben aufgetaucht. Die italienische Regierung hat erklärt, für die Journalistin werde kein Lösegeld gezahlt.

Der Senat votierte am Abend mit 141 zu 112 Stimmen für die weitere Finanzierung der Militäraktion im Irak. Da die rechtskonservative Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi in der Parlamentskammer eine deutliche Mehrheit hat, war mit einer Zustimmung gerechnet worden. Das derzeitig Mandat für die 3.000 italienischen Soldaten im Irak wäre im Juni ausgelaufen.

(dapd)

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